VW Krise 2025: Von jedem 40.000-€-Auto bleiben 1.120 € Gewinn — und warum das für Käufer die beste Nachricht seit Jahren ist

Stell dir vor, du kaufst einen nagelneuen VW Golf für 40.000 Euro. Von diesem Geld bezahlt Volkswagen Stahl, Löhne, Energie, Logistik, Marketing, Händlermarge und Steuern — und am Ende bleiben dem größten Autobauer Europas exakt 1.120 Euro Gewinn. Weniger als der Preis einer mittelmäßigen Waschmaschine. Das ist keine Übertreibung, sondern die mathematische Konsequenz der VW-Bilanz 2025, die der Konzern am 10. März 2026 in Wolfsburg vorgelegt hat. Der Gewinn: halbiert. Die Marge: auf Dieselskandal-Niveau. Die Konsequenz: 50.000 Jobs werden bis 2030 gestrichen. Und für dich als Käufer? Paradoxerweise goldene Zeiten.


Die Zahlen: Was ist passiert?

Bevor wir zur Käufer-Perspektive kommen, müssen wir verstehen, wie dramatisch die Lage bei Volkswagen wirklich ist. Denn die Zahlen erzählen die Geschichte eines Konzerns, der an mehreren Fronten gleichzeitig kämpft.

Kennzahl20252024Veränderung
Umsatz322 Mrd. €324 Mrd. €-0,8 %
Operatives Ergebnis8,9 Mrd. €~18 Mrd. €-53 %
Nettogewinn6,9 Mrd. €12,4 Mrd. €-44 %
Operative Marge2,8 %5,9 %-3,1 Punkte
Auslieferungen8,98 Mio.9,03 Mio.-0,5 %
Dividende (Vorzugsaktie)5,26 €6,35 €-17 %
Stellenabbau bis 203050.000 in DENeu angekündigt

Die wichtigste Zahl: Die operative Marge ist auf 2,8 % gefallen. Zum Vergleich: Toyota liegt bei 11 %, BYD bei 6,5 %, und selbst der krisengeplagte Ford schafft 4 %. Infolgedessen verdient Volkswagen an jedem Euro Umsatz weniger als fast alle großen Konkurrenten. Bei einem Dacia Sandero für 12.790 Euro verdient Dacia prozentual mehr als VW an einem Golf.


Die drei Fronten: Warum VW gleichzeitig verliert

Front 1: China — Vom König zum Verlierer

VW war jahrzehntelang die Nummer eins in China. Der Santana war das Auto, das China motorisierte. Noch 2019 verkaufte der Konzern dort 4,2 Millionen Fahrzeuge. Seitdem geht es allerdings steil bergab.

Chinesische Hersteller wie BYD, Geely und Xiaomi haben VW technologisch überholt. Der BYD Seal bietet mehr Reichweite als der ID.4, kostet weniger als die Hälfte und hat eine bessere Software. Zudem haben chinesische Marken 2025 erstmals über 60 % des heimischen Marktes erobert. VW hingegen verlor Marktanteile und musste Preise senken, was die Marge weiter drückte.

Die Zahlen sind ernüchternd: Während VW in China 2019 noch 4,2 Millionen Fahrzeuge verkaufte, waren es 2025 deutlich weniger. Gleichzeitig hat BYD allein im Jahr 2025 über 2,2 Millionen reine Elektroautos weltweit ausgeliefert — mehr als jeder andere Hersteller. Darüber hinaus hat Xiaomi mit dem SU7 in weniger als einem Jahr über 130.000 Bestellungen gesammelt — für ein Auto, das wie ein Porsche Taycan aussieht und wie ein VW Golf kostet. Dennoch gibt VW China nicht auf: Für 2026 hat der Konzern die „größte Produktkampagne der Unternehmensgeschichte“ in China angekündigt, mit speziell für den chinesischen Markt entwickelten Modellen.

Front 2: USA — Trump-Zölle treffen ins Mark

Die von US-Präsident Trump verhängten Importzölle auf ausländische Fahrzeuge haben VW besonders hart getroffen. Denn anders als BMW, das in Spartanburg produziert, hat VW in den USA nur das Werk in Chattanooga. Viele Modelle werden importiert und unterliegen damit den Strafzöllen. Folglich musste VW entweder die Preise erhöhen oder die Marge opfern. VW hat sich für Letzteres entschieden — und zahlt den Preis in der Bilanz.

Besonders schmerzhaft: Die ID-Modelle, auf die VW in den USA große Hoffnungen gesetzt hatte, werden in Europa produziert und importiert. Die Zölle verteuern sie um tausende Dollar pro Fahrzeug. Gleichzeitig hat Tesla (das in Texas produziert) keinen Zollnachteil — und der chinesische Hersteller BYD ist in den USA ohnehin nicht aktiv. Dadurch hat VW in den USA das Schlimmste aus beiden Welten: zu teuer für den Massenmarkt und zu wenig Premium für die Oberklasse.

Front 3: Porsche und Audi — Die Kronjuwelen rosten

Traditionell waren Porsche und Audi die Gewinnmaschinen des Konzerns. Ein Porsche Cayenne brachte Margen von 25 % und mehr — Geld, das VW brauchte, um günstige Polos und Golfs quersubventionieren zu können. Doch 2025 hat sich das dramatisch verändert.

Porsche vollzog einen schmerzhaften Strategieschwenk: Statt voll auf Elektro zu setzen, kehrte man zum Verbrenner zurück. Dieser U-Turn kostete Milliarden an Abschreibungen auf bereits entwickelte E-Plattformen. Darüber hinaus sanken die Porsche-Verkäufe in China deutlich — ein Markt, der früher für 30 % des Porsche-Absatzes verantwortlich war. In der Konsequenz werden bei Porsche 4.000–5.000 Stellen abgebaut.

Audi leidet ebenfalls: 7.500 Stellen werden gestrichen, die Marge ist eingebrochen, und der Übergang zur PPE-Plattform (Q6 e-tron, A6 e-tron) verschlingt Investitionen. Gleichzeitig hat Audi in China eine eigene Marke „AUDI“ (ohne Vier-Ringe-Logo) gegründet — ein verzweifelter Versuch, den chinesischen Markt nicht komplett an BYD und Zeekr zu verlieren. Der AUDI E5 Sportback gewann zwar den China Car of the Year 2026, aber ob das reicht, um die Verkaufszahlen zu retten, bleibt abzuwarten.

Somit fallen die drei Standbeine gleichzeitig weg — China-Gewinne, US-Wachstum und Premium-Margen. Das hat der Konzern seit dem Dieselskandal 2015 nicht mehr erlebt.


1.120 Euro pro Auto: Was diese Zahl wirklich bedeutet

Die operative Marge von 2,8 % klingt abstrakt. Deshalb hilft es, die Zahl auf ein einzelnes Auto herunterzubrechen:

FahrzeugPreisVW-Gewinn (2,8 %)
VW Polo (ab 18.700 €)18.700 €524 €
VW Golf (ab 30.000 €)30.000 €840 €
VW Tiguan (ab 35.000 €)35.000 €980 €
VW ID.4 (ab 40.000 €)40.000 €1.120 €
VW ID.7 (ab 54.000 €)54.000 €1.512 €
VW Touareg (ab 72.000 €)72.000 €2.016 €

Toyota verdient bei 11 % Marge an einem 40.000-€-Auto rund 4.400 €. BYD verdient bei 6,5 % Marge an einem 30.000-€-Seal umgerechnet 1.950 €. Beide verdienen also mehr als VW an einem teureren Auto. Diese Zahlen erklären, warum der Konzern 50.000 Stellen streichen muss.


Warum die VW-Krise für Käufer die beste Nachricht ist

Jetzt kommt der überraschende Teil: Für Autokäufer ist die VW-Krise möglicherweise das Beste, was passieren konnte. Denn ein Hersteller unter Druck senkt die Preise.

Grund 1: Rabatte wie seit Jahren nicht

VW-Händler bieten derzeit Rabatte von 15–25 % auf Lagerfahrzeuge — insbesondere auf ID-Modelle. Ein VW ID.4 Pro, der offiziell bei 42.000 € startet, ist aktuell für unter 35.000 € zu haben. Mit der neuen E-Auto-Förderung 2026 (bis 6.000 €) sinkt der Preis auf unter 30.000 €. Dennoch macht VW bei diesen Rabatten noch operativen Gewinn — wenn auch minimal.

Aber auch bei Verbrennern sind die Rabatte historisch: Ein VW Tiguan Life mit normalerweise 37.000 € Listenpreis geht bei vielen Händlern für 31.000–33.000 € über den Tisch. Der Grund ist einfach: VW hat in Deutschland volle Lager, weil die Nachfrage nach Verbrennern stagniert und die Elektro-Modelle langsamer verkauft werden als geplant. Für Käufer bedeutet das: Verhandeln lohnt sich so sehr wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Dabei sollte man nicht nur den Listenpreis verhandeln, sondern auch Winterräder, Wartungspakete und Garantieverlängerungen — viele Händler legen diese Extras kostenlos drauf, um das Geschäft abzuschließen.

Grund 2: Neue Modelle zu aggressiven Preisen

VW hat für 2026 „bezahlbare Elektromobilität mit Premium-Technologie“ angekündigt. Konkret: Der VW ID. Polo (ab ~25.000 €) kommt mit MEB+-Plattform und besserer Software. Außerdem starten der VW ID. Cross und der Škoda Epiq als günstige Elektro-Crossover. Dadurch entsteht erstmals eine echte Auswahl an VW-Elektroautos unter 30.000 €.

Grund 3: Restwert-Stabilität trotz Krise

Überraschenderweise bleiben die Restwerte von VW stabil. Denn VW verkauft in Deutschland immer noch mehr Autos als jeder andere Hersteller. Der Tiguan war 2026 erneut der meistverkaufte SUV, der Golf bleibt in den Top 10. Diese Volumenstärke schützt den Restwert. Deshalb ist ein VW im aktuellen Umfeld ein sicherer Kauf.

Grund 4: Service bleibt unangetastet

Trotz Stellenabbau hat VW bestätigt, dass Garantie, Werkstätten und Ersatzteile nicht eingeschränkt werden. Die 50.000 Stellen betreffen Verwaltung und Produktion — nicht das Händlernetz mit 1.200 Partnern in Deutschland.

Grund 5: Firmenwagen-Vorteil bleibt bestehen

Für Firmenwagen-Fahrer ändert sich trotz der Krise nichts am steuerlichen Vorteil. VW-Elektromodelle profitieren weiterhin von der 0,25-%-Besteuerung (Bruttolistenpreis unter 70.000 €). Ein VW ID.4 mit 42.000 € Listenpreis kostet als Firmenwagen nur ~105 €/Monat an Versteuerung — unabhängig davon, wie viel oder wenig Gewinn VW selbst an dem Auto macht. Tatsächlich macht die Krise Firmenwagen-Leasing sogar attraktiver, weil die Leasingraten aufgrund der höheren Rabatte sinken.


Historischer Kontext: Dieselskandal 2.0?

AspektDieselskandal 2015Bilanzkrise 2025
AuslöserBetrug (Abgas-Software)Marktveränderung (China, Zölle)
VW-Schuld100 %Teilweise
Marge2,0 %2,8 %
Stellenabbau30.00050.000
Erholung danachJa (5,9 % Marge bis 2024)Ziel: 4,0–5,5 % für 2026

Der entscheidende Unterschied: 2015 war die Krise selbstverschuldet. 2025 ist sie teilweise extern getrieben. Dennoch hat VW auch eigene Fehler gemacht — die langsame Elektro-Transformation und die Cariad-Softwareprobleme. Allerdings hat VW nach dem Dieselskandal bewiesen, dass der Konzern sich erholen kann.


Was VW für 2026 plant

VW hat eine Marge von 4,0–5,5 % als Ziel ausgegeben. Folgende Maßnahmen sollen das ermöglichen:

Neue MEB+-Modelle: ID. Polo, Cupra Raval und Škoda Epiq mit kostengünstigerer Plattform. Dadurch sinken die Produktionskosten, während die Preise wettbewerbsfähig bleiben.

China-Offensive: Die „größte Produktkampagne der Unternehmensgeschichte“ in China — mit speziell für den chinesischen Markt entwickelten Modellen auf lokalen Plattformen.

Everllence-Verkauf: Die Ausgliederung der Verbrennermotor-Sparte könnte bis zu 8 Milliarden Euro einbringen — deutlich mehr als erwartet. Dieses Geld fließt in die Elektro-Offensive.

Kostenprogramm: 50.000 Stellen weniger bedeuten geschätzt 3–4 Milliarden Euro jährliche Einsparungen. Zusammen mit den Everllence-Erlösen entsteht ein finanzieller Puffer.


Die Gegenargumente: Wann man NICHT bei VW kaufen sollte

Softwareprobleme: Das Infotainment im ID.3 und ID.4 wurde wiederholt kritisiert — langsame Reaktionszeiten, fehlende Funktionen und umständliche Menüführung. Die VW-eigene Software-Tochter Cariad hat Milliarden verschlungen und trotzdem ein Produkt geliefert, das hinter Tesla, BYD und sogar Hyundai zurückbleibt. Allerdings hat VW für die MEB+-Plattform 2026 eine komplett überarbeitete Software angekündigt, die auf einem neuen Betriebssystem basiert. Ob das die Probleme löst, bleibt abzuwarten — aber die ersten Berichte vom ID. Polo Prototyp sind vielversprechend.

China bietet mehr für weniger: Wer rein nach Spezifikationen kauft, bekommt bei BYD, Zeekr oder Xpeng mehr Reichweite, bessere Software und niedrigere Preise. Dennoch fehlt diesen Marken das deutsche Händlernetz — mit 1.200 VW-Partnern in Deutschland ist der Service-Vorteil real. Zudem bietet kein chinesischer Hersteller eine vergleichbare Ersatzteilversorgung: Bei VW bekommt man jedes Verschleißteil innerhalb von 24 Stunden, bei BYD kann es Wochen dauern.

Unentschlossene Strategie: VW hat die Elektro-Strategie mehrfach geändert — erst voll elektrisch, dann Verbrenner-Verlängerung, dann der Verkauf der Verbrennungsmotor-Tochter Everllence. Dieses Hin und Her verunsichert Käufer, die langfristige Planungssicherheit suchen. Deshalb sollten verunsicherte Käufer auf konkrete Produkte schauen statt auf Strategieankündigungen — der ID. Polo und der Tiguan sind real, Strategiepapiere ändern sich.


Fazit: Die VW-Krise ist real — aber sie schadet dir nicht

Die VW-Bilanz 2025 ist ein Schock für Aktionäre, Mitarbeiter und die deutsche Industriepolitik. Allerdings ist sie für Autokäufer die beste Nachricht seit Jahren.

Ein VW-Konzern unter Druck bietet bessere Autos zu niedrigeren Preisen. Die Rabattschlacht bei den Händlern, die neuen MEB+-Modelle ab 25.000 €, die verbesserte Software und die China-Offensive zeigen: VW nutzt die Krise als Katalysator. Dabei ist die Situation historisch einmalig: Nie zuvor gab es gleichzeitig so hohe Händlerrabatte, eine staatliche Förderung von bis zu 6.000 € und neue Modelle, die preislich mit chinesischen Konkurrenten mithalten können.

Gleichzeitig profitieren Käufer indirekt vom chinesischen Wettbewerb, der VW zu diesen Maßnahmen zwingt. Ohne BYD, Xiaomi und Zeekr würde VW weiter 5,9 % Marge verdienen und keinen Grund sehen, die Preise zu senken. Insofern ist die VW-Krise nicht das Ende einer Ära — sondern der Anfang einer neuen, in der der Käufer im Mittelpunkt steht.

Für alle, die jetzt konkret überlegen: Wer einen Verbrenner will, sollte jetzt zuschlagen — die Rabatte auf Golf, Tiguan und T-Roc sind historisch hoch. Wer einen Elektro-VW will, hat zwei Optionen: Entweder jetzt einen ID.4 oder ID.5 mit 20 % Rabatt plus Förderung kaufen — oder auf den ID. Polo warten, der Ende 2026 mit besserer Software und aggressiverem Preis kommt. Beide Strategien sind vernünftig.

Von einem 40.000-€-VW bleiben nur 1.120 € Gewinn. Für VW ist das ein Problem. Für dich bedeutet es: Du bekommst gerade mehr Auto für dein Geld als je zuvor.


Weiterlesen auf AutoColumn:


Die Zahlen basieren auf der offiziellen VW-Konzernbilanz 2025, ZDF, ecomento, Business Punk, Handelsblatt und Der Aktionär (Stand: 10. März 2026).

Letzte Aktualisierung: 11. März 2026

Verliert VW Geld?

Nein. VW hat 2025 einen Nettogewinn von 6,9 Milliarden Euro erzielt — deutlich weniger als im Vorjahr, aber profitabel. Das Problem ist zu wenig Gewinn für die nötigen Investitionen.

Wird VW günstiger?

Ja. Händlerrabatte liegen aktuell bei 15–25 %. Zudem starten 2026 neue Modelle wie der ID. Polo ab ~25.000 €.

Soll ich jetzt einen VW kaufen oder warten?

Verbrenner (Golf, Tiguan): Jetzt kaufen — historisch hohe Rabatte. Elektro-VW: Möglicherweise auf den ID. Polo (Ende 2026) und die verbesserte MEB+-Software warten.

Wird VW pleite gehen?

Nein. VW hat 322 Milliarden Euro Umsatz, positiven Cashflow von 6,4 Milliarden und wird durch das VW-Gesetz geschützt. Eine Insolvenz ist ausgeschlossen.

Was bedeutet der Stellenabbau für Händler?

Nichts. Die 50.000 Stellen betreffen VW-eigene Standorte. Werkstattservice, Garantie und Ersatzteile bleiben unverändert.

Warum hat Porsche schlecht abgeschnitten?

Porsche vollzog einen Strategieschwenk zurück zum Verbrenner. Dieser U-Turn verursachte Milliarden an Abschreibungen. Zusätzlich fallen 4.000–5.000 Stellen weg.

Wie steht VW im Vergleich zu Toyota?

Toyota hat eine Marge von 11 % — fast viermal so hoch wie VW (2,8 %). Deshalb verdient Toyota an einem 40.000-€-Auto rund 4.400 €, während VW nur 1.120 € verdient.

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