Benzin über 2 €/Liter: Lohnt sich jetzt der Umstieg aufs E-Auto? 5 Szenarien durchgerechnet

2,08 € pro Liter Super E5. Das ist keine Schreckensvision, sondern der offizielle Durchschnittspreis in Deutschland am 9. März 2026 — bestätigt vom Statistischen Bundesamt. Damit hat Benzin zum ersten Mal seit 2022 die psychologische 2-Euro-Marke geknackt. Der Grund: Der Iran-Krieg treibt den Ölpreis nach oben, die CO₂-Steuer ist auf bis zu 65 €/Tonne gestiegen, und ab 2027 droht der EU-Emissionshandel ETS II die Preise auf 2,25–3,00 € pro Liter zu katapultieren. Gleichzeitig gibt es eine neue E-Auto-Förderung von bis zu 6.000 €, Strom zu Hause kostet 30 Cent/kWh, und ein Dacia Spring gibt es für unter 12.000 € nach Förderung. Deshalb stellen sich gerade Millionen Deutsche die eine Frage: Lohnt sich jetzt endlich der Umstieg aufs E-Auto? Hier ist die Antwort — durchgerechnet für fünf reale Lebenssituationen.


Warum Benzin gerade so teuer ist — und warum es noch teurer wird

Bevor wir rechnen, müssen wir verstehen, warum die Preise explodieren. Denn der aktuelle Anstieg hat nicht einen Grund, sondern drei, die sich gegenseitig verstärken:

Grund 1: Der Iran-Krieg und der Ölpreis

Die US-israelische Militäroperation gegen den Iran hat den internationalen Ölmarkt erschüttert. Der Ölpreis ist auf über 90 Dollar pro Barrel gestiegen — ein Niveau, das direkt auf die Zapfsäule durchschlägt. Solange der Konflikt andauert, bleibt der Ölpreis volatil. Experten rechnen mit Preisen zwischen 85 und 110 Dollar pro Barrel für die kommenden Monate.

Grund 2: Die CO₂-Steuer steigt weiter

Gleichzeitig wird seit 1. Januar 2026 der CO₂-Preis über Auktionen ermittelt — in einem Korridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne. Laut ADAC bedeutet das maximal 3 Cent mehr pro Liter Benzin gegenüber 2025. Allerdings ist das nur die Vorstufe: Ab 2028 startet der EU-Emissionshandel ETS II, der den CO₂-Preis am freien Markt bilden lässt. Experten des ZEW rechnen dann mit Preisen von bis zu 200 Euro pro Tonne — das wären 60 Cent mehr pro Liter Benzin. Infolgedessen könnten Benzinpreise von 2,50–3,00 € pro Liter ab 2028 zur Realität werden.

Grund 3: Der schwache Euro

Hinzu kommt ein dritter Faktor: Der Euro hat gegenüber dem Dollar an Wert verloren, was importiertes Öl zusätzlich verteuert. Da Rohöl in Dollar gehandelt wird, zahlen europäische Importeure bei einem schwachen Euro mehr pro Barrel — ein Effekt, der sich direkt an der Tankstelle bemerkbar macht.


Die Rechnung: Was kostet dich dein Verbrenner WIRKLICH pro Kilometer?

Die meisten Autofahrer wissen, wie viel ein Liter Benzin kostet. Dennoch unterschätzen sie die Gesamtkosten pro Kilometer dramatisch. Deshalb rechnen wir hier transparent — mit den Preisen vom März 2026:

KostenpositionBenziner (Golf 1.5 TSI)Diesel (Tiguan 2.0 TDI)E-Auto (VW ID.4)
Verbrauch/100 km6,5 l Super6,0 l Diesel17 kWh Strom
Energiepreis2,08 €/l1,95 €/l0,30 €/kWh (Wallbox)
Energiekosten/100 km13,52 €11,70 €5,10 €
Kfz-Steuer/Jahr~130 €~250 €0 € (bis 2030)
Wartung/Jahr~600 €~700 €~300 €
Ölwechsel/Jahr~150 €~180 €0 €
Kosten/km (nur Energie)0,135 €0,117 €0,051 €
Kosten/km (gesamt, 15.000 km)0,194 €0,193 €0,071 €

Die Erkenntnis: Ein E-Auto kostet pro Kilometer weniger als die Hälfte eines Benziners. Bei 15.000 km Jahresfahrleistung spart ein VW ID.4 gegenüber einem Golf rund 1.845 € pro Jahr — allein bei den laufenden Kosten, ohne den Kaufpreis zu berücksichtigen. Dabei ist die Wartungsersparnis besonders bemerkenswert: Kein Ölwechsel, weniger Bremsverschleiß (dank Rekuperation), keine Auspuffanlage, kein Zahnriemen. Deshalb rechnet der ADAC mit nur 300 € jährlichen Wartungskosten für ein E-Auto — gegenüber 600 € bei einem vergleichbaren Verbrenner. Allerdings muss man fair bleiben: Diese Rechnung funktioniert nur mit einer eigenen Wallbox. Wer ausschließlich an öffentlichen DC-Schnellladern lädt, zahlt 9,35 €/100 km — immer noch günstiger als Benzin, aber der Vorsprung schrumpft deutlich.


5 Szenarien: Für wen lohnt sich der Umstieg — und für wen nicht?

Szenario 1: Der Pendler (15.000 km/Jahr, eigene Wallbox)

Verbrenner (Golf 1.5 TSI)E-Auto (VW ID.4 Pro)
Kaufpreis30.000 €42.000 € (– 6.000 € Förderung = 36.000 €)
Energiekosten/Jahr2.028 €765 €
Wartung + Steuer/Jahr880 €300 €
Laufende Kosten/Jahr2.908 €1.065 €
Ersparnis E-Auto/Jahr1.843 €
Break-even Kaufpreis3,3 Jahre

Ergebnis: Der ID.4 ist nach 3,3 Jahren günstiger als der Golf — trotz 6.000 € höherem Kaufpreis. Ab dem vierten Jahr spart der Pendler fast 2.000 € pro Jahr. Somit ist der Umstieg für Pendler mit eigener Wallbox ein klares Ja.

Szenario 2: Der Vielfahrer (30.000 km/Jahr, Mix aus Wallbox + DC-Laden)

Diesel (Tiguan 2.0 TDI)E-Auto (VW ID.4 Pro)
Kaufpreis38.000 €36.000 € (nach Förderung)
Energiekosten/Jahr3.510 € (Diesel 1,95 €/l)1.890 € (Mix: 50% Wallbox 0,30 €, 50% DC 0,55 €)
Wartung + Steuer/Jahr950 €350 €
Laufende Kosten/Jahr4.460 €2.240 €
Ersparnis E-Auto/Jahr2.220 €

Ergebnis: Bei 30.000 km/Jahr spart das E-Auto 2.220 € jährlich — und kostet nach Förderung sogar 2.000 € weniger in der Anschaffung. Infolgedessen ist der Umstieg für Vielfahrer ab sofort die wirtschaftlich klügste Entscheidung. Dennoch muss die Ladeinfrastruktur auf der eigenen Route stimmen: Wer täglich 200+ km auf der Autobahn fährt und keinen Schnelllader an der Strecke hat, sollte vor dem Kauf die Ladekarte prüfen.

Szenario 3: Der Stadtfahrer (8.000 km/Jahr, nur öffentliches AC-Laden)

Benziner (VW Polo 1.0 TSI)E-Auto (Dacia Spring)
Kaufpreis18.700 €16.900 € (– 6.000 € Förderung = 10.900 €)
Energiekosten/Jahr1.082 € (6,5 l, 2,08 €/l)612 € (17 kWh, 0,45 €/kWh AC)
Wartung + Steuer/Jahr680 €250 €
Laufende Kosten/Jahr1.762 €862 €
Ersparnis E-Auto/Jahr900 €

Ergebnis: Selbst bei teurem öffentlichen AC-Laden (0,45 €/kWh) spart der Dacia Spring 900 € pro Jahr. Außerdem kostet er nach Förderung 7.800 € weniger als der Polo. Folglich ist der Dacia Spring für Stadtfahrer das beste Angebot auf dem deutschen Markt — er ist billiger in der Anschaffung UND im Unterhalt. Allerdings hat der Spring nur 230 km Reichweite — für reine Stadtfahrer reicht das, für Langstrecken nicht.

Szenario 4: Die Familie mit SUV (20.000 km/Jahr, Wallbox + PV-Anlage)

Verbrenner (Tiguan 1.5 TSI)E-Auto (BYD Sealion 7)
Kaufpreis35.000 €42.000 € (– 6.000 € = 36.000 €)
Energiekosten/Jahr2.704 € (6,5 l, 2,08 €/l)340 € (17 kWh, 0,10 €/kWh PV-Strom)
Wartung + Steuer/Jahr880 €300 €
Laufende Kosten/Jahr3.584 €640 €
Ersparnis E-Auto/Jahr2.944 €
Break-even0,3 Jahre (4 Monate!)

Ergebnis: Mit einer PV-Anlage auf dem Dach amortisiert sich der höhere Kaufpreis des E-Autos in nur 4 Monaten. Das ist kein Tippfehler — bei 10 Cent/kWh Solarstrom kostet das E-Auto weniger als 2 € pro 100 km, während der Verbrenner über 13 € schluckt. Dementsprechend ist die Kombination E-Auto + PV-Anlage + Wallbox das wirtschaftlich stärkste Argument für den Umstieg. Wer bereits eine PV-Anlage hat, verschenkt buchstäblich Geld, wenn er noch Verbrenner fährt.

Szenario 5: Der LPG-Sparfuchs (15.000 km/Jahr, Dacia Eco-G)

LPG (Dacia Jogger Eco-G)E-Auto (Dacia Spring)
Kaufpreis18.290 €10.900 € (nach Förderung)
Energiekosten/Jahr900 € (7,5 l LPG, 0,80 €/l)765 € (17 kWh, 0,30 €/kWh)
Wartung + Steuer/Jahr580 €250 €
Laufende Kosten/Jahr1.480 €1.015 €
Ersparnis E-Auto/Jahr465 €

Ergebnis: Überraschung — selbst gegen LPG (den günstigsten Kraftstoff) gewinnt das E-Auto bei den laufenden Kosten. Allerdings ist der Vorsprung deutlich geringer als bei Benzin oder Diesel. Dennoch kostet der Dacia Spring nach Förderung 7.390 € weniger als der Jogger Eco-G. Wer also die geringere Reichweite des Spring akzeptieren kann (230 km vs 1.590 km beim Jogger mit LPG), spart insgesamt erheblich. Für Langstreckenfahrer bleibt LPG hingegen die bessere Wahl — die 1.590 km Reichweite des Jogger Eco-G sind von keinem E-Auto erreichbar.


Die große Vergleichstabelle: Energiekosten pro 100 km bei aktuellem Preisniveau

AntriebVerbrauchEnergiepreisKosten/100 km
Super E5 (Benzin)6,5 l2,08 €/l13,52 €
Super E106,8 l2,02 €/l13,74 €
Diesel6,0 l1,95 €/l11,70 €
LPG (Autogas)7,5 l0,80 €/l6,00 €
E-Auto (Wallbox zu Hause)17 kWh0,30 €/kWh5,10 €
E-Auto (PV-Anlage)17 kWh0,10 €/kWh1,70 €
E-Auto (öffentlich AC)17 kWh0,45 €/kWh7,65 €
E-Auto (DC Schnellladen)17 kWh0,55 €/kWh9,35 €

Die Tabelle zeigt klar: Selbst beim teuersten Ladeszenario (DC-Schnellladen) ist ein E-Auto günstiger als Benzin. Nur LPG kommt annähernd an die Wallbox-Kosten heran. Mit einer PV-Anlage fährt ein E-Auto für 1,70 € pro 100 km — achtmal günstiger als Benzin.


Was du JETZT tun solltest — ein Fahrplan in 4 Schritten

Schritt 1: Prüfe dein Fahrprofil

Zunächst die wichtigste Frage: Wie viele Kilometer fährst du pro Jahr? Wie viel davon ist Stadt, wie viel Autobahn? Hast du einen festen Stellplatz mit Stromanschluss? Diese drei Fragen bestimmen, ob ein E-Auto für dich sinnvoll ist. Ab 10.000 km/Jahr mit eigenem Stellplatz lohnt sich der Umstieg fast immer.

Schritt 2: Nutze die Förderung — JETZT

Darüber hinaus bietet die neue E-Auto-Förderung 2026 bis zu 6.000 € Zuschuss. Das Antragsportal öffnet voraussichtlich im Mai 2026, aber die Förderung gilt rückwirkend ab 1. Januar 2026. Deshalb kannst du heute kaufen und den Antrag später stellen. Der Fördertopf umfasst 3 Milliarden Euro — wenn er leer ist, ist er leer. Dementsprechend gilt: Je früher du handelst, desto sicherer bekommst du die volle Förderung.

Schritt 3: Installiere eine Wallbox

Außerdem solltest du vor dem E-Auto-Kauf eine Wallbox installieren — denn sie ist der Schlüssel zum maximalen Kostenvorteil.

Die Kosten für eine Wallbox liegen bei 1.100–5.000 € komplett installiert. In NRW gibt es 1.500 € Förderung, in BW bis zu 2.500 €. Dadurch sinken die realen Kosten auf 600–2.500 €. Über die Lebensdauer des Autos spart eine Wallbox tausende Euro gegenüber öffentlichem Laden.

Schritt 4: Vergleiche konkrete Modelle

Hier die günstigsten E-Autos nach Förderung in Deutschland:

ModellPreis nach FörderungReichweiteKosten/100 km (Wallbox)
Dacia Springab ~10.900 €230 km5,10 €
Citroën ë-C3ab ~17.400 €320 km4,59 €
Renault Twingo Electricab ~12.990 €300 km4,50 €
MG4 EV Standardab ~21.500 €350 km4,95 €
VW ID. Polo (ab Ende 2026)ab ~19.000 €450 km4,25 €

Häufige Fragen zum Benzinpreis und E-Auto-Umstieg

Warum ist Benzin gerade so teuer? Drei Faktoren: Der Iran-Krieg treibt den Ölpreis über 90 $/Barrel, die CO₂-Steuer ist 2026 auf bis zu 65 €/Tonne gestiegen, und der schwache Euro verteuert importiertes Öl. Am 9. März 2026 lag der Durchschnittspreis für Super E5 bei 2,08 €/Liter.

Wird Benzin noch teurer? Wahrscheinlich ja. Ab 2028 startet der EU-Emissionshandel ETS II. Experten rechnen mit Benzinpreisen von 2,25–3,00 €/Liter. Der ADAC warnt vor einem Preissprung von 40–60 Cent pro Liter zum Jahreswechsel 2027/2028.

Ab welcher Kilometerleistung lohnt sich ein E-Auto? Ab 10.000 km/Jahr mit eigener Wallbox lohnt sich der Umstieg finanziell. Bei 15.000 km/Jahr spart man rund 1.800 € pro Jahr gegenüber einem Benziner. Bei 30.000 km/Jahr sind es über 2.200 €.

Was ist günstiger: E-Auto oder LPG? Bei den laufenden Kosten ist ein E-Auto mit Wallbox (5,10 €/100 km) etwas günstiger als LPG (6,00 €/100 km). Allerdings bietet LPG deutlich mehr Reichweite (bis 1.590 km) und eine schnellere Betankung. Für Langstreckenfahrer ohne Wallbox bleibt LPG attraktiv.

Lohnt sich ein E-Auto ohne eigene Wallbox? Bedingt. Öffentliches AC-Laden (0,45 €/kWh) ist immer noch günstiger als Benzin (2,08 €/l). Allerdings ist der Vorteil deutlich geringer als mit Wallbox. DC-Schnellladen (0,55 €/kWh) kommt preislich in die Nähe von Diesel. Somit ist eine eigene Wallbox der Schlüssel zum maximalen Kostenvorteil.

Wie viel spart eine PV-Anlage beim E-Auto? Enorm. Mit Solarstrom (ca. 0,10 €/kWh) kosten 100 km im E-Auto nur 1,70 € — achtmal weniger als Benzin. Bei 15.000 km/Jahr spart die PV-Anlage rund 1.773 € gegenüber dem Laden an der Wallbox mit Netzstrom — und 2.982 € gegenüber Benzin.

Bekomme ich 2026 noch Förderung für ein E-Auto? Ja. Die neue Förderung bietet je nach Einkommen 1.500–6.000 € Zuschuss für reine E-Autos. Das Portal öffnet im Mai 2026, die Förderung gilt rückwirkend ab 1. Januar 2026. Insgesamt stehen 3 Milliarden Euro zur Verfügung.


Fazit: Bei 2,08 € pro Liter gibt es keine Ausrede mehr

Die Mathematik ist eindeutig: Bei aktuellen Benzinpreisen von über 2 Euro pro Liter ist ein Elektroauto in fast jedem Szenario günstiger als ein Verbrenner — bei den laufenden Kosten, bei der Wartung und bei der Steuer.

Der einzige Grund, der gegen einen sofortigen Umstieg spricht, ist der höhere Anschaffungspreis. Allerdings relativiert die neue Förderung von bis zu 6.000 € diesen Nachteil erheblich. Ein Dacia Spring kostet nach Förderung 10.900 € — weniger als ein VW Polo. Ein VW ID.4 kostet nach Förderung und Händlerrabatt unter 30.000 € — und spart danach 1.800 € pro Jahr an laufenden Kosten.

Gleichzeitig wird Benzin in den kommenden Jahren nicht billiger werden. Der Iran-Krieg ist zwar ein kurzfristiger Preistreiber, aber die CO₂-Steuer und der EU-Emissionshandel sind strukturell — sie werden die Preise dauerhaft nach oben drücken. Folglich kauft jeder, der heute einen Verbrenner kauft, ein Auto, dessen Betriebskosten jedes Jahr steigen werden.

Die Frage ist deshalb nicht mehr „Lohnt sich ein E-Auto?“. Die Frage ist: „Kann ich es mir leisten, weiter Benzin zu fahren?“


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Letzte Aktualisierung: 13. März 2026 · Datenquellen: Statistisches Bundesamt, ADAC, tanke-guenstig.de, BMUKN, Polarstern Energie

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