Am 19. März 2026 hat Xiaomi das Facelift seines Erstlings enthüllt — und China dreht durch. 15.000 Bestellungen in nur 34 Minuten. Die technischen Daten lesen sich dabei wie eine Kampfansage an Tesla, Porsche und BMW: Bis zu 902 km Reichweite (CLTC), 800-Volt-SiC-Technik serienmäßig in allen Varianten, 670 km Reichweite in 15 Minuten nachladen und ein 1.548-PS-Ultra-Modell, das den Nürburgring-Rekord für Elektroautos hält. In Deutschland ist der Xiaomi SU7 2026 zwar noch nicht offiziell erhältlich — aber der Europa-Start ist für 2027 bestätigt. Deshalb analysieren wir jetzt, was das Facelift technisch bringt, warum deutsche Hersteller nervös werden sollten und ob sich ein Grauimport heute schon lohnt.

Warum Xiaomi in nur zwei Jahren zum Angstgegner wurde
Xiaomi kennt man hierzulande vor allem als Smartphone-Hersteller. Doch seit dem Marktstart des SU7 in China im März 2024 hat sich der Konzern in Rekordtempo zum ernstzunehmenden Automobilhersteller entwickelt. Im ersten vollen Verkaufsjahr 2025 lieferte Xiaomi über 130.000 SU7 aus — mehr als sich mancher etablierte Hersteller für sein gesamtes Elektro-Lineup wünscht. Für 2026 hat CEO Lei Jun das Jahresziel sogar auf 400.000 Fahrzeuge angehoben.
Das Tempo ist dabei das eigentliche Phänomen. Während BMW sieben Jahre für die Neue Klasse brauchte und Mercedes die MMA-Plattform über ein halbes Jahrzehnt entwickelte, legte Xiaomi in nur 21 Monaten vom Projektstart bis zur Serienproduktion vor. Das Facelift kommt somit bereits nach zwei Jahren — im traditionellen Automobilbau wäre das undenkbar. Xiaomi nennt es „China Speed“ und meint damit die Fähigkeit, Kundenfeedback in Smartphone-Geschwindigkeit ins Auto zu übertragen.
Für den deutschen Markt ist das aus zwei Gründen relevant. Erstens zeigt es, wie schnell chinesische Hersteller iterieren können — ein Vorteil, den weder VW noch BMW derzeit aufholen können. Zweitens hat Xiaomi den Europa-Launch für 2027 angekündigt. Ob zunächst der SU7 oder das SUV-Modell YU7 zuerst kommt, steht allerdings noch nicht fest.
Was das Facelift technisch verändert

Optisch ändert sich beim Xiaomi SU7 2026 wenig — unter dem Blech dafür umso mehr. Die wichtigste Neuerung: Alle drei Varianten (Standard, Pro, Max) basieren jetzt serienmäßig auf einer 800-Volt-Siliciumkarbid-Plattform. Beim Vorgänger hatte das Basismodell noch 400-Volt-Technik. Darüber hinaus hat Xiaomi an der Karosseriesteifigkeit gearbeitet, die Batterie besser geschützt und die Sicherheitsstruktur des Greenhouse verstärkt — eine direkte Reaktion auf Kritik nach einem tödlichen Unfall im Jahr 2025.
Drei Varianten, eine Plattform
| Merkmal | SU7 Standard | SU7 Pro | SU7 Max |
|---|---|---|---|
| Spannung | 752 V | 752 V | 897 V |
| Laderate | 3,5C | 3,5C | 5,2C |
| Reichweite CLTC | 720 km | 902 km | 835 km |
| In 15 min nachladen | 450 km | 490 km | 670 km |
| 10–80 % | ~15 min | ~15 min | ~12 min |
| 0–100 km/h | ~5,0 s | ~5,0 s | 3,08 s |
| Antrieb | Heck (RWD) | Heck (RWD) | Allrad (AWD) |
| Preis China (umgerechnet) | ~27.600 € | ~33.000 € | ~38.200 € |
Die Reichweitenangaben basieren dabei auf dem chinesischen CLTC-Zyklus, der erfahrungsgemäß 15 bis 25 Prozent optimistischer ausfällt als der europäische WLTP-Standard. Realistisch dürfte die WLTP-Reichweite des Pro-Modells folglich bei etwa 680 bis 720 km liegen — immer noch ein herausragender Wert.
SU7 Ultra: 1.548 PS und Nürburgring-Rekord

An der Spitze der Modellpalette steht weiterhin der Xiaomi SU7 Ultra mit drei Motoren, 1.548 PS und 1.770 Nm Drehmoment. Er beschleunigt in 1,97 Sekunden auf 100 km/h und hält den aktuellen Nürburgring-Rekord für Elektroautos. Der Preis liegt in China bei umgerechnet rund 67.000 Euro — als Import in Deutschland werden allerdings etwa 110.000 bis 120.000 Euro fällig.
Laden: 670 km in 15 Minuten — ist das real?
Die Ladegeschwindigkeit des Xiaomi SU7 Max ist die spektakulärste Zahl des gesamten Facelifts. 670 km CLTC-Reichweite in nur 15 Minuten nachladen bedeutet eine durchschnittliche Ladeleistung von weit über 300 kW. Die 5,2C-Laderate ist selbst für chinesische Verhältnisse extrem — zum Vergleich: Ein Tesla Model 3 lädt mit etwa 1C, der Mercedes CLA EQ mit rund 2,5C.
Allerdings muss man ehrlich sein: Diese Werte gelten unter Laborbedingungen mit chinesischen Schnellladern, die teilweise über 600 kW liefern. An europäischen Ionity- oder EnBW-Säulen (typischerweise 350 kW) wird die Ladeleistung spürbar niedriger ausfallen. Dennoch dürfte der SU7 Max auch in Europa zu den schnellsten Ladern überhaupt gehören — sofern er jemals offiziell hierher kommt.
Beim Standard- und Pro-Modell laden die 752-Volt-Varianten ebenfalls sehr schnell: 450 beziehungsweise 490 km in 15 Minuten. Damit übertrumpfen sie BMW iX3, Mercedes CLA EQ und Audi A6 e-tron — allesamt Fahrzeuge, die das Doppelte kosten.
Software und Ökosystem: Das Auto als Xiaomi-Gerät

Was den Xiaomi SU7 2026 von jedem deutschen Elektroauto fundamental unterscheidet, ist die Software-Philosophie. Der SU7 läuft auf Xiaomi HyperOS — demselben Betriebssystem, das auch auf Xiaomi-Smartphones, Tablets, Smart-Home-Geräten und dem Xiaomi-Fernseher läuft. Das bedeutet in der Praxis: Nahtlose Integration aller Geräte im Haushalt, automatische Verbindung beim Einsteigen, Fernsteuerung des Autos per Smartwatch und Over-the-Air-Updates im Smartphone-Tempo.
Im Innenraum gibt es serienmäßig drei Displays: ein digitales Kombiinstrument, einen großen zentralen Touchscreen und ein Head-up-Display. Die 360-Grad-Kamera liefert laut Testberichten eine der besten Auflösungen auf dem Markt — nahezu verzerrungsfrei sogar in der Draufsicht. Beim Facelift hat Xiaomi darüber hinaus einen 4D-Millimeterwellen-Radar in die Front integriert und die Frontkamera mit einer automatischen Waschdüse ausgestattet. Außerdem gibt es jetzt einen eingebauten Kühlschrank mit eigenem Kompressor in der Mittelkonsole — ein Feature, das in China als Statussymbol gilt.
Allerdings gibt es für europäische Nutzer erhebliche Einschränkungen. Die chinesischen Softwarefunktionen (beispielsweise WeChat-Integration, Baidu-Navigation, Alipay) sind in Europa nicht nutzbar. Ebenso fehlen Google-Dienste. Importeure müssen deshalb oft die Software manuell anpassen, was zusätzliche Kosten und potenzielle Stabilitätsprobleme verursacht.
Innenraum: Premium-Qualität zum halben Preis

Wer beim Einsteigen in den Xiaomi SU7 2026 billiges China-Plastik erwartet, wird im besten Sinne überrascht. Nahezu 100 Prozent aller berührbaren Oberflächen sind mit Soft-Touch-Materialien bezogen. Die Türverkleidungen bestehen aus Alcantara, die Armaturentafel aus Kunstleder in Holzoptik. Lediglich im unteren Türbereich findet sich Hartplastik — auf dem Qualitätsniveau eines Audi A6 e-tron oder BMW i5. Mehrere unabhängige Tester bestätigen diese Einschätzung.
Das Facelift bringt darüber hinaus eine komplett überarbeitete Mittelkonsole. Der Gangwahlhebel wandert an die Lenksäule, sodass die Konsole aufgeräumter wirkt. Optional gibt es jetzt einen Zero-Gravity-Beifahrersitz, der sich auf 123 Grad zurücklehnen lässt — inklusive Massagefunktion. Dazu kommt der bereits erwähnte Kühlschrank mit eigenem Kompressor, der in der Mittelkonsole sitzt. Was in Europa als Kuriosität gilt, ist in China ein Standard-Feature der Oberklasse.
Serienmäßig verbaut Xiaomi beheizte und belüftete Sitze vorn sowie Sitzheizung hinten, Soft-Close-Türen und ein gewölbtes Panorama-Glasdach, das sich weit ins Heck zieht. Eine mechanische Sonnenblende fehlt, die starke Tönung mit UV-Schutz verhindert allerdings Blendung zuverlässig. Insgesamt bietet der SU7 innen mehr Serienausstattung als die meisten europäischen Konkurrenten in deutlich höheren Preisklassen.
Sicherheit: Nachgebessert, aber mit offenen Fragen

Das Thema Sicherheit ist beim Xiaomi SU7 sensibel. Im Jahr 2025 sorgte ein tödlicher Unfall unter Beteiligung eines SU7 für große mediale Aufmerksamkeit in China. Xiaomi führte den Vorfall auf einen Softwarefehler im Fahrassistenzsystem zurück und rief über 116.000 Fahrzeuge zum Software-Update zurück. Ein weiterer Rückruf betraf 30.931 Fahrzeuge wegen Problemen mit der Smart-Parking-Funktion.
Mit dem Facelift reagiert Xiaomi deshalb gezielt auf die Sicherheitskritik. Die Karosseriesteifigkeit wurde an mehreren Stellen erhöht, die Batterie besser geschützt und die Greenhouse-Struktur verstärkt. Außerdem hat Xiaomi die Bremsen überarbeitet — beim Vorgänger waren die Bremsbeläge als zu klein für sportliches Fahren kritisiert worden. Der offizielle Bremsweg beträgt jetzt 33,3 Meter aus 100 km/h.
In China hat der SU7 fünf Sterne im C-NCAP mit 93,5 Prozent erhalten. Für Europa fehlt jedoch der Euro-NCAP-Crashtest, der erst nach dem offiziellen Marktstart möglich wird. Infolgedessen sollten Importkäufer sich bewusst sein, dass die europäische Sicherheitsvalidierung noch aussteht — ein Risiko, das jeder Grauimport-Käufer bewusst eingeht.
Rückrufe und bekannte Probleme
Transparenz ist wichtig: Der Xiaomi SU7 hatte in seinen ersten zwei Jahren mehrere dokumentierte Probleme. Neben den beiden genannten Rückrufen bemängelten Tester die zu kleinen Bremsbeläge bei sportlicher Nutzung und gelegentliche Software-Aussetzer bei der Sprachsteuerung. Xiaomi reagierte in beiden Fällen mit OTA-Updates innerhalb weniger Wochen — ein Vorteil des Software-zentrierten Ansatzes.
Für den deutschen Markt relevant ist außerdem: Sollten bei einem Grauimport-Fahrzeug sicherheitsrelevante Probleme auftreten, ist die Update-Versorgung nicht garantiert. OTA-Updates setzen eine aktive Verbindung zum Xiaomi-Server voraus, die bei europäischen Importen technisch eingeschränkt sein kann. Deshalb empfehlen Importeure, vor dem Kauf schriftlich zu klären, ob der Importeur die Update-Versorgung langfristig sicherstellt.
Grauimport: Schritt-für-Schritt-Guide
Wer den Xiaomi SU7 2026 trotz aller Einschränkungen nach Deutschland importieren möchte, muss folgende Schritte durchlaufen. Zunächst benötigt man einen spezialisierten Importeur (beispielsweise Auto-China), der das Fahrzeug aus China bestellt, verzollt und für den deutschen Markt anpasst. Die Kosten setzen sich dabei aus dem China-Preis, Verschiffung, 10 Prozent Zoll, 19 Prozent Mehrwertsteuer und der Importeur-Marge zusammen.
Danach folgt die Einzelzulassung über TÜV oder DEKRA. Hierfür muss das Fahrzeug einer Einzelabnahme gemäß § 21 StVZO unterzogen werden. Der Ladeanschluss muss gegebenenfalls von GB/T auf CCS2 umgebaut werden. Scheinwerfer und Blinker müssen europäischen Normen entsprechen. Die Gesamtkosten für Import und Zulassung liegen erfahrungsgemäß zwischen 8.000 und 15.000 Euro über dem China-Listenpreis — zuzüglich Zoll und Steuern.
Unterm Strich landet der SU7 Max bei rund 70.000 Euro in Deutschland. Das ist deutlich teurer als in China, aber im Vergleich zu einem ähnlich motorisierten Porsche Taycan (ab 101.800 Euro) oder BMW i3 50 xDrive (geschätzt ab 66.500 Euro) durchaus wettbewerbsfähig — vorausgesetzt, man akzeptiert die Einschränkungen beim Service.
Versicherung und Wertverlust beim Import
Ein weiterer wichtiger Punkt für Importkäufer: Die Versicherung eines Grauimport-Fahrzeugs ist grundsätzlich möglich, allerdings oft teurer als bei offiziell eingeführten Modellen. Typklassen existieren für den SU7 in Deutschland noch nicht, weshalb Versicherer individuelle Einstufungen vornehmen — meist konservativ. Vollkasko-Prämien von 1.500 bis 2.500 Euro jährlich sind deshalb realistisch.
Beim Wiederverkaufswert sollte man ebenfalls vorsichtig kalkulieren. Grauimport-Fahrzeuge verlieren erfahrungsgemäß schneller an Wert als offiziell eingeführte Modelle, weil der potenzielle Käuferkreis kleiner ist. Sobald Xiaomi 2027 offiziell in Europa startet, dürften die Importpreise zudem deutlich sinken. Wer also einen SU7 heute importiert, sollte sich auf einen überdurchschnittlichen Wertverlust einstellen.
Der Xiaomi SU7 2026 ist in Deutschland nicht offiziell erhältlich. Es gibt weder ein Händlernetz noch offiziellen Service. Alle in Deutschland fahrenden SU7 sind Grauimporte über spezialisierte Importeure wie Auto-China. Der Preis für einen SU7 Max liegt dabei bei rund 70.000 Euro inklusive Zoll und Mehrwertsteuer — fast doppelt so viel wie in China.
Wer einen SU7 importieren will, muss folgende Punkte bedenken: Einzelzulassung über TÜV oder DEKRA ist erforderlich. Der CCS-Ladeanschluss muss gegebenenfalls angepasst werden (China nutzt GB/T-Standard). Die Software ist auf den chinesischen Markt optimiert. Garantieansprüche lassen sich nur über den Importeur abwickeln, nicht über Xiaomi direkt. Und schließlich gibt es keinen Euro-NCAP-Crashtest — nur chinesische C-NCAP-Ergebnisse (5 Sterne).
Xiaomi hat den Europa-Start für 2027 angekündigt. CEO William Lu bestätigte dies im August 2025. Ob zunächst der SU7, das SUV YU7 oder beide gleichzeitig kommen, ist allerdings noch unklar. Wer geduldig ist, sollte deshalb auf den offiziellen Launch warten — dann mit europäischer Zulassung, lokalem Service und angepasster Software.
Vergleich: Xiaomi SU7 Max vs. deutsche Premium-Konkurrenz
Wie schlägt sich der Xiaomi SU7 Max also gegen die etablierte Konkurrenz — zumindest auf dem Papier?
| Merkmal | Xiaomi SU7 Max | Mercedes CLA 350 EQ | BMW i3 50 xDrive | Audi A6 e-tron perf. |
|---|---|---|---|---|
| Leistung | 493 kW (673 PS) | 261 kW (356 PS) | 345 kW (469 PS) | 270 kW (367 PS) |
| Reichweite | ~670 km (WLTP-est.) | 771 km (WLTP) | 900 km (WLTP) | 756 km (WLTP) |
| DC-Laden max. | >300 kW | 320 kW | 400 kW | 270 kW |
| 0–100 km/h | 3,08 s | 5,0 s | ~5,0 s | 5,4 s |
| Preis Deutschland | ~70.000 € (Import) | 60.380 € | ~66.500 € (est.) | 75.600 € |
| Offiziell erhältlich | Nein (Grauimport) | Ja | Herbst 2026 | Ja |
| Euro NCAP | Kein Test | 5★ (Testsieger 2025) | Noch nicht getestet | Noch nicht getestet |
Wo der SU7 gewinnt
Die reine Performance ist überlegen: 673 PS, 3,08 Sekunden auf 100, und das zu einem Preis, der unter dem BMW i3 liegt. Ebenso beeindruckend sind die Ladegeschwindigkeiten und die Software-Integration. Für Technik-Enthusiasten, die gern Early Adopter sind, ist der SU7 Max ein faszinierendes Angebot.
Wo die Deutschen vorn liegen
Beim Vertrauen in Service, Garantie und Sicherheitszertifizierung haben Mercedes, BMW und Audi einen enormen Vorsprung. Ein Euro-NCAP-Crashtest, ein deutsches Händlernetz, 24-Stunden-Pannenhilfe und Garantieabwicklung ohne Sprachbarriere — das sind für die meisten Käufer keine Kleinigkeiten, sondern kaufentscheidende Faktoren. Darüber hinaus sind die WLTP-Reichweiten der deutschen Modelle direkt vergleichbar, während Xiaomis CLTC-Angaben nach unten korrigiert werden müssen. Ebenso fehlt dem SU7 bisher eine europäische Ladeinfrastruktur-Partnerschaft — kein Plug-and-Charge, kein integriertes Ionity-Abo, kein Mercedes me Charge oder BMW Charging.
Unsere Einschätzung: Warten oder importieren?
Für die meisten deutschen Käufer lautet die Empfehlung klar: Warten auf den offiziellen Europa-Start 2027. Die Gründe sind rational: europäische Zulassung, lokaler Service, angepasste Software, garantierte Update-Versorgung und Euro-NCAP-Sicherheit. Der Preisunterschied zwischen Grauimport (~70.000 Euro) und dem erwarteten offiziellen Preis dürfte zudem deutlich schrumpfen, sobald Xiaomi ein europäisches Vertriebsnetz aufbaut.
Für Technik-Enthusiasten und Early Adopter, die bewusst Pionierarbeit leisten wollen, kann ein Grauimport hingegen durchaus Sinn machen — vorausgesetzt, man hat einen vertrauenswürdigen Importeur, akzeptiert die Einschränkungen bei Software und Service und plant keinen kurzfristigen Wiederverkauf. Der SU7 Max bietet dann ein Fahrerlebnis, das in dieser Preisklasse kein europäisches Auto erreicht: 673 PS, 3,08 Sekunden auf 100, 800-Volt-Laden und eine Software-Integration, die den deutschen Herstellern Jahre voraus ist.
Unabhängig davon ist der Xiaomi SU7 2026 ein Weckruf für die gesamte europäische Automobilindustrie. Wenn ein Smartphone-Hersteller in zwei Jahren ein Auto auf Porsche-Niveau entwickeln kann und dieses für 28.000 Euro (in China) verkauft — dann stimmt etwas mit den Kostenstrukturen der etablierten Hersteller nicht. Der offizielle Europa-Start 2027 wird deshalb zum Lackmustest: Kann Xiaomi die China-Qualität in europäische Alltagstauglichkeit übersetzen? Die Antwort auf diese Frage wird die Branche noch Jahre beschäftigen.
Was der SU7 für die deutsche Autoindustrie bedeutet
Das Xiaomi SU7 Facelift 2026 ist mehr als ein weiteres China-Auto. Es ist ein Signal dafür, wie schnell ein Technologiekonzern ohne jegliche Automobiltradition ein wettbewerbsfähiges Fahrzeug entwickeln kann. Die Iterationsgeschwindigkeit — erstes Modell 2024, Facelift 2026 mit komplett neuer Plattform — ist einzigartig in der Branche. Kein europäischer Hersteller kann derzeit ein vergleichbares Tempo vorlegen.
Gleichzeitig zeigt der SU7, wo die Reise hingeht: Software-definierte Autos, die wie Consumer Electronics behandelt werden. Xiaomi bringt alle sechs bis zwölf Monate signifikante Updates — während bei Mercedes, BMW und VW zwischen Facelifts typischerweise drei bis fünf Jahre vergehen. Ob sich dieses Tempo auch in Europa durchsetzt, wird sich ab 2027 zeigen. Sicher ist: Die deutsche Autoindustrie beobachtet Xiaomi inzwischen genauso aufmerksam wie BYD, NIO und Geely.
Die Verkaufszahlen unterstreichen die Bedrohung: 15.000 Bestellungen in 34 Minuten und ein Jahresziel von 400.000 Fahrzeugen sind Zahlen, die selbst Tesla in seinen besten China-Monaten kaum erreicht. Für deutsche Premiumhersteller kommt erschwerend hinzu, dass Xiaomi im Heimatmarkt nur halb so viel verlangt wie BMW oder Mercedes für vergleichbare Technik. Sobald dieser Preisvorteil auch in Europa greift, wird es für die Etablierten eng. Denn eines hat die Geschichte der Smartphone-Branche gezeigt: Was Xiaomi anfängt, wird innerhalb weniger Jahre zum Massenmarkt. Die Frage ist deshalb nicht ob, sondern wann der SU7 auf deutschen Straßen allgegenwärtig wird.
FAQ: Die wichtigsten Fragen zum Xiaomi SU7 2026
Kann man den Xiaomi SU7 in Deutschland kaufen? Nicht offiziell. Alle in Deutschland fahrenden SU7 sind Grauimporte über spezialisierte Importeure. Der Preis für einen SU7 Max liegt bei rund 70.000 Euro inklusive Zoll und MwSt. Eine Einzelzulassung über TÜV oder DEKRA ist dabei erforderlich.
Wann kommt Xiaomi offiziell nach Europa? CEO William Lu hat 2027 als Ziel für den Europa-Start ausgegeben. Konkrete Länder, Modelle und Preise stehen allerdings noch nicht fest. Es ist wahrscheinlich, dass direkt die Facelift-Version des SU7 auf den europäischen Markt kommt.
Wie viel kostet der Xiaomi SU7 in China? Umgerechnet ab rund 27.600 Euro für das Standardmodell und bis etwa 38.200 Euro für den Max. Der SU7 Ultra beginnt bei rund 67.000 Euro. Diese Preise sind nicht auf Deutschland übertragbar — Import, Zoll und Anpassungen verdoppeln den Preis nahezu.
Technik und Sicherheit
Hat der Xiaomi SU7 einen Euro-NCAP-Crashtest? Nein. In China hat der SU7 fünf Sterne im C-NCAP erhalten (93,5 Prozent). Ein Euro-NCAP-Test ist erst nach dem offiziellen Europa-Start zu erwarten, also frühestens 2027. Für Importkäufer bedeutet das: Die Crash-Struktur kann gut sein, aber eine europäische Validierung fehlt.
Wie realistisch sind 902 km Reichweite? Die 902 km gelten nach dem chinesischen CLTC-Zyklus, der 15 bis 25 Prozent optimistischer misst als WLTP. Die realistische WLTP-Reichweite des Pro dürfte somit bei 680 bis 720 km liegen — immer noch sehr gut, aber deutlich unter der Schlagzeilen-Zahl.
Varianten und Marktstart
Gibt es den SU7 auch als SUV? Ja. Der Xiaomi YU7 ist ein SUV auf Basis derselben Plattform und wurde bereits 2025 in China vorgestellt. In China startet er bei umgerechnet etwa 30.200 Euro. Ob der YU7 zeitgleich mit dem SU7 nach Europa kommt, ist allerdings noch unklar.
Lohnt sich ein Grauimport des Xiaomi SU7? Nur für Technik-Enthusiasten, die die Einschränkungen bewusst akzeptieren: keine offizielle Garantie, keine Google-Dienste, mögliche Software-Inkompatibilitäten und kein europäisches Servicenetz. Wer Alltagstauglichkeit und Wertstabilität priorisiert, sollte hingegen auf den offiziellen Europa-Start 2027 warten. Dann dürfte Xiaomi auch ein lokalisiertes Infotainment mit Google-Integration anbieten, einen CCS2-Ladeanschluss serienmäßig verbauen und ein europäisches Garantieprogramm auflegen. Die Wartezeit könnte sich also gleich mehrfach auszahlen — auch finanziell, denn die offiziellen Europa-Preise werden voraussichtlich deutlich unter den aktuellen Importkosten liegen.
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Letzte Aktualisierung: 23. März 2026 · Datenquellen: Xiaomi, Carwow, Notebookcheck, Autozeitung, InsideEVs, AutoScout24
