Kia PV5 Camper mit Aufstelldach von Sussex Campervans — erster Serien-Elektro-Campervan der Welt

Kia PV5 Camper mit Aufstelldach: Sussex Campervans baut den weltweit ersten Serien-Campervan auf Kia-Basis

Der britische Ausbauer Sussex Campervans präsentiert den ersten Serien-Campervan mit Pop-up-Dach auf Basis des Kia PV5 — und setzt damit ein Zeichen gegen den deutlich teureren VW ID. Buzz California, auf den die Camping-Welt seit Jahren vergeblich wartet.

Der Elektro-Campervan hat ein Henne-Ei-Problem: Die Hersteller sagen, die Nachfrage sei noch nicht da. Die Kunden sagen hingegen, es gebe ja kein passendes Angebot. Nun durchbricht ein kleines britisches Unternehmen diesen Stillstand. Sussex Campervans aus Horsham (West Sussex) hat Ende Februar 2026 den weltweit ersten Serien-Campervan mit Aufstelldach auf Basis des Kia PV5 vorgestellt — und liefert damit den Beweis, dass der elektrische Campervan keine Zukunftsmusik mehr ist, sondern Gegenwart.

Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Der Kia PV5 wurde zum International Van of the Year 2026 gewählt. Und mit einer Weltrekord-Fahrt von 692 Kilometern (430 Meilen) bei voller Nutzlast von 665 Kilogramm stellte der kompakte Elektro-Van einen offiziellen Guinness-Weltrekord auf — als leichter E-Transporter mit der größten Reichweite bei maximaler Zuladung.

Vom Konzept zur Realität: Was hinter dem Sussex PV5 Camper steckt

Dass der Kia PV5 als Campervan taugt, hatte Kia selbst schon 2024 angedeutet. Auf der SEMA-Show in Las Vegas zeigte der koreanische Hersteller mit dem PV5 WKNDR-Konzept eine spektakuläre Vision eines Elektro-Campervans — mit ausfahrbarem „Gear Head“-Stauraummodul, Aufstelldach, Geländereifen und einem komplett modularen Innenraum. Karim Habib, Kias Designchef, bestätigte damals gegenüber Journalisten, dass die Serienversion des PV5 definitiv in einer Camper-Variante kommen werde.

Anstatt jedoch auf Kia zu warten, hat Sussex Campervans die Sache selbst in die Hand genommen. Das Unternehmen ist kein Neuling im Bereich elektrischer Campervans. Tatsächlich war Sussex einer der ersten Ausbauer weltweit, der den Nissan e-NV200 — einen der ersten kompakten Elektro-Vans überhaupt — zu einem vollwertigen Campervan mit Küche und Schlafplatz umgebaut hat. Die Erfahrung aus diesem Pionierprojekt fließt direkt in den PV5-Ausbau ein.

📸 Bild 2: Vergleich — Kia WKNDR Concept (links) vs. Sussex PV5 Serienmodell (rechts)
Quelle: Kia / Sussex Campervans

Nachhaltig über den Antrieb hinaus

Was den Sussex PV5 Camper von vielen anderen Umbauten unterscheidet, ist der konsequent nachhaltige Ansatz. Bei herkömmlichen Campervan-Ausbauten wird der Innenraum des Basisfahrzeugs zunächst komplett ausgeräumt — Verkleidungen, Sitze, Bodenbeläge wandern in den Container. Anschließend wird alles von Grund auf neu aufgebaut. Das bedeutet Materialverschwendung und zusätzliches Gewicht.

Sussex geht dagegen einen anderen Weg: Wo immer möglich, bleiben die Original-Komponenten von Kia erhalten und werden in den Camper-Ausbau integriert. Die Innenverkleidungen, der hochwertige niedrige Fahrzeugboden und die digitale Ausstattung mit Mehrfach-Displays bleiben unangetastet. Darüber hinaus stammen eigene Materialien laut Sussex aus recycelten und nachhaltigen Quellen. Auf diese Weise entsteht ein Ausbau, der sich nahtlos in die Architektur des PV5 einfügt — und die Fahrzeuggarantie nicht gefährdet.

Das Aufstelldach: Mehr Raum, mehr Freiheit

Das Herzstück des Sussex PV5 Campers ist das Pop-Top-Dach, das am Heck angelenkt ist und sich nach hinten öffnet — anders als beim Kia WKNDR-Konzept, das ein vorn angelenktes Aufstelldach hatte. Geöffnet schafft es erhebliche zusätzliche Stehhöhe im Innenraum und Gleichzeitig bietet es einen zweiten Schlafplatz im oberen Bereich. Sussex beschreibt das Dachbett als geeignet für einen Erwachsenen oder zwei Kinder — eine Lösung, die das Unternehmen bereits bei seinen Nissan-NV200-Campern erprobt hat.

Im geschlossenen Zustand fügt sich das Dach hingegen flach in die Kontur des Vans ein. Laut Sussex bleibt der PV5 damit niedrig genug, um unter nahezu jede Höhenbeschränkung zu passen — ein entscheidender Vorteil gegenüber Campervans mit festem Hochdach, die bei Parkhäusern, Fähren und vielen Campingplätzen Probleme bekommen.

Grundriss: So dürfte der Innenraum aussehen

Sussex hat bislang nur ein Bild des PV5 mit geöffnetem Pop-Top veröffentlicht und hält Details zum Innenraumlayout noch zurück. Basierend auf dem bekannten Konzept des Unternehmens ist jedoch eine klare Ausstattung zu erwarten.

Bei seinen bisherigen Campervan-Modellen (Nissan NV200, Nissan NV350, Renault Trafic) setzt Sussex auf einen bewährten Grundriss: eine Küchenzeile auf der Fahrerseite mit Induktionskochfeld, Kühlschrank und Stauraum, gegenüber einer klappbaren Sitzbank („Rock ’n‘ Roll“-Bett), die sich in Sekundenschnelle in ein Doppelbett verwandeln lässt. Eine Besonderheit: Sussex bietet sowohl Doppel- als auch Solo-Schlafvarianten an — letztere optimiert für Alleinreisende, die den Platz lieber als Stauraum nutzen möchten.

Der besonders niedrige Fahrzeugboden des PV5 — möglich durch die flache Batterie im Unterboden und das Fehlen eines Verbrennungsmotors — kommt dem Camper-Ausbau dabei enorm zugute. Die niedrige Ladekante erleichtert den Ein- und Ausstieg, Infolgedessen fällt die gesamte Innenhöhe bei gleichen Außenmaßen spürbar großzügiger aus als bei vergleichbaren Verbrennern.

Technische Daten: Was der Kia PV5 als Basis mitbringt

⚡ Kia PV5 Passenger — Datenblatt

Länge / Breite / Höhe4.700 / 1.900 / 1.920 mm

Radstand3.000 mm

Batterie (Standard)51,5 kWh — 288 km WLTP

Batterie (Long Range)71,2 kWh — bis 400 km WLTP

Leistung89 kW (122 PS) / 120 kW (163 PS)

Drehmoment250 Nm

DC-Schnellladen10–80 % in ca. 30 Min. (150 kW)

V2L (Vehicle-to-Load)Ja, bis 3,6 kW

Kofferraum1.330 l (bis 3.615 l umgeklappt)

Plattform400V (PBV-Architektur)

Anhängelastbis 1.500 kg

Garantie Kia7 Jahre / 150.000 km

Garantie Sussex (Ausbau)7 Jahre (identisch)

Preis PV5 Passenger (DE)ab 38.290 €

Preis PV5 Long Range (DE)ab 42.290 €

Preis Sussex Camper (UK)ab 68.995 £ (~82.000 €)

Besonders relevant für Camper-Nutzer ist die V2L-Funktion (Vehicle-to-Load). Damit lassen sich beispielsweise Induktionskochplatten, Kühlschränke, Laptops oder Kaffeemaschinen direkt aus der Fahrzeugbatterie betreiben — mit bis zu 3,6 kW Leistung. Das macht teure Zusatzbatterien und umständliche Gasflaschen in vielen Fällen überflüssig. Beim VW ID. Buzz fehlt diese Funktion bislang komplett.

Mit dem 71,2-kWh-Akku und bis zu 400 Kilometer WLTP-Reichweite ist der PV5 auch für längere Campingtouren gewappnet. An einer 150-kW-Schnellladesäule lädt der Van in rund 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent — genug Zeit für einen Kaffee, während die nächste Etappe geladen wird.

Kia PV5 Camper mit Aufstelldach von Sussex Campervans — erster Serien-Elektro-Campervan der Welt

Kia PV5 Camper vs. VW ID. Buzz California: Warum VW ein Problem hat

Der offensichtliche Konkurrent des PV5 Campers ist der VW ID. Buzz California — oder besser gesagt: das Versprechen eines solchen. Denn während die Campingwelt seit Jahren auf die elektrische Neuauflage des legendären VW California wartet, hat Volkswagen das Projekt stillschweigend auf unbestimmte Zeit verschoben.

Bereits 2024 erklärte VW-Vertriebschef Lars Krause, dass der Markt für vollelektrische Camper aus Sicht des Unternehmens noch nicht bereit sei. Zuvor kursierten außerdem Berichte, dass der ID. Buzz California an Gewichtsproblemen scheitern könnte — mit Camping-Ausbau drohe das Fahrzeug die 3,5-Tonnen-Grenze zu überschreiten, was in Deutschland einen Lkw-Führerschein erfordern würde. VW dementierte zwar das Gewichtsproblem als alleinigen Grund, bestätigte allerdings, dass man frühestens gegen Ende des Jahrzehnts mit einem BEV-Camper rechne.

Noch schlimmer steht es um den ID. Buzz selbst: In den USA hat Volkswagen das Modelljahr 2026 komplett gestrichen. Nach nur einem Jahr auf dem Markt fielen die Verkaufszahlen auf wenige hundert Einheiten pro Quartal. VW bestätigte offiziell, dass man stattdessen direkt auf das Modelljahr 2027 setzen wolle. Der Grund: eine Kombination aus zu hohem Preis (ab rund 60.000 Dollar), enttäuschender Reichweite und fehlenden Praxis-Features — darunter eben auch ein Camping-Modus oder eine V2L-Funktion, die Outdoor-Enthusiasten begeistert hätte.

Direktvergleich: PV5 Camper vs. ID. Buzz California

Kia PV5 Sussex CamperVW ID. Buzz California
VerfügbarkeitJetzt bestellbar (UK)Auf unbestimmte Zeit verschoben
Basisfahrzeug ab (DE)38.290 €ab ~50.000 € (Standard-Buzz)
Länge4,70 m4,71 m
Max. Reichweite WLTPbis 400 km (71,2 kWh)~420 km (79 kWh)
AufstelldachJa (Sussex, Serie)Geplant, nicht bestätigt
V2L (Geräte betreiben)Ja (3,6 kW)Nein
Kofferraum (Sitze aufrecht)1.330 Liter1.121 Liter
Kofferraum (umgeklappt)3.615 Liter2.205 Liter
Schnellladen 10–80 %ca. 30 Min.ca. 26 Min.
Herstellergarantie7 Jahre / 150.000 km2 Jahre
Gewichtsproblem (>3,5t)NeinJa (mit Camper-Ausbau kritisch)

VW ID. Buzz California: Daten basieren auf dem aktuellen ID. Buzz. Finale Spezifikationen der California-Version sind nicht bestätigt, da das Modell verschoben wurde.

Der Vergleich fällt folglich deutlich aus: Der Kia PV5 bietet mehr Stauraum, eine bessere Garantie, V2L-Funktionalität und einen rund 12.000 Euro niedrigeren Einstiegspreis — und er existiert tatsächlich als fertiges Camper-Produkt. VW hat momentan nicht einmal einen konkreten Zeitplan.

Was kostet der Sussex PV5 Camper — und wann kommt er nach Deutschland?

Der Sussex PV5 Camper startet in Großbritannien bei 68.995 Pfund, was umgerechnet rund 82.000 Euro entspricht. Darin enthalten sind das Basisfahrzeug und der komplette Camper-Ausbau inklusive Aufstelldach, Küche und 7-Jahres-Garantie auf die Konvertierung.

Für den deutschen Markt gibt es bislang zwar keinen offiziellen Vertriebspartner von Sussex Campervans. Allerdings ist der Kia PV5 Passenger seit Sommer 2025 bei jedem deutschen Kia-Händler bestellbar und eignet sich als Basisfahrzeug für einen Camper-Ausbau durch einen lokalen Ausbauer. Die modulare Plattform, der extrem niedrige Ladeboden und das 400-Volt-System machen den PV5 besonders umbaufreundlich.

💡 Tipp für deutsche Camper-Fans: Den Kia PV5 Passenger gibt es in Deutschland ab 38.290 € (51,5 kWh) bzw. ab 42.290 € (71,2 kWh). Wer nicht auf einen offiziellen Camper-Ausbau warten möchte, kann den PV5 beim deutschen Händler kaufen und von einem spezialisierten Campervan-Ausbauer umrüsten lassen. Die Kia-Garantie von 7 Jahren bleibt erhalten, solange der Ausbau die Fahrzeugstruktur nicht verändert.

Nicht allein auf dem Markt: Weitere PV5-Camper-Projekte

Sussex ist zwar der erste mit einem fertigen Aufstelldach-Camper, jedoch nicht der einzige, der das Potenzial des PV5 als Camping-Basis erkannt hat.

VanLab (USA/Südkorea) hat in Zusammenarbeit mit Hyundais Innovationsarm CRADLE ein offizielles „Kia Collection“-Camper-Kit für den PV5 entwickelt. Der Bausatz ist im IKEA-Stil konzipiert: Er wird flach verpackt geliefert und lässt sich dementsprechend mit einem Schraubenzieher in wenigen Minuten montieren. Enthalten sind ein Bett, eine Außenküche mit Induktionskochfeld, Schubladen und Arbeitsfläche. Dank der V2L-Funktion des PV5 betreibt die Fahrzeugbatterie sowohl die elektrische Kochplatte als auch den Kühlschrank. Preis in Korea: umgerechnet rund 2.000 Euro — allerdings bisher nur über den koreanischen Kia Shop erhältlich.

Vantrack aus Rotterdam arbeitet an einem modularen „Light Camper“ auf PV5-Passenger-Basis. Das Konzept setzt auf ultraleichte, einzeln herausnehmbare Module, die maximale Flexibilität zwischen Alltags- und Campingnutzung bieten sollen. Ein optionales Dachzelt ist in Planung, ein klassisches Aufstelldach wird laut Vantrack noch geprüft.

Und auch Kia selbst hat die Camping-Nutzung fest im Blick: Designchef Habib bestätigte, dass eine werkseitige Camper-Variante kommen wird — wann genau, ist allerdings noch offen.

Warum der PV5 das richtige Fahrzeug zur richtigen Zeit ist

Der Kia PV5 profitiert von einer Kombination aus Faktoren, die ihn für den Camper-Markt nahezu ideal machen. Zum einen basiert er auf einer von Grund auf neu entwickelten Elektro-Plattform (Platform Beyond Vehicle, PBV), die nicht einfach einen Verbrennungsmotor durch eine Batterie ersetzt hat. Konkret bedeutet das einen flachen Boden ohne Mitteltunnel, eine optimale Raumausnutzung und ein niedriges Einstiegsniveau, das gerade für Familien mit Kindern oder Menschen mit eingeschränkter Mobilität ein großer Vorteil ist.

Zum anderen ist die PBV-Plattform modular ausgelegt. Neben dem PV5 plant Kia deshalb auch einen kleineren PV1 und einen größeren PV7 — sowie diverse Karosserievarianten des PV5 selbst, darunter eine Kurzversion (L1H1), eine Langversion mit Hochdach (L2H2) mit über 5 Kubikmetern Ladevolumen, eine Doppelkabine (Crew), ein Fahrgestell für Sonderaufbauten (Chassis Cab) und sogar eine rollstuhlgerechte Version (WAV). Diese Flexibilität macht den PV5 zum potenziellen Schweizer Taschenmesser unter den Elektro-Vans — und für spezialisierte Ausbauer wie Sussex zu einer idealen Basis.

Und schließlich ist da noch der Preis: Mit einem Einstieg ab 38.290 Euro in Deutschland ist der PV5 Passenger rund 12.000 Euro günstiger als ein VW ID. Buzz mit vergleichbarer Ausstattung. Darüber hinaus unterbietet selbst der PV5 Cargo den elektrischen VW Transporter T7 um über 20.000 Euro. Für Camper-Interessenten, die bislang wegen der hohen Preise von Elektro-Campern zurückgeschreckt sind, könnte der PV5 der Durchbruch sein.

Zusätzlich kommt das Software-Ökosystem hinzu: Das Betriebssystem des PV5 basiert auf Android Automotive (AOSP), was bedeutet, dass nachträglich Apps installiert und Funktionen ergänzt werden können. Zudem plant Kia ein umfassendes Flottenmanagementsystem und digitale Dienste rund um die PBV-Plattform. Für Camper-Nutzer könnte das langfristig Apps für Stellplatzsuche, Routenplanung oder Lademanagement direkt ins Fahrzeugsystem bringen.

Fazit: Der erste echte Elektro-Campervan ist da — und er kommt nicht von VW

Während Volkswagen erklärt, der Markt für elektrische Campervans sei „noch nicht bereit“, stellt Sussex Campervans in seiner Werkstatt in Horsham genau das Gegenteil unter Beweis. Der Kia PV5 Camper mit Aufstelldach ist kein Konzept, keine Studie und kein Prototyp. Er ist vielmehr ein fertiges Produkt, das man bestellen, bezahlen und damit in den Urlaub fahren kann.

Mit dem Van of the Year 2026 als Basis, bis zu 400 Kilometer Reichweite, V2L zum autarken Campen, 7 Jahren Garantie auf Fahrzeug und Ausbau und einem Basisfahrzeugpreis, der den VW ID. Buzz deutlich unterbietet, könnte der Kia PV5 das werden, was der VW California seit Jahrzehnten ist: der Campervan, den sich normale Familien leisten können. Nur diesmal eben elektrisch.

Letztlich ist die Frage nicht mehr, ob der elektrische Campervan kommt. Die Frage ist vielmehr, ob VW beim Aufwachen noch Marktanteile übrig findet.

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