
Es gibt eine Zahl, die alles über den Dacia Bigster sagt: 14.000 Euro. So viel trennt den Einstiegspreis des Bigster (23.990 Euro) vom Basismodell des VW Tiguan (über 38.000 Euro). Beide sind Mittelklasse-SUVs, beide rund 4,60 Meter lang, beide bieten Platz für eine Familie mit Gepäck. Nur dass der Dacia für diese 14.000 Euro Ersparnis erstaunlich wenig Kompromisse verlangt.
Seit Mai 2025 ist der Bigster auf dem Markt, und die Verkaufszahlen sprechen eine deutliche Sprache: Über 40.000 Zulassungen weltweit, davon rund 10.000 in Deutschland. Er wurde Finalist bei der „Car of the Year 2026″-Wahl und gewann die AUTO BILD Leserwahl in der Kategorie „Preis-Leistung“ bei mittleren SUVs. Das ist kein Zufall. Der Bigster ist das bisher überzeugendste Auto, das Dacia je gebaut hat — und gleichzeitig das erste, bei dem man vergisst, dass es ein Dacia ist.
Erster Eindruck: Kein billiges Auto mehr
Die Zeiten, in denen Dacia mit nackten Armaturenbrettern und spartanischen Innenräumen auskam, sind endgültig vorbei. Der Bigster empfängt seinen Fahrer mit einem 10,1-Zoll-Zentraldisplay, einem optionalen 10-Zoll-Digitalcockpit (Serie: 7 Zoll) und einem Materialmix, der nicht nach 24.000 Euro aussieht. Die Sitze sind gut konturiert, angenehm gepolstert und bieten selbst auf langen Strecken ausreichend Seitenhalt. Das unten abgeflachte Lenkrad liegt gut in der Hand.
Was den Bigster von außen so eindrucksvoll macht, sind seine Proportionen: 4,57 Meter Länge, 1,81 Meter Breite, 1,71 Meter Höhe. Die wuchtigen Schultern, der bulliger Auftritt und die optional zweifarbige Lackierung lassen den Bigster fast schon premium wirken. Die Frontstoßfänger und Seitenzierelemente sind immer lackiert — ein bewusster Schritt weg vom rustikalen Dacia-Image früherer Jahre.
Das innovative YouClip-System mit bis zu fünf Befestigungspunkten im Innenraum ist typisch Dacia: clever gedacht, günstig umgesetzt. Eine Smartphone-Halterung mit Ladefunktion lässt sich zwischen den Displays anbringen — praktischer als jede fest installierte Halterung.
Fahreindruck: Die Überraschung steckt im Fahrwerk

Wer in einen Dacia steigt und eine schwammige, komfortbetonte Abstimmung erwartet, wird beim Bigster eines Besseren belehrt. Die Federn, Dämpfer und Stabilisatoren sind straffer abgestimmt als bei jedem bisherigen Dacia. Der Bigster verkneift sich übertriebene Aufbaubewegungen und hält in schnellen Kurven deutlich besser die Linie als erwartet. Das ist keine Sportlimousine, aber ein SUV, das man zügig über kurvige Landstraßen bewegen kann, ohne dass die Mitfahrer seekrank werden.
Die Lenkung punktet mit angenehmer Schwergängigkeit und passendem Rückstellmoment. Um die Mittellage herum könnte sie für ein großes, komfortables Auto etwas weniger nervös reagieren — beim weiteren Einlenken wiederum wäre eine direktere Übersetzung wünschenswert. Das sind Kritikpunkte auf hohem Niveau, wohlgemerkt für ein Auto, das weniger kostet als die Sitzheizung in einem vergleichbar ausgestatteten Audi Q5.
Das Leergewicht von nur 1.439 Kilogramm (Mild Hybrid 140) ist eine echte Überraschung. Das sind mindestens 200 Kilogramm weniger als bei einem vergleichbar großen VW Tiguan. Weniger Gewicht bedeutet: spritzigerer Antritt, niedrigerer Verbrauch, kürzere Bremswege. Dacia profitiert hier von der konsequenten Leichtbauphilosophie — weniger Dämmmaterial, einfachere Technik, kein schweres Infotainment-System mit drei Displays.
Motoren: Vier Antriebe, eine klare Empfehlung

Der Bigster bietet eine der vielfältigsten Motorenpaletten im Segment:
| Motor | Leistung | Getriebe | Antrieb | Verbrauch (WLTP) | Preis ab |
|---|---|---|---|---|---|
| Mild Hybrid 130 | 130 PS | 6-Gang manuell | Allrad | 6,1 l/100 km | 25.990 € |
| Mild Hybrid-G 140 (LPG) | 140 PS | 6-Gang manuell | Frontantrieb | 5,5 l/100 km (Benzin) | 23.990 € |
| Hybrid 155 | 155 PS | Automatik | Frontantrieb | 4,7 l/100 km | 28.590 € |
| Hybrid-G 150 4×4 (neu) | 150 PS | 6-Gang DCT | Allrad | TBA | ab ca. 32.790 € |
Die Basisversion Mild Hybrid-G 140 ist das Preis-Leistungs-Wunder: Für 23.990 Euro bekommt man ein 4,57 Meter langes SUV mit 140 PS, das wahlweise mit Benzin oder Flüssiggas (LPG) betankt werden kann. Im LPG-Betrieb liegen die Spritkosten bei etwa der Hälfte von Benzin — bei einer kombinierten Reichweite von bis zu 1.400 Kilometern (Benzin + LPG zusammen). Das ist ein Argument, das kein Elektroauto der Welt entkräften kann: 1.400 Kilometer ohne Tankstopp-Stress.
Der Hybrid 155 ist die beste Wahl für alle, die eine Automatik wollen. Der 1,8-Liter-Vierzylinder arbeitet mit zwei Elektromotoren zusammen und ermöglicht in der Stadt bis zu 60 Prozent rein elektrisches Fahren. Mit 4,7 Litern Normverbrauch ist er der sparsamste Bigster. Der Aufpreis von 4.600 Euro gegenüber dem LPG-Modell rechnet sich bei hoher Fahrleistung.
Die echte Neuheit für 2026 ist der Hybrid-G 150 4×4: ein Allrad-Hybrid mit LPG-Option und Doppelkupplungsgetriebe. Diese Kombination ist weltweit einzigartig. Mit bis zu 1.500 Kilometern theoretischer Reichweite und elektrischem Allradantrieb (E-Motor an der Hinterachse) verbindet er Effizienz, Vielseitigkeit und Geländetauglichkeit.
Platz: Hier gewinnt der Bigster haushoch

Der Kofferraum ist das stärkste Argument des Bigster. Mit aufrechter Rückbank fasst er 667 Liter nach VDA — das ist mehr als in einem VW Tiguan (615 l), mehr als in einem Škoda Kodiaq (640 l) und deutlich mehr als in einem Hyundai Tucson (620 l). Klappt man die Rücksitze um, werden es bis zu 1.937 Liter. Das sind Kombi-Dimensionen in einem SUV.
Die Ladekante ist angenehm niedrig, der Ladeboden eben. Die automatische Heckklappe (ab Extreme-Ausstattung) lässt sich in der Öffnungshöhe anpassen — praktisch in Parkhäusern mit niedriger Decke. Ein Detail, das bei Autos für über 40.000 Euro nicht immer selbstverständlich ist.
Im Fond bieten selbst große Erwachsene genug Bein- und Kniefreiheit. Der Radstand von 2,70 Metern macht sich bemerkbar. Die Rückbank ist nicht verschiebbar — ein Kompromiss, den man bei dem Preis akzeptieren kann.
Das optionale „Sleep Pack“ als Zubehör verwandelt den Bigster in ein Mikro-Wohnmobil: In weniger als zwei Minuten entsteht ein 1,90 × 1,30 Meter großes Doppelbett. Zusammen mit einem Dachzelt und der Dachrelinge (80 kg Traglast) wird der Bigster zum Budget-Camper für unter 30.000 Euro. Das ist ein cleverer Schachzug, der genau die Outdoor-affine Zielgruppe anspricht, die Dacia traditionell bedient.
Ausstattungslinien: Was bekommt man für welchen Preis?
| Linie | Preis ab | Highlights |
|---|---|---|
| Essential | 23.990 € | 7″-Digitalcockpit, 10,1″-Infotainment, Navi, Rückfahrkamera, LED-Scheinwerfer, 17″ Felgen |
| Expression | ca. 25.500 € | + 10″-Digitalcockpit, Einparksensoren, Dachreling |
| Journey | ca. 28.500 € | + Sitzheizung, Lenkradheizung, Zwei-Zonen-Klima, 18″ Felgen |
| Extreme | ca. 30.000 € | + Panoramadach (öffnbar), automatische Heckklappe, 360°-Kamera, 19″ Felgen |
Die Basisversion Essential für 23.990 Euro bietet bereits alles, was man im Alltag braucht. Das Topmodell Extreme mit dem Hybrid 155 kostet 30.990 Euro — und damit immer noch 7.000 Euro weniger als der nackte Basis-Tiguan. In der Extreme-Ausstattung hat der Bigster ein elektrisch öffnendes Panoramadach (35 cm Öffnung), eine 360-Grad-Kamera und 19-Zoll-Felgen — Features, für die man bei VW, Hyundai oder Toyota erhebliche Aufpreise zahlt.
Schwächen: Die Wahrheit im Kleingedruckten

Der Bigster ist kein perfektes Auto — wäre er das, würde er nicht 24.000 Euro kosten. Die Materialqualität im unteren Cockpit-Bereich ist sichtbar einfacher als bei einem Tiguan oder Tucson. Hartplastik an den richtigen Stellen ist kein Problem, aber die fehlende Polsterung an den Armablagen der Fondtüren nervt auf langen Strecken. Die Geräuschdämmung ist besser als bei früheren Dacia-Modellen, aber bei Autobahngeschwindigkeit wird es merklich lauter als in einem VW oder Škoda.
Der Hybrid 155 hat eine Eigenart: Bei Geschwindigkeiten zwischen 40 und 52 km/h dreht der Benziner gelegentlich ohne ersichtlichen Grund hochtourig. Eine Software-Optimierung der Getriebeabstimmung wäre wünschenswert. Für den Allrad Mild Hybrid 130 gilt: Wer Automatik will, muss warten — der kommt bisher nur mit 6-Gang-Schaltung.
Es gibt keinen Diesel. Für Vielfahrer, die Langstrecke mit Anhänger fahren, ist das ein echtes Manko. Die Anhängelast liegt bei maximal 1.500 kg (gebremst) — der VW Tiguan zieht bis zu 2.500 kg.
Konkurrenz-Vergleich: Bigster vs. Tiguan vs. Tucson
| Merkmal | Dacia Bigster | VW Tiguan | Hyundai Tucson |
|---|---|---|---|
| Preis ab | 23.990 € | 38.400 € | 35.400 € |
| Länge | 4,57 m | 4,54 m | 4,51 m |
| Kofferraum | 667–1.937 l | 615–1.655 l | 620–1.799 l |
| Leergewicht | ab 1.439 kg | ab 1.590 kg | ab 1.570 kg |
| LPG-Option | Ja | Nein | Nein |
| Allrad | Ja (ab 25.990 €) | Ja (ab ca. 43.000 €) | Ja (ab ca. 40.000 €) |
| Panoramadach | Ja (ab Extreme) | Aufpreis | Aufpreis |
| Garantie | 3 Jahre / 100.000 km | 2 Jahre | 5 Jahre / unl. km |
Die Preisdifferenz von 14.000+ Euro zum Tiguan ist das dominierende Argument. Der Bigster bietet mehr Kofferraum, ist leichter und hat als einziges Fahrzeug im Vergleich eine LPG-Option. Was ihm fehlt, sind Premium-Materialien, die bessere Geräuschdämmung des Tiguan und dessen höhere Anhängelast. Wer auf der Suche nach einem vernünftigen Familienauto ist und den Preisunterschied lieber in den nächsten Familienurlaub investiert, liegt beim Bigster goldrichtig.
Technische Daten im Überblick
| Technische Daten | Dacia Bigster (2026) |
|---|---|
| Länge × Breite × Höhe | 4.570 × 1.813 × 1.710 mm |
| Radstand | 2.700 mm |
| Leergewicht | ab 1.439 kg |
| Kofferraum | 667–1.937 Liter |
| Motor (Basis) | 1,2-l-Dreizylinder-Turbo + 48V Mild Hybrid |
| Leistung (Basis) | 140 PS |
| Motor (Hybrid) | 1,8-l-Vierzylinder + 2 E-Motoren |
| Leistung (Hybrid) | 155 PS |
| Getriebe | 6-Gang manuell / Automatik (Hybrid) |
| Antrieb | Frontantrieb oder Allrad |
| Verbrauch (WLTP) | 4,7–6,1 l/100 km |
| CO₂-Emission | 106–137 g/km |
| Höchstgeschwindigkeit | 183–200 km/h |
| Anhängelast (gebremst) | 1.500 kg |
| Tankinhalt | 50 l (+ 40 l LPG bei G-Variante) |
| Plattform | CMF-B (Renault) |
| Fertigung | Mioveni, Rumänien |
| Preis (DE) | ab 23.990 € |
Fazit: Der Preisbrecher, der kein Kompromiss ist
Der Dacia Bigster ist der Beweis dafür, dass ein gutes Familienauto nicht 40.000 Euro kosten muss. Er bietet mehr Platz als ein VW Tiguan, fährt besser als man es einem Dacia zutrauen würde, und hat mit LPG-Antrieb und Allrad-Hybrid Antriebsoptionen, die kein Konkurrent bieten kann.
Natürlich ist der Bigster kein Premium-SUV. Die Materialien sind einfacher, die Geräuschdämmung ist dünner, und ein paar Kinderkrankheiten bei der Getriebeabstimmung des Hybrids sollte Dacia per Software-Update beheben. Aber seien wir ehrlich: Für 24.000 Euro bekommt man hier mehr Auto als irgendwo sonst auf dem deutschen Markt. Wer sich davon nicht beeindrucken lässt, zahlt 14.000 Euro mehr für einen Tiguan — und bekommt dafür einen kleineren Kofferraum.
Der Bigster ist nicht das beste SUV der Welt. Aber er ist mit großem Abstand das SUV mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis. Und für die allermeisten Familien ist genau das, was zählt.
