Beyond Cars Japan: Wie ein deutsch-japanisches Start-up den Gebrauchtwagen-Markt auf den Kopf stellt

Ein BMW M3 E92 mit 91.000 Kilometern für 36.000 Euro. Ein Mercedes SL 500 mit 58.000 Kilometern für 31.500 Euro. Ein CLS 63 AMG Performance mit 73.000 Kilometern für 36.500 Euro. Die Preise klingen nach Schreibfehlern — doch die Fahrzeuge stehen tatsächlich zum Verkauf. Der Haken? Sie kommen aus Japan. Und genau darin liegt das Geschäftsmodell von Beyond Cars Japan.

Was ist Beyond Cars Japan?

Beyond Cars Japan — kurz BCJ — ist ein deutsch-japanisches Unternehmen, das sich auf den Re-Import deutscher Premiumfahrzeuge aus Japan spezialisiert hat. Gegründet wurde die Firma von Ibo-Ibrahim Tumeh, der mit seinem Team sowohl in Nagoya (Japan) als auch in Bremen (Deutschland) operiert. BCJ ist als japanische Kapitalgesellschaft (株式会社) offiziell registriert und vereint somit deutsche Gründlichkeit mit japanischer Qualitätskultur.

Das Konzept klingt zunächst paradox: Warum sollte man einen Mercedes, BMW oder Porsche ausgerechnet aus Japan importieren, wenn die Fahrzeuge ursprünglich aus Deutschland stammen? Die Antwort liegt in einer Kombination aus drei Faktoren, die den japanischen Gebrauchtwagenmarkt so einzigartig machen: niedrige Laufleistungen, makellose Pflege und der historisch schwache Yen.

Warum deutsche Autos aus Japan?

Faktor 1: Extrem niedrige Kilometerstände

Japan ist ein dicht besiedeltes Land, in dem die meisten Fahrten innerhalb der Stadt stattfinden. Pendler nutzen vorrangig die hervorragend ausgebauten Zugnetze. Außerdem sorgen strenge Parkplatzvorschriften — in vielen Städten muss man beim Autokauf einen eigenen Stellplatz nachweisen — dafür, dass Fahrzeuge seltener und kürzer bewegt werden als in Europa. Infolgedessen weisen viele Gebrauchtwagen in Japan Laufleistungen auf, die in Deutschland als ungewöhnlich niedrig gelten würden. Ein fünf bis zehn Jahre altes Fahrzeug mit 50.000 bis 80.000 Kilometern ist dort keine Seltenheit, sondern eher die Regel.

Faktor 2: Japanische Pflegekultur

Die japanische Autokultur unterscheidet sich grundlegend von der europäischen. Fahrzeuge werden regelmäßig gewartet, in überdachten Garagen abgestellt und bei kleinsten Kratzern sofort zum Aufbereiter gebracht. Darüber hinaus schreibt das strenge japanische Inspektionssystem „Shaken“ (車検) alle zwei Jahre eine umfassende Hauptuntersuchung vor, die deutlich über den deutschen TÜV hinausgeht. Fahrzeuge, die die Shaken-Inspektion nicht bestehen, werden häufig verkauft statt repariert — weil die Reparaturkosten in Japan unverhältnismäßig hoch sind. Dadurch gelangen exzellent erhaltene Fahrzeuge auf den Gebrauchtwagenmarkt und schließlich in den Export.

Faktor 3: Der schwache Yen

Der Wechselkurs spielt für Reimporteure eine entscheidende Rolle. Anfang März 2026 steht der Euro-Yen-Kurs bei rund 184 JPY pro Euro — ein historisch starker Euro. Zum Vergleich: Noch 2020 lag der Kurs bei etwa 120 JPY. Konkret bedeutet das, dass ein Fahrzeug, das in Japan für 3 Millionen Yen zum Verkauf steht, heute rund 16.300 Euro kostet. Vor sechs Jahren hätte dasselbe Auto hingegen noch 25.000 Euro gekostet. Dieser Währungsvorteil macht den Import deutscher Fahrzeuge aus Japan trotz Verschiffung, Zoll und Einfuhrumsatzsteuer wirtschaftlich attraktiv.

Wie funktioniert der Kauf bei Beyond Cars Japan?

BCJ bietet einen vollständig betreuten Prozess an, der den Käufer von der Fahrzeugsuche bis zur Übergabe in Bremen begleitet. Der Ablauf gliedert sich in acht klar definierte Schritte:

Schritt 1 — Wunschfahrzeug: Der Kunde teilt BCJ seine Vorstellungen mit: Marke, Modell, Baujahr, Getriebeart, Farbe, maximale Laufleistung und Budget. BCJ durchsucht daraufhin japanische Auktionshäuser und Händlerbestände landesweit.

Schritt 2 — Anzahlung und Reservierung: Wurde ein passendes Fahrzeug gefunden, sichert eine Anzahlung die Reservierung. BCJ begutachtet das Fahrzeug vor Ort in Japan — ein wesentlicher Vorteil gegenüber dem Selbstimport, bei dem Käufer in der Regel auf Fotos und Auktionsberichte angewiesen sind.

Schritt 3 — Kaufvertrag und Bezahlung: Nach erfolgreicher Prüfung erhält der Kunde einen Kaufvertrag samt detaillierter Rechnung. Alle Kosten werden vorab transparent aufgelistet — BCJ wirbt ausdrücklich mit einer Preisgarantie ohne versteckte Zusatzkosten.

Schritt 4 — Verschiffung: Das Fahrzeug wird per RoRo-Schiff (Roll-on/Roll-off) oder optional per Container von Japan nach Europa verschifft. Die Überfahrt dauert je nach Route zwischen 6 und 12 Wochen. Während dieser Zeit erhält der Käufer darüber hinaus einen Tracking-Link, um den Transportstatus jederzeit verfolgen zu können.

Schritt 5 — Zoll und Anmeldung: BCJ übernimmt die Zollabwicklung am deutschen Hafen. Die Einfuhrumsatzsteuer und eventuelle Zollgebühren werden in einer Schlussrechnung zusammengefasst. Anschließend folgt die Fahrzeuganmeldung.

Schritt 6 — Übergabe: Die Abholung erfolgt in Bremen. Alternativ bietet BCJ eine Lieferung an die Wunschadresse des Käufers an.

💡 Gut zu wissen: Wer den Import auf eigene Faust versucht, scheitert in Japan häufig an der Sprachbarriere und am Auktionssystem. Die meisten Fahrzeuge wechseln über geschlossene Versteigerungen den Besitzer, zu denen nur lizenzierte Händler Zugang haben. Ohne japanischen Kontaktmann vor Ort ist ein Kauf praktisch unmöglich.

Was kostet ein Reimport aus Japan?

Die endgültigen Kosten setzen sich aus mehreren Komponenten zusammen: Fahrzeugpreis in Yen, Auktionsgebühren, inländischer Transport zum Hafen, Verschiffungskosten, Zoll (in der Regel 6,5 % auf den Fahrzeugwert bei Drittländern) und 19 % Einfuhrumsatzsteuer. BCJ bündelt all diese Posten in einem Gesamtpreis.

Ein Blick auf den aktuellen Bestand verdeutlicht die Preisgestaltung:

FahrzeugBaujahrKilometerLeistungPreis (€)
BMW M3 E92 Coupé91.328 km420 PS35.999
Mercedes CLS 350 AMG (C218)94.550 km306 PS19.399
Mercedes GLK 350 AMG (X204)63.719 km306 PS19.999
Audi S5 Sportback quattro82.277 km333 PS21.399
Mercedes SL 500 (R231)57.993 km435 PS31.499
Mercedes CLS 63 AMG Perf. (C218)73.192 km557 PS36.499

Im Vergleich zu deutschen Plattformen wie mobile.de liegen diese Preise folglich häufig 20 bis 40 Prozent unter dem Marktniveau — bei gleichzeitig niedrigerer Laufleistung und besserem Pflegezustand. Man muss allerdings berücksichtigen, dass die Wartezeit durch die Verschiffung deutlich länger ist als beim lokalen Händlerkauf.

Social-Media-Erfolg: Vom TikTok-Kanal zum Vollzeit-Business

Beyond Cars Japan hat sich nicht über klassische Werbung einen Namen gemacht, sondern über Social Media. Auf Instagram folgen dem Kanal @beyondcarsjapan mittlerweile über 37.000 Nutzer, auf TikTok sind es rund 4.600 Follower mit insgesamt über 34.000 Likes. Auf YouTube betreibt Gründer Ibo den Kanal „Ibo-BCJ“, auf dem er den gesamten Importprozess dokumentiert — von der Fahrzeugbesichtigung auf japanischen Auktionen über die Verschiffung bis zur Übergabe in Bremen.

Der Content-Mix funktioniert vor allem deshalb, weil er authentisch ist: Keine polierten Werbefilme, sondern echte Walkarounds durch japanische Auktionshallen, ehrliche Zustandsbewertungen und transparente Preisgespräche. Besonders die TikTok-Videos, in denen Ibo Importkosten in 60 Sekunden erklärt oder seltene Farbkombinationen eines Porsche Cayman aus Japan zeigt, generieren hohe Reichweiten. Auf der Website weist BCJ derzeit sogar darauf hin, dass die Antwortzeiten aufgrund „unerwartet hoher Anfragenzahlen“ länger ausfallen können — ein deutliches Zeichen für den wachsenden Erfolg.

Für wen lohnt sich der Reimport?

Der Japan-Reimport ist nicht für jeden die richtige Lösung. Wer morgen ein Auto braucht, wird mit BCJ nicht glücklich — die Lieferzeit beträgt inklusive Suche, Verschiffung und Zollabwicklung in der Regel drei bis fünf Monate. Wer hingegen Zeit mitbringt und ein spezifisches Fahrzeug in überdurchschnittlichem Zustand zu einem attraktiven Preis sucht, findet im Japan-Reimport eine ernstzunehmende Alternative.

Besonders interessant ist das Angebot für folgende Käufergruppen:

Youngtimer-Enthusiasten: Fahrzeuge wie der BMW E92 M3, der Mercedes W212 oder der Porsche 987 Cayman sind in Japan häufig in Zuständen zu finden, die in Deutschland als „Scheunenfund“ durchgehen würden — nur eben ohne die Scheune und ohne den Rost.

AMG- und M-Käufer: Hochleistungsfahrzeuge werden in Japan aufgrund der niedrigen Geschwindigkeitsbegrenzungen (meistens 100 km/h auf Autobahnen) deutlich schonender bewegt. Ein CLS 63 AMG mit 73.000 Kilometern aus Japan hat mit hoher Wahrscheinlichkeit weniger Volllast-Zyklen hinter sich als ein vergleichbares Exemplar von der deutschen Autobahn.

Schnäppchenjäger mit Geduld: Wer bereit ist, drei bis fünf Monate auf sein Fahrzeug zu warten, kann je nach Modell und Wechselkurs mehrere tausend Euro sparen — und erhält dafür häufig ein besser erhaltenes Fahrzeug.

Worauf man achten sollte

Trotz der Vorteile gibt es beim Reimport aus Japan einige Punkte, die Käufer im Blick behalten sollten. In Japan herrscht Linksverkehr, weshalb die Scheinwerfer für den deutschen Markt umgerüstet werden müssen — die Leuchtmittel haben eine andere Ausleuchtung. BCJ übernimmt diese Anpassung im Rahmen des Kaufprozesses, bei einem Selbstimport müsste man sich allerdings selbst darum kümmern.

Außerdem ist der Wechselkurs ein zweischneidiges Schwert. Aktuell profitieren Importeure vom starken Euro, doch sollte der Yen aufwerten — etwa durch weitere Zinserhöhungen der Bank of Japan —, könnte sich der Preisvorteil verringern. Zusätzlich fallen bei Drittland-Importen 6,5 % Zoll plus 19 % Einfuhrumsatzsteuer an, die im Endpreis bereits enthalten sein sollten, aber die Gesamtkosten gegenüber einem EU-Kauf naturgemäß erhöhen.

Zuletzt sollte man bedenken, dass japanische Fahrzeuge zwar typischerweise wenig Rost aufweisen — dank der Pflege und der in vielen Regionen milden Winter —, aber Exemplare aus nördlichen Provinzen wie Hokkaido durchaus salzbedingte Korrosion haben können. Eine sorgfältige Begutachtung vor Ort, wie sie BCJ anbietet, ist daher unerlässlich.

Mehr als nur ein Trend: Der Markt für Japan-Reimporte wächst

Beyond Cars Japan ist bei weitem nicht der einzige Anbieter in diesem Segment. Unternehmen wie LPL Auto oder verschiedene Einzelimporteure bedienen den Markt schon seit Jahren. Allerdings hat BCJ durch seine Social-Media-Präsenz und den vollständig betreuten Kaufprozess eine Zielgruppe erreicht, die klassische Importeure bislang kaum ansprachen: junge, digital-affine Käufer zwischen 25 und 45, die über Instagram und TikTok auf das Thema aufmerksam werden und Transparenz im Kaufprozess erwarten.

Die Nachfrage nach Japan-Reimports wird auch von übergeordneten Markttrends getrieben. Während die Gebrauchtwagenpreise in Deutschland auf hohem Niveau verharren — befeuert durch Produktionsausfälle der Pandemiejahre und die stockende Neuwagenproduktion —, bietet der japanische Markt ein Überangebot an gut erhaltenen Fahrzeugen. Die strenge Shaken-Inspektion sorgt dafür, dass Autos in Japan eine kürzere wirtschaftliche Lebensdauer haben und früher in den Export gehen als in Europa. Gleichzeitig macht der schwache Yen den Import finanziell so attraktiv wie selten zuvor.

Fazit: Lohnt sich Beyond Cars Japan?

Beyond Cars Japan hat ein Geschäftsmodell etabliert, das eine reale Marktlücke bedient. Wer ein deutsches Premium-Gebrauchtwagen in überdurchschnittlichem Zustand sucht, bei der Lieferzeit flexibel ist und den Wechselkursvorteil nutzen möchte, findet bei BCJ ein durchdachtes Angebot mit transparentem Prozess. Die Social-Media-Kanäle liefern dazu die Vertrauensbasis, die bei einem Kauf aus 9.000 Kilometern Entfernung entscheidend ist.

Ob sich der Import im Einzelfall lohnt, hängt letztlich vom konkreten Fahrzeug, dem aktuellen Wechselkurs und der eigenen Geduld ab. Eines jedoch steht fest: Der Reimport deutscher Autos aus Japan ist kein Nischenthema mehr — sondern ein wachsender Markt, den Anbieter wie Beyond Cars Japan für eine neue Generation von Autokäufern erschließen.

Weiterführende Links:

🔗 beyondcars.jp — Offizielle Website von Beyond Cars Japan
🔗 @beyondcarsjapan auf Instagram — 37.000+ Follower
🔗 Ibo-BCJ auf YouTube — Kanal mit Importdokumentation
🔗 @beyondcarsjapan auf TikTok — Kurzvideos zum Importprozess

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