Chinesische Autos beim TÜV: Wie gut halten BYD, MG und Nio wirklich? Erste Daten 2026

BYD verkauft in Deutschland doppelt so viele Autos wie Tesla. MG hat über 400 Händler. Leapmotor startet durch das Stellantis-Netz. Chinesische Autos sind 2026 kein Experiment mehr — sie sind Alltag auf deutschen Straßen. Aber eine Frage stellen sich Millionen potenzieller Käufer noch immer: Wie gut halten diese Autos wirklich?

Die ersten MG ZS EV rollen seit 2021 in Deutschland. BYD Atto 3 seit 2023. Nio ET5 seit Ende 2022. Das bedeutet: Die ersten chinesischen Elektroautos kommen jetzt zur ersten Hauptuntersuchung. Und der TÜV-Report 2026 enthält erstmals umfangreiche Daten zu Elektroautos.

Wir haben alle verfügbaren Quellen ausgewertet — TÜV-Report 2026, ADAC-Pannenstatistik 2025, Euro-NCAP-Ergebnisse und Garantiebedingungen — und ziehen ein erstes Fazit zur Qualität chinesischer Autos in Deutschland.


TÜV-Report 2026: Was die Daten wirklich sagen

Der TÜV-Report 2026 basiert auf 9,5 Millionen Hauptuntersuchungen und umfasst erstmals 18 reine Elektrofahrzeuge. Das Problem: BYD, MG, Nio, Xpeng und Leapmotor sind noch nicht einzeln gelistet. Ihre Stückzahlen in Deutschland sind schlicht zu gering, um statistisch valide in den Report aufgenommen zu werden.

Das heißt aber nicht, dass der TÜV-Report 2026 für China-Käufer irrelevant wäre. Im Gegenteil — er liefert wichtige Vergleichswerte.

E-Auto-Mängelquoten im TÜV-Report 2026 (2–3 Jahre alt)

ModellMängelquote (EM)Bewertung
Mini Cooper SE3,5 %Top 10 gesamt
Audi Q4 e-tron4,0 %Top 10 gesamt
Fiat 500e4,2 %Top 10 gesamt
VW ID.35,5 %Vorderes Mittelfeld
VW ID.4 / ID.56,1 %Vorderes Mittelfeld
Škoda Enyaq9,1 %Unteres Mittelfeld
Dacia Spring13,0 %Schwach
Tesla Model 313,1 %Drittletzter Platz
Tesla Model Y17,3 %Letzter Platz (110 Modelle)

Gesamtsieger: Mazda 2 (2,9 % Mängelquote) Langzeitqualität-Sieger (10–11 Jahre): Mercedes (18,5 %), Audi (19,2 %), Toyota (22,0 %)

Was das für chinesische Autos bedeutet

Zwei Erkenntnisse sind entscheidend:

Erstens: Elektroautos sind kein automatischer Mängelgarant. Mini Cooper SE, Audi Q4 und Fiat 500e beweisen, dass Stromer im TÜV sogar besser als der Durchschnitt abschneiden können. Die typischen E-Auto-Mängel — Achsaufhängungen unter dem hohen Batteriegewicht, rostige Bremsscheiben durch seltene Nutzung wegen Rekuperation und Beleuchtungsprobleme — sind kein unabwendbares Schicksal.

Zweitens: Tesla ist der Beweis, dass „viel verkauft“ nicht „gut gebaut“ bedeutet. Das Model Y belegt mit 17,3 Prozent Mängelquote den letzten Platz unter 110 Modellen — der schlechteste Wert in dieser Altersklasse seit zehn Jahren. Die TÜV-Experten weisen darauf hin, dass neben konstruktionsbedingten Mängeln auch fehlende verpflichtende Serviceintervalle eine Rolle spielen.

Für BYD, MG und Co. bedeutet das: Sie müssen sich nicht an Tesla messen lassen — sondern an Audi, VW und Mini. Und die Chancen stehen gut, dass sie das schaffen, denn ihre Garantieprogramme erzwingen regelmäßige Werkstattbesuche.


ADAC-Pannenstatistik 2025: E-Autos deutlich zuverlässiger

Die ADAC-Pannenstatistik 2025 analysiert das Pannenjahr 2024 mit über 3,6 Millionen Einsätzen und 159 Modellreihen. Das Ergebnis ist eindeutig: Junge Elektroautos sind 2,5-mal weniger pannenanfällig als gleichaltrige Verbrenner.

Pannenkennzahl pro 1.000 Fahrzeuge (2–4 Jahre alt)

AntriebsartPannenkennzahl
Verbrenner (Benzin/Diesel)9,4
Elektroauto3,8

Die Hauptpannenursache ist bei beiden Antriebsarten die 12-Volt-Starterbatterie (50,5 % bei E-Autos, 44,6 % bei Verbrennern). Der entscheidende Unterschied liegt beim Antrieb: Elektromotoren haben deutlich weniger bewegliche Teile, benötigen kein Motoröl und produzieren weniger Abwärme — das macht sie strukturell weniger pannenanfällig.

China-Marken in der ADAC-Statistik

Auch in der ADAC-Pannenstatistik fehlen BYD, MG und Nio als einzelne Modelle — die Stückzahlen reichen für eine statistische Auswertung noch nicht aus. Aber die Tendenz ist klar: Wer ein chinesisches Elektroauto kauft, profitiert vom generellen Zuverlässigkeitsvorteil der E-Autos gegenüber Verbrennern. Spezifische China-Daten werden voraussichtlich ab 2027/2028 in die Statistik einfließen.

Interessant: Das Tesla Model 3 schneidet in der ADAC-Pannenstatistik mit einer Kennzahl von 0,5 bei zweijährigen Fahrzeugen hervorragend ab — also genau das Gegenteil vom TÜV-Ergebnis. Das zeigt den Unterschied der Messmethoden: Die Pannenstatistik misst Liegenbleiber, der TÜV misst sicherheitsrelevante Mängel bei der Inspektion. Tesla-Fahrer bleiben selten liegen, fahren aber häufiger mit versteckten Mängeln.


Euro NCAP: Chinesische Autos sind Crashtest-Champions

Während TÜV-Daten und Pannenstatistiken für China-Marken noch lückenhaft sind, gibt es einen Bereich mit glasklaren Ergebnissen: Crashtest-Sicherheit. Hier liefern chinesische Hersteller beeindruckende Resultate.

Euro-NCAP-Ergebnisse chinesischer Modelle

MarkeModellSterneInsassenschutzBesonderheit
BYDDolphin★★★★★89 %Bester Fußgängerschutz unter China-Autos 2023
BYDSeal★★★★★90 %Volle Punkte bei Motorrad-AEB
BYDSeal-U★★★★★90 %Insassenschutz-Spitzenwert
BYDTang★★★★★91 %Flaggschiff, Premium-Schutz
NioET5★★★★★93 %Sicherstes Auto im gesamten Euro NCAP 2023
NioEL6 (ES6)★★★★★91 %Top-Ergebnis im Seitenaufprall
XpengG6★★★★★88 %Megacasting-Technologie vorne und hinten
XpengG9★★★★★85 %Fünf Sterne bei erstem Euro-Test
XpengP7★★★★★87 %Bestes Ergebnis unter Limousinen
LeapmotorC10★★★★★88 %Fünf Sterne trotz Budget-Preis
Zeekr001★★★★★92 %Premium-Sicherheit
MGHS★★★★★84 %Solides Ergebnis im Kompakt-SUV
Smart#3★★★★★88 %Bestes Ergebnis bei Assistenzsystemen (83 %)

Ergebnis: Jedes einzelne chinesische Auto, das bisher bei Euro NCAP angetreten ist, hat fünf Sterne erhalten. Das ist eine makellose Bilanz, die kein anderes Herkunftsland vorweisen kann — auch nicht Deutschland, Japan oder Korea. Nio ET5 war 2023 sogar das insgesamt sicherste Auto im gesamten Euro-NCAP-Programm.

Die Botschaft ist klar: In Sachen Crashsicherheit gibt es bei chinesischen Elektroautos null Grund zur Sorge. Die Zeiten, in denen China-Autos im Crashtest versagten, sind endgültig vorbei.


Garantie-Vergleich: Hier schlagen China-Marken alle deutschen Hersteller

Die Garantie ist für viele Käufer der wichtigste Vertrauensbeweis — und hier haben chinesische Hersteller einen objektiv messbaren Vorteil.

Fahrzeug- und Batteriegarantie im Vergleich

HerstellerFahrzeug-GarantieBatterie-GarantieAnmerkung
MG7 Jahre / 150.000 km7 Jahre / 150.000 kmLängste Garantie am Markt
BYD6 Jahre / 150.000 km8 Jahre / 200.000 kmBlade-Batterie (>3.000 Zyklen)
Nio5 Jahre / unbegrenztKein Limit (Batterie-Abo)Batterie-Tausch in 5 Minuten
Xpeng5 Jahre / 120.000 km8 Jahre / 160.000 kmInkl. regelmäßige Service-Intervalle
Leapmotor5 Jahre / 150.000 km8 Jahre / 150.000 kmÜber Stellantis-Servicenetz
Hyundai5 Jahre / unbegrenzt8 Jahre / 160.000 kmKoreanischer Standard
Kia7 Jahre / 150.000 km7 Jahre / 150.000 kmGleichauf mit MG
Toyota3 Jahre / 100.000 km10 Jahre / BatterieAb 2025 verlängert
VW2 Jahre8 Jahre / 160.000 kmKürzeste Fahrzeuggarantie
BMW2 Jahre8 Jahre / 160.000 kmKürzeste Fahrzeuggarantie
Mercedes2 Jahre8 Jahre / 160.000 kmKürzeste Fahrzeuggarantie

Der Unterschied ist frappierend: MG und BYD bieten 6–7 Jahre Fahrzeuggarantie, während VW, BMW und Mercedes nur 2 Jahre gewähren. Das ist dreimal so lang. Bei einem Neuwagen für 30.000–40.000 Euro macht das einen enormen Unterschied in der Kostenplanung.

Besonders hervorzuheben ist BYDs Blade-Batterie auf Lithium-Eisenphosphat-Basis (LFP): Sie wurde im berühmten Nageltest nicht entflammbar und erreicht laut Herstellerangaben über 3.000 vollständige Ladezyklen — das entspricht einer theoretischen Lebensdauer von weit über einer Million Kilometer. Im realen Betrieb berichten frühe BYD-Besitzer von Degradationswerten unter 5 Prozent nach zwei Jahren.


DAT-Report 2026: Das Vertrauensproblem

Trotz hervorragender Crash-Ergebnisse und langer Garantien zeigt der DAT-Report 2026 ein gespaltenes Bild:

KennzahlErgebnis
Deutsche, die China-Autos im Straßenbild bemerkt haben40 %
Pkw-Halter mit Qualitätszweifeln an China-Autos51 %
Pkw-Halter, die Kauf in Betracht ziehen29 %
Private Neuwagenkäufer, die Kauf in Betracht ziehen5 %
Befragte, die traditionelle Anbieter bevorzugen62 %

Die Diskrepanz ist enorm: 29 Prozent der Pkw-Halter können sich grundsätzlich vorstellen, chinesisch zu kaufen — aber nur 5 Prozent der tatsächlichen Neuwagenkäufer tun es. Der Grund ist nicht Sicherheit oder Technik, sondern emotionale Unsicherheit: Datenschutzbedenken, Markentreue und die Angst, mit einem „Exoten“ beim Händler zu stehen.

Für rationale Käufer ergibt sich daraus ein Vorteil: Während der Markt noch zögert, bekommen Frühentscheider die besten Preise, die höchsten Rabatte und die stärksten Garantieleistungen.


Schwachstellen: Das sollten Käufer beachten

Chinesische Autos sind nicht perfekt. Wer 2026 einen BYD, MG oder Leapmotor kauft, sollte diese realen Schwächen kennen:

Servicenetz und Werkstattdichte

MarkeServicepartner in DE (ca.)Abdeckung
MG (SAIC)400+Gut, über Autohaus-Partner
BYD120+Wachsend, Großstädte gut
Leapmotor200+ (Stellantis)Gut, Citroën/Peugeot/Opel-Netz
Xpeng20–30Dünn, Großstädte only
Nio10–15 Nio HousesSehr dünn, plus mobile Service

MG und Leapmotor haben dank etablierter europäischer Partner gute Abdeckung. BYD wächst schnell — Autohaus-Riesen wie Feser-Graf (70+ Standorte) und AVAG sind inzwischen an Bord. Xpeng und Nio bleiben Nischen-Angebote mit dünnem Servicenetz.

Wiederverkaufswert

Chinesische Autos verlieren tendenziell schneller an Wert als deutsche Premium-Marken. Genaue Daten gibt es noch nicht, aber die Tendenz ist klar: unbekannte Marke plus schneller Modellwechsel plus aggressive Preissenkungen bei Neufahrzeugen ergeben einen schwierigen Gebrauchtwagenmarkt. Wer das Risiko minimieren will, sollte Leasing statt Kauf in Betracht ziehen.

Software-Qualität und OTA-Updates

BYD und Xpeng liefern regelmäßige Over-the-Air-Updates, die Funktionen verbessern und Fehler beheben. MG hat hier Nachholbedarf — ältere MG4-Modelle zeigten anfänglich Probleme mit der Navi-Software und Ladeplanung. Nio ist bei Software und Konnektivität Marktführer.

Verarbeitungsqualität

Tests der Fachpresse (Auto Motor und Sport, ADAC) zeigen ein gemischtes Bild: Spaltmaße und Materialgüte bei BYD und Nio liegen auf dem Niveau europäischer Mittelklasse. MG und Leapmotor zeigen gelegentlich Schwächen bei Innenraum-Materialien. Kein Chinese erreicht bislang das Niveau von Mercedes oder BMW beim Innenraum — aber sie nähern sich an, besonders Zeekr und Nio im Premium-Segment.


Fazit: Lohnt sich der Kauf aus Qualitätssicht?

Die Datenlage im Februar 2026 ergibt ein klares Bild:

KriteriumBewertung China-AutosVergleich
TÜV-DatenNoch keine eigenen DatenAb 2027/2028 verfügbar
PannenstatistikE-Autos generell 2,5x besserProfitieren vom Strukturvorteil
Crashsicherheit100 % Fünf-Sterne-QuoteBesser als Deutschland-Durchschnitt
Garantie5–7 Jahre Fahrzeug2,5x länger als VW/BMW/Mercedes
ServicenetzMG/Leapmotor gut, Rest ausbaufähigWachsend
WiederverkaufswertUnsicher, tendenziell niedrigerLeasing empfohlen

Unsere Einschätzung: Wer 2026 ein chinesisches Elektroauto bei einem der etablierten Anbieter (BYD, MG, Leapmotor) kauft, geht aus Qualitätssicht kein höheres Risiko ein als beim Kauf eines vergleichbaren europäischen Modells — und bekommt deutlich mehr Garantie. Die Crashsicherheit ist nachweislich auf Spitzenniveau. Die einzigen echten Risiken liegen beim Wiederverkaufswert und (bei Xpeng/Nio) beim Servicenetz.

In 2–3 Jahren, wenn die ersten TÜV- und ADAC-Daten für BYD, MG und Co. vorliegen, wird diese Einschätzung auf harte Zahlen gestützt. Bis dahin empfehlen wir: Garantie nutzen, regelmäßig zum Service gehen, und die Bremsen bewusst regelmäßig kräftig betätigen — das gilt übrigens für jedes Elektroauto.

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