Xiaomi SU7 Max vs. Tesla Model S vs. BMW i5: Drei Philosophien, eine Preisfrage — der große Vergleich 2026

Der Xiaomi SU7 Max kostet als Grauimport rund 70.000 Euro in Deutschland — exakt auf dem Niveau eines BMW i5 eDrive40. Das Tesla Model S startet hingegen erst bei 109.990 Euro. Alle drei sind Fünf-Meter-Elektrolimousinen, doch ihre Ansätze könnten unterschiedlicher nicht sein: Smartphone-Ökosystem gegen Supercharger-Netzwerk gegen bayerische Fahrwerkskunst. In diesem Vergleich analysieren wir Technik, Preis, Ausstattung und Sicherheit — und klären, wer das beste Gesamtpaket bietet.


Der Kern des Vergleichs: Warum genau diese drei?

Die Wahl der Vergleichskandidaten ist nicht zufällig, sondern folgt einer klaren Logik. Alle drei Fahrzeuge sind über fünf Meter lange Elektrolimousinen mit Oberklasse-Anspruch, die im deutschen Markt um dieselbe Zielgruppe kämpfen: technikaffine Käufer mit einem Budget zwischen 70.000 und 120.000 Euro.

Der Xiaomi SU7 Max (Facelift 2026) ist dabei der Disruptor. Als Grauimport für rund 70.000 Euro bietet er 673 PS, 897-Volt-Technik und eine Software-Integration, die kein europäischer Hersteller derzeit erreicht. In China kostet er umgerechnet nur 38.200 Euro — weniger als ein VW ID.3. Das Tesla Model S ist dagegen der etablierte Platzhirsch. Seit 2012 auf dem Markt, hat es die Kategorie der Elektro-Oberklasse praktisch erfunden. Mit 109.990 Euro ist es allerdings auch das teuerste Fahrzeug im Vergleich. Der BMW i5 eDrive40 wiederum repräsentiert die deutsche Premium-Antwort auf die Elektromobilität. Ab 70.200 Euro ist er preislich fast identisch mit dem SU7 Max — bietet dafür aber Euro-NCAP-Sicherheit, ein deutsches Händlernetz und das typische BMW-Fahrgefühl.

Technische Daten: Die große Vergleichstabelle

MerkmalXiaomi SU7 MaxTesla Model S AWDBMW i5 eDrive40
Preis Deutschland~70.000 € (Import)109.990 €70.200 €
Preis Top-Modell~120.000 € (Ultra)119.990 € (Plaid)99.500 € (M60)
Länge / Radstand4.997 / 3.000 mm5.021 / 2.960 mm5.060 / 2.995 mm
Leistung495 kW (673 PS)501 kW (670 PS)250 kW (340 PS)
Drehmoment838 Nmk. A.430 Nm
0–100 km/h3,08 s3,1 s6,0 s
AntriebAWD (Dual Motor)AWD (Dual Motor)RWD (Single Motor)
Batterie~101 kWh~100 kWh (95 netto)81,2 kWh
Reichweite~670 km (WLTP-est.)744 km (WLTP)582 km (WLTP)
Plattformspannung897 V400 V400 V
DC-Laden max.>300 kW (5,2C)250 kW205 kW
10–80 %~12 min~30 min~30 min
Kofferraum514 L + 105 L Frunk793 L + 84 L Frunk490 L
cW-Wert0,1950,2080,23
Euro NCAPKein Test5★ (2022)5★ (2023)
Verfügbarkeit DEGrauimportOffiziellOffiziell

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Der Xiaomi SU7 Max bietet für den Preis eines BMW-Basismodells die Performance eines Tesla Model S — und übertrifft beide beim Schnellladen. Allerdings fehlt ihm die europäische Zulassung, was die Vergleichbarkeit im Alltag erheblich einschränkt.

Antrieb und Plattform: 800 Volt gegen 400 Volt

Xiaomi: Die technische Speerspitze

2026 Xiaomi SU7
2026 Xiaomi SU7

Der fundamentalste Unterschied zwischen den drei Fahrzeugen liegt in der Plattformarchitektur. Der Xiaomi SU7 Max arbeitet mit 897 Volt und Siliciumkarbid-Invertern (SiC) — die modernste Technik, die derzeit in Serienfahrzeugen verbaut wird. Die hohe Spannung ermöglicht eine Laderate von 5,2C, was bedeutet, dass der gesamte Akku theoretisch in unter zwölf Minuten von null auf voll geladen werden könnte. In der Praxis erreicht der SU7 Max 670 km CLTC-Reichweite in nur 15 Minuten Ladezeit.

Xiaomi hat zudem beim Facelift alle Varianten auf 800-Volt-Technik umgestellt — selbst das günstigste Modell. Das ist ein strategischer Vorteil, weil die gesamte Lieferkette auf eine Architektur optimiert werden kann. Der Motor des SU7 Max ist eine Eigenentwicklung namens „HyperEngine V8s“ mit 495 kW Systemleistung. Beim Sprint auf 100 km/h vergehen 3,08 Sekunden — schneller als ein Porsche Taycan GTS.

Tesla: Bewährt, aber technisch überholt

Das Tesla Model S setzt hingegen auf eine 400-Volt-Architektur, die bereits seit 2012 im Einsatz ist. Obwohl Tesla die Effizienz durch kontinuierliche Software-Updates verbessert hat, bleibt die maximale Ladeleistung bei 250 kW — ein respektabler Wert für ein 400-Volt-System, aber deutlich unter dem, was 800-Volt-Fahrzeuge wie der SU7 Max oder der Porsche Taycan erreichen. Die Ladedauer von 10 auf 80 Prozent liegt entsprechend bei etwa 30 Minuten. Der entscheidende Vorteil des Tesla bleibt jedoch das Supercharger-Netzwerk mit über 12.000 Ladepunkten in Europa.

BMW: Konservativ, aber ausgewogen

Auch der BMW i5 arbeitet mit 400 Volt und erreicht maximal 205 kW Ladeleistung. Damit ist er technisch am konservativsten aufgestellt. Allerdings hat BMW zum Modelljahr 2026 SiC-Inverter eingeführt, die den Verbrauch um bis zu acht Prozent senken und die WLTP-Reichweite auf bis zu 627 km steigern. Im realen Autobahnbetrieb bei 150 km/h verbraucht der aktualisierte i5 laut Tests etwa 19 bis 20 kWh pro 100 km — ein solider Wert, der dank der Wärmepumpe und adaptiven Rekuperation auch im Winter stabil bleibt.

Software und Ökosystem: Drei Welten

Xiaomi HyperOS: Das Auto als Gerät

Der Xiaomi SU7 läuft auf HyperOS, dem hauseigenen Betriebssystem, das auch auf Xiaomi-Smartphones, Smart-Home-Geräten und Fernsehern läuft. Das bedeutet in der Praxis: Das Auto erkennt den Fahrer beim Einsteigen automatisch, spiegelt das Smartphone nahtlos auf das Zentraldisplay und kann sogar als Smart-Home-Fernbedienung dienen. Serienmäßig bietet der SU7 drei Displays, ein 56-Zoll-Head-up-Display und eine 360-Grad-Kamera, die laut Tests zu den besten auf dem Markt gehört.

Der Nachteil: In Europa funktionieren wesentliche Software-Funktionen nicht. WeChat, Baidu-Navigation und Alipay sind nicht nutzbar. Google-Dienste fehlen ebenfalls. Importeure müssen die Software manuell anpassen, was zusätzliche Kosten und potenzielle Stabilitätsprobleme verursacht. Darüber hinaus ist die OTA-Update-Versorgung bei Grauimport-Fahrzeugen nicht garantiert.

Tesla: Der Software-Pionier zeigt sein Alter

Tesla hat die Software-Branche im Auto praktisch erfunden. Das 17-Zoll-Zentraldisplay, die OTA-Updates, der Sprachassistent und die Autopilot-Funktionen waren jahrelang unübertroffen. Heute zeigt sich allerdings, dass Tesla beim Model S seit der großen Überarbeitung 2021 kaum noch signifikante Hardware-Innovationen eingeführt hat. Die Bedienung über das zentrale Display ist nach wie vor minimalistisch — manche sagen zu minimalistisch, weil selbst Scheibenwischer und Blinker teilweise über den Touchscreen gesteuert werden müssen.

Der größte Tesla-Vorteil bleibt jedoch das Ökosystem: Supercharger mit Plug-and-Charge, die integrierte Navigation mit Echtzeit-Ladestopp-Planung und die bislang größte Flotte für das Sammeln von Fahrdaten. Full Self Driving (FSD) ist in Deutschland zwar noch nicht verfügbar, aber die Hardware dafür ist verbaut.

BMW iDrive: Ausgereift und intuitiv

BMW setzt auf das Operating System 8.5 mit dem geschwungenen Curved Display (12,3 + 14,9 Zoll). Im Gegensatz zu Tesla und Xiaomi behält BMW physische Tasten für Klimasteuerung und Lautstärke — ein Sicherheitsplus, das viele Fahrer schätzen. Der Sprachassistent versteht natürliche Sprache besser als bei früheren Generationen, und AirConsole ermöglicht Gaming während der Ladepausen. Außerdem bietet BMW Apple CarPlay und Android Auto — beides fehlt bei Tesla und Xiaomi.

Fahrassistenz und autonomes Fahren: Drei Strategien

Beim autonomen Fahren verfolgen alle drei Hersteller radikal unterschiedliche Strategien — und genau hier zeigt sich, wie tiefgreifend die technologischen Philosophien auseinandergehen.

Xiaomi: LiDAR serienmäßig für alle

Das SU7 Facelift 2026 macht LiDAR, 4D-Millimeterwellen-Radar und eine 700-TOPS-Rechenplattform serienmäßig in allen Varianten — selbst im Basismodell für umgerechnet 28.000 Euro. Xiaomis Highway Autonomous Driving (HAD) ermöglicht überwachtes autonomes Fahren auf Autobahnen, automatisches Einparken und eine Summon-Funktion. Diese Hardware-Ausstattung übertrifft sogar das Tesla FSD-Paket und kostet keinen Aufpreis.

Tesla: Vision-Only ohne LiDAR

Tesla setzt bekanntlich ausschließlich auf Kameradaten und neuronale Netze — ohne LiDAR und ohne Radar (letzterer wurde 2021 entfernt). Die Autopilot-Hardware (HW4) ist im Model S verbaut, aber FSD ist in Europa regulatorisch noch nicht zugelassen. Im Alltag bietet Tesla dennoch einen der besten adaptiven Tempomaten mit Spurhaltung auf dem Markt.

BMW: Der konservative Ansatz

BMW bietet mit dem Driving Assistant Professional einen ausgereiften Level-2-Assistenten. Das Highlight ist der aktive Spurwechselassistent, der durch einen Blick in den Außenspiegel ausgelöst wird — eine intuitive Lösung, die kein Wettbewerber so elegant umsetzt. Auf der Autobahn arbeiten adaptiver Tempomat, Spurhalte- und Spurwechselassistent nahtlos zusammen. Für höhere Automatisierungsstufen fehlt dem i5 allerdings die Hardware (kein LiDAR).

Sicherheit: Euro NCAP vs. C-NCAP

Die Sicherheitsbewertung ist der Bereich, in dem die Unterschiede am deutlichsten sind — und zwar zuungunsten des Xiaomi.

Xiaomi: Fünf Sterne in China, keine in Europa

Der Xiaomi SU7 Max hat im C-NCAP den höchsten Gesamtwert aller nach dem 2024er-Standard getesteten Fahrzeuge erreicht, mit 93,5 Prozent in der Erwachsenensicherheit. Das Facelift verstärkt die Karosserie mit 2.200-MPa-Stahl (zuvor 2.000 MPa), ergänzt eine 1.500-MPa-Querverstrebung unter der Batterie und erhöht die Airbag-Anzahl von sieben auf neun. Zudem gibt es jetzt ein Backup-Stromsystem für die Türschlösser — ein direktes Resultat der Sicherheitskritik nach dem tödlichen Unfall 2025.

Allerdings fehlt ein Euro-NCAP-Test. Der C-NCAP ist nicht direkt vergleichbar, weil er andere Crash-Szenarien, Fußgängerschutz-Kriterien und Assistenzsystem-Bewertungen verwendet. Für deutsche Käufer bedeutet das: Die passive Sicherheit des SU7 dürfte gut sein, aber eine unabhängige europäische Validierung steht aus.

Tesla: Fünf Sterne, aber älterer Test

Das Tesla Model S erhielt 2022 fünf Sterne im Euro NCAP — allerdings nach dem damals gültigen Protokoll, das weniger streng war als das aktuelle. In der Erwachsenensicherheit erreichte das Model S 94 Prozent, beim Fußgängerschutz 85 Prozent. Seitdem hat sich die Euro-NCAP-Methodik verschärft, weshalb die Ergebnisse nur bedingt mit neueren Tests vergleichbar sind. Tesla bietet serienmäßig acht Airbags, eine verstärkte Fahrgastzelle und den Vorteil, dass der schwere Akku im Boden den Schwerpunkt senkt.

BMW: Aktuellster und härtester Test

Der BMW i5 wurde 2023 nach dem aktuellen Euro-NCAP-Protokoll getestet und erhielt ebenfalls fünf Sterne. Die Ergebnisse: 90 Prozent Erwachsenensicherheit, 85 Prozent Kindersicherheit, 82 Prozent Fußgängerschutz und 79 Prozent Assistenzsysteme. BMW bietet serienmäßig sechs Airbags (optional mehr) sowie ein aufwendiges Fahrwerkskonzept mit Luftfederung hinten, das auch bei Ausweichmanövern stabil bleibt. Im ADAC-Ausweichtest schnitt der i5 trotz seines hohen Gewichts von über 2,2 Tonnen hervorragend ab.

Sicherheitsvergleich auf einen Blick

SicherheitsmerkmalXiaomi SU7 MaxTesla Model SBMW i5
Euro NCAPKein Test5★ (2022)5★ (2023)
C-NCAP / NHTSA5★ C-NCAP (93,5%)5★ NHTSA
Airbags986 (Serie)
Karosserie-Stahl2.200 MPak. A.Hochfester Stahl/Alu
Batterieschutz1.500 MPa QuerverstrebungUnterbodenplatteUnterbodenschutz
Tür-Notöffnung BackupJa (Facelift)MechanischMechanisch
Aktive SicherheitLiDAR + Radar + 700 TOPSKamera-basiert HW4Radar + Kamera

Preis und Wertverhältnis: Wer bietet am meisten fürs Geld?

Der Preisvergleich ist auf den ersten Blick eindeutig — und auf den zweiten deutlich komplexer.

Anschaffungspreis

Der BMW i5 eDrive40 und der Xiaomi SU7 Max kosten in Deutschland praktisch gleich viel: rund 70.000 Euro. Das Tesla Model S liegt mit 109.990 Euro fast 40.000 Euro darüber. Für den Aufpreis bekommt man beim Tesla mehr Reichweite (744 km WLTP), das Supercharger-Netzwerk und ein etabliertes Servicenetz — aber weniger Leistung als beim SU7 Max und weniger Fahrwerksqualität als beim BMW.

Will man den BMW auf das Performance-Niveau des SU7 Max bringen, muss man zum i5 M60 xDrive greifen (601 PS, 3,8 Sekunden). Der kostet allerdings 99.500 Euro — also fast 30.000 Euro mehr als der SU7 Max.

Betriebskosten

Beim Stromverbrauch liegt der BMW i5 vorn: 15,9 bis 18,9 kWh pro 100 km (WLTP) dank geringerem Gewicht und optimierter Rekuperation. Der Tesla Model S verbraucht real etwa 17,5 bis 20,6 kWh pro 100 km — ein guter Wert für ein Fahrzeug dieser Größe. Xiaomi gibt keine europäischen Verbrauchswerte an, aber basierend auf dem CLTC-Verbrauch und der Fahrzeuggröße dürften 16 bis 19 kWh pro 100 km realistisch sein.

Beim Laden hat der SU7 Max einen strukturellen Vorteil: Die 800-Volt-Architektur ermöglicht kürzere Stopps, was auf Langstrecken bares Geld spart. Allerdings setzt dies zwingend voraus, dass europäische Schnelllader die hohen Laderaten unterstützen — und dass der Ladeanschluss korrekt auf CCS2 umgebaut wurde.

Firmenwagen: Der BMW gewinnt eindeutig

Für Firmenwagenkäufer in Deutschland ist der BMW i5 eDrive40 nahezu unschlagbar. Bei einem Bruttolistenpreis von 70.200 Euro liegt er unter der 70.000-Euro-Schwelle für die vergünstigte 0,25-Prozent-Versteuerung (bei geschickter Konfiguration). Das ergibt einen geldwerten Vorteil von nur etwa 175 Euro pro Monat — ein Bruchteil dessen, was ein Verbrenner oder ein teureres Elektroauto kosten würde. Weder das Tesla Model S (109.990 Euro) noch der Xiaomi SU7 Max (als Grauimport nicht für Firmenleasing geeignet) können hier mithalten.

Ausstattung: Was bekommt man serienmäßig?

Die Serienausstattung ist ein Bereich, in dem der Xiaomi SU7 Max besonders glänzt — zumindest auf dem Papier.

Xiaomi: Alles inklusive

Serienmäßig bietet der SU7 Max: LiDAR, 4D-Radar, 9 Airbags, Luftfederung mit adaptiven Dämpfern, aktiver Heckspoiler, beheizte und belüftete Sitze vorn und hinten, Soft-Close-Türen, Panorama-Glasdach, 56-Zoll-Head-up-Display, 360-Grad-Kamera (nahezu verzerrungsfrei), elektrisch öffnender Frunk, bidirektionales Laden und sogar einen Kühlschrank mit eigenem Kompressor. Optional gibt es den Zero-Gravity-Beifahrersitz mit 123-Grad-Neigung und Massagefunktion. Der cW-Wert von 0,195 ist einer der niedrigsten im gesamten Automobilmarkt.

Tesla: Minimalistisch, aber clever

Tesla setzt auf maximale Reduktion: Es gibt genau eine Ausstattungslinie pro Motorisierung, keine Optionspakete. Serienmäßig verbaut sind das 17-Zoll-Zentraldisplay, das 12,3-Zoll-Instrumentendisplay, Premium-Audio mit 22 Lautsprechern, beheizbare Sitze, Sentry Mode (Überwachungsmodus), Dashcam und der Autopilot mit adaptivem Tempomat. Die Glasdachfläche ist die größte im Vergleich. Allerdings fehlen Soft-Close-Türen, ein Head-up-Display und LiDAR.

BMW: Premium mit Optionsliste

BMW bietet serienmäßig das Curved Display, Driving Assistant, Parking Assistant, LED-Scheinwerfer, Wärmepumpe und BMW Live Cockpit Plus. Vieles, was bei Xiaomi und Tesla Standard ist, kostet beim BMW allerdings Aufpreis: Luftfederung, Allradlenkung, Head-up-Display, Harman-Kardon-Sound, ventilierte Sitze. Ein vergleichbar ausgestatteter i5 eDrive40 liegt schnell bei 85.000 bis 90.000 Euro.

Reichweite und Alltagstauglichkeit: Die entscheidende Praxis

Auf dem Papier hat das Tesla Model S mit 744 km WLTP die größte Reichweite. Der Xiaomi SU7 Max kommt auf geschätzte 670 km WLTP (835 km CLTC abzüglich 15–20 Prozent), und der BMW i5 eDrive40 erreicht bis zu 627 km (nach dem 2026er-Update).

Im realen Autobahnbetrieb bei 130 km/h schrumpfen diese Werte erfahrungsgemäß um 25 bis 35 Prozent. Das bedeutet: Das Tesla Model S schafft real etwa 460 bis 500 km auf der Autobahn, der SU7 Max rund 430 bis 480 km, und der BMW i5 etwa 380 bis 420 km. Alle drei sind damit langstreckentauglich, allerdings benötigt der BMW auf einer Fahrt von München nach Hamburg (etwa 610 km) zwingend einen Ladestopp, während Tesla und Xiaomi es unter Umständen ohne schaffen.

Der entscheidende Unterschied liegt allerdings im Laden selbst. Während BMW und Tesla jeweils rund 30 Minuten für 10 bis 80 Prozent benötigen, schafft der SU7 Max denselben Vorgang in nur 12 Minuten. Das bedeutet auf einer 1.000-km-Fahrt: Zwei Kaffeepausen à 12 Minuten statt zwei Ladestopps à 30 Minuten. Dieser Zeitvorteil summiert sich über ein Autoleben erheblich.

Unser Urteil: Wer gewinnt — und für wen?

Xiaomi SU7 Max: Der Technik-Champion mit Einschränkungen

Der SU7 Max bietet das objektiv beste Preis-Leistungs-Verhältnis im Vergleich. Für 70.000 Euro bekommt man 673 PS, 800-Volt-Laden, LiDAR serienmäßig und eine Serienausstattung, die selbst ein 120.000-Euro-Tesla nicht bietet. Die Ladegeschwindigkeit ist konkurrenzlos. Für Technik-Enthusiasten, die bewusst Grauimport-Risiken akzeptieren (kein Euro NCAP, kein deutsches Servicenetz, eingeschränkte Software), ist der SU7 Max ein faszinierendes Angebot. Für alle anderen gilt: Warten auf den offiziellen Europa-Start 2027.

Tesla Model S: Der alternde König mit dem besten Netzwerk

Das Tesla Model S ist in allen Bereichen solide bis sehr gut — aber eben auch 40.000 Euro teurer als der SU7 Max bei vergleichbarer Performance. Der größte Vorteil bleibt das Supercharger-Netzwerk und die jahrelange Software-Reife. Allerdings zeigt sich 2026 deutlich, dass die 400-Volt-Architektur von 2012 nicht mehr zeitgemäß ist. Wer ein Tesla Model S kauft, bezahlt deshalb nicht nur für das Auto, sondern auch für das Ökosystem und das Vertrauen in einen etablierten Hersteller. Ob das 40.000 Euro Aufpreis rechtfertigt, muss jeder selbst entscheiden. Immerhin bietet Tesla etwas, das weder Xiaomi noch BMW in dieser Form liefern können: ein zuverlässiges, europaweites Ladenetz mit über 12.000 Supercharger-Stalls, Plug-and-Charge ohne App und eine integrierte Routenplanung, die Ladestopps automatisch einberechnet. Diese Infrastruktur-Sicherheit ist für Vielfahrer oft mehr wert als technische Spitzenwerte auf dem Datenblatt.

BMW i5 eDrive40: Der rationale Sieger für Deutschland

Für die meisten deutschen Käufer ist der BMW i5 eDrive40 die mit Abstand vernünftigste Wahl im gesamten Vergleich. Er bietet Euro-NCAP-Sicherheit, ein deutsches Händlernetz mit 24-Stunden-Pannenhilfe, die beste Fahrwerksabstimmung im Vergleich, Apple CarPlay und Android Auto, eine steuerlich optimale Firmenwagenposition und einen etablierten Wiederverkaufsmarkt. Zudem profitieren BMW-Kunden von einer Garantie, die ohne Sprachbarriere und ohne Umwege über einen Importeur funktioniert. Ja, er ist langsamer als der SU7 Max und hat weniger Reichweite als das Model S. Aber er funktioniert in Europa ohne Kompromisse — und genau das ist im Alltag oft mehr wert als 300 zusätzliche PS.

FAQ: Die wichtigsten Fragen zum Vergleich

Welches Auto hat die beste Ladegeschwindigkeit? Der Xiaomi SU7 Max lädt dank seiner 897-Volt-Architektur und 5,2C-Laderate am schnellsten: 10 bis 80 Prozent in etwa 12 Minuten. Tesla Model S und BMW i5 benötigen jeweils rund 30 Minuten für denselben Vorgang.

Welches Auto ist am sichersten? Nach europäischen Standards ist diese Frage nicht eindeutig zu beantworten. BMW i5 und Tesla Model S haben beide fünf Euro-NCAP-Sterne. Der Xiaomi SU7 hat keinen Euro-NCAP-Test, bietet dafür aber serienmäßig LiDAR, neun Airbags und 2.200-MPa-Stahl — auf dem Papier die aufwendigste passive Sicherheitsausstattung im Vergleich.

Kann man den Xiaomi SU7 in Deutschland als Firmenwagen nutzen? Grundsätzlich nein. Als Grauimport-Fahrzeug ist der SU7 nicht über reguläre Leasing-Gesellschaften oder Car-Policies verfügbar. Erst nach dem offiziellen Europa-Start 2027 dürfte sich das ändern.

Technik und Zukunft

Welches Auto ist technisch am modernsten? Der Xiaomi SU7 Max ist technisch in fast jeder Hinsicht führend: 800 Volt, LiDAR serienmäßig, 700 TOPS Rechenleistung, bidirektionales Laden und der niedrigste cW-Wert im Vergleich (0,195). Allerdings fehlt die europäische Validierung dieser Technik.

Wird das Tesla Model S ein Update auf 800 Volt bekommen? Dafür gibt es aktuell keine Hinweise. Gerüchte deuten darauf hin, dass Tesla seine 400-Volt-Plattform bis zum Ende der Model-S-Lebensdauer beibehalten wird. Ein Nachfolger mit neuer Architektur ist bislang nicht angekündigt.

Bekommt der BMW i5 bald 800-Volt-Technik? Möglicherweise. Ein Facelift des i5 wird für 2026 erwartet, und BMW hat die 800-Volt-Technik bereits für die Neue Klasse entwickelt. Ob diese Technik auch in den aktualisierten i5 übernommen wird, ist allerdings noch nicht bestätigt.


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Letzte Aktualisierung: 23. März 2026 · Datenquellen: Xiaomi, Tesla, BMW, ADAC, Euro NCAP, Carwow, Electrek

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