Leapmotor B05 2026: 218 PS, Heckantrieb und bis zu 482 km – lohnt sich der China-Konter gegen den ID.3?

Der Leapmotor B05 2026 ist ab 26.900 Euro bestellbar und bringt etwas mit, das in dieser Preisklasse selten ist: Heckantrieb, eine 50:50-Gewichtsverteilung und 218 PS. Damit zielt der kompakte Stromer direkt auf den VW ID.3 und den Cupra Born, also auf zwei Autos, die ihren Ruf über Fahrdynamik aufgebaut haben. Auf dem Papier liefert der Chinese bis zu 482 Kilometer WLTP-Reichweite und lädt mit bis zu 168 kW. Der Clou ist aber das Händlernetz: Über die Stellantis-Partnerschaft rollt der B05 zu Fiat-, Peugeot- und Citroën-Betrieben, mit europäischer Garantie und europäischem Service.

Ich habe die ersten Fahrberichte, die ADAC-Autokatalog-Daten und die Preisliste nebeneinandergelegt, um eine Frage zu beantworten: Ist der B05 ein ernster Kauf oder nur ein günstiger Datenblatt-Sieger? Die kurze Antwort vorweg: Das Fahrwerk überzeugt fast alle Tester, die Software und die Assistenten dagegen kosten Nerven. Wer das weiß, kann hier sehr viel Auto für wenig Geld bekommen.


Warum der B05 ausgerechnet jetzt wichtig ist

Leapmotor war 2026 die Überraschung im deutschen Markt. Die Marke legte bei den Neuzulassungen dreistellig zu und profitiert vom Zugang zu rund 130 Servicepartnern ab dem ersten Tag. Genau dieser Punkt trennt Leapmotor von Xpeng oder NIO, die mit dünnen Netzen kämpfen.

Bisher bestand das Angebot aus dem Kleinwagen T03 und dem Kompakt-SUV B10. Mit dem B05 betritt die Marke erstmals die klassische Kompaktklasse, das sogenannte C-Segment. Hier verkauft VW seit Jahrzehnten den Golf und seit 2020 den ID.3. Ein chinesischer Hersteller, der dieses Kernsegment angreift, ist ein deutliches Signal an die etablierte Konkurrenz.

Der Zeitpunkt passt zudem zur neuen E-Auto-Förderung 2026. Privatkäufer mit kleinem bis mittlerem Einkommen bekommen bis zu 6.000 Euro Zuschuss, sofern der Listenpreis stimmt. Beim B05 bleibt selbst die teurere Version unter der kritischen 45.000-Euro-Grenze, ab der die Förderung sinkt.

Technische Daten: Was im B05 steckt

Der B05 steht auf der LEAP-3.5-Architektur von Stellantis. Die Batterie ist strukturell ins Chassis integriert, was Gewicht spart und die Karosserie versteift. Mit 4,43 Metern Länge ist der Wagen etwas größer als ein VW ID.3 und ordnet sich damit eher zwischen Golf und Mittelklasse ein.

Angetrieben wird ausschließlich die Hinterachse. Der Motor leistet 160 kW (218 PS) und 240 Nm Drehmoment, der Sprint auf 100 km/h gelingt in 6,7 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 170 km/h, was im Alltag reicht, auf der linken Autobahnspur aber knapp wirkt.

Bei den Akkus gibt es zwei Optionen. Hier die zentralen Werte laut Hersteller und ADAC-Autokatalog (Stand Juni 2026):

VarianteBatterie (nutzbar)Reichweite WLTPVerbrauchDC-LadenPreis ab
B05 Pro Life56,2 kWh401 kmca. 15,8 kWh/100 kmbis 140 kW26.900 €
B05 ProMax Design67,1 kWh482 kmca. 15,9 kWh/100 kmbis 168 kW29.400–31.900 €

Daten: ADAC-Autokatalog, AUTO BILD (12.06.2026), InsideEVs, EV Database. Der ADAC rechnet die 56-kWh-Version bei 10 Grad und Tempo 90 auf realistische 389 Kilometer herunter, nah am Werkswert.

Preis und Bestellstatus: günstig, aber mit Sternchen

Der Einstieg liegt bei 26.900 Euro für die 56-kWh-Basis. Die meistgewählte 67-kWh-Version mit großer Reichweite kostet je nach Quelle und Ausstattung zwischen 29.400 und 31.900 Euro (AUTO BILD, InsideEVs, Stand Juni 2026). Die Bestellbücher sind offen, die Auslieferung beginnt im zweiten Halbjahr 2026.

Damit unterbietet der B05 die direkte Konkurrenz deutlich. Ein VW ID.3 Neo startet bei rund 33.995 Euro, ein Cupra Born nach Facelift bei 35.990 Euro. Für die Serienausstattung muss man bei den Deutschen kräftig nachlegen, beim B05 sind Panoramadach, 360-Grad-Kamera, beheizbare und belüftete Vordersitze sowie 19-Zoll-Räder bereits an Bord.

Ein Hinweis zur Förderung: Bei Kauf fließt die volle BAFA-Prämie an den Halter. Beim Leasing wird sie meist in die Rate eingerechnet. Wie viel bei deinem Einkommen herauskommt, lässt sich vorab im Förderung-Rechner durchspielen.

Das Fahrwerk überzeugt, die Software nicht

Was mich an den Testberichten aufhorchen lässt: Fast alle loben das Fahrverhalten. Die 50:50-Balance und der Heckantrieb sorgen für ein Fahrgefühl, das man bei einem Auto aus China lange nicht erwartet hätte. Im Europa-Setup wurde das Fahrwerk im Stellantis-Entwicklungszentrum in Turin straffer abgestimmt.

Gleichzeitig fallen die Tester über zwei Punkte. Erstens die Assistenzsysteme: InsideEVs und motor1 beschreiben sie als übergriffig und teilweise nervig. Spurhalter und Tempowarner melden sich ungefragt, ein eigenes Fahrprofil ohne diese Helfer lässt sich nur umständlich anlegen. Zweitens die Bedienung über den 14,6-Zoll-Touchscreen, die als undurchsichtig gilt, weil physische Tasten fehlen.

Leapmotor verspricht Besserung per Over-the-Air-Update und kündigt zusätzliche haptische Schalter an. Bei der bekannten Update-Geschwindigkeit der Marke ist das plausibel, garantiert ist es nicht. Wer empfindlich auf bevormundende Elektronik reagiert, sollte vor dem Kauf unbedingt eine ausgedehnte Probefahrt machen.

Innenraum und Platz: digital statt gemütlich

Im Cockpit dominiert ein 14,6-Zoll-Touchscreen, flankiert von einem 8,8-Zoll-Display hinter dem Lenkrad. Fast alle Funktionen laufen über den Bildschirm, physische Tasten gibt es kaum. Das wirkt aufgeräumt, erschwert aber die Bedienung während der Fahrt.

Materialseitig setzt Leapmotor auf einen nüchternen Neopren-Look. AUTO BILD bescheinigt dem Wagen erstaunlich hochwertige Proportionen außen, innen wirkt das Ambiente dagegen funktional und etwas kühl. Wer ein warmes, klassisches Interieur sucht, wird hier nicht glücklich.

Beim Platz profitiert der B05 von seinen 4,43 Metern Länge. Vorne und im Fond sitzen Erwachsene ordentlich, der lange Radstand schafft Beinfreiheit. Der Haken ist der Kofferraum, der für die Außenmaße knapp ausfällt. Für den Wocheneinkauf reicht das Volumen, für den großen Familienurlaub mit Gepäck wird es eng.

Laden und Verbrauch in der Praxis

Die Ladekurve ist der stille Pluspunkt des B05. An einer HPC-Säule zieht die große Batterie bis zu 168 kW, der Sprung von 30 auf 80 Prozent gelingt laut Hersteller in etwa 17 Minuten. Von 10 auf 80 Prozent nennt AUTO BILD rund 24 Minuten. Das ist für die Preisklasse ein starker Wert.

Beim Verbrauch geben die Hersteller rund 15,8 bis 15,9 kWh pro 100 Kilometer an. Im Winter und auf der Autobahn steigt dieser Wert spürbar, wie bei jedem Elektroauto. Für eine realistische Reichweite solltest du im Alltag mit etwa zehn bis 15 Prozent Abschlag gegenüber dem WLTP-Wert rechnen.

Ein Tipp aus der Praxis: Die LFP-Zellen vertragen regelmäßiges Laden auf 100 Prozent gut. Wer zu Hause oder am Arbeitsplatz laden kann, nutzt die Schnellladeleistung ohnehin nur auf Reisen. Mehr zu den realen Kosten findest du in unserem Ladekosten-Ratgeber.

Die ehrlichen Schwächen im Alltag

Drei Punkte solltest du kennen, bevor du bestellst. Der Kofferraum fällt für die Fahrzeuglänge knapp aus, was den Nutzwert im Familienalltag begrenzt. Eine Anhängelast ist nicht vorgesehen, der B05 scheidet als Zugfahrzeug also aus.

Hinzu kommt die Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h. Auf der Landstraße spielt das keine Rolle, auf längeren Autobahnetappen merkt man die Begrenzung. AUTO BILD kritisiert außerdem, dass der Aufbau in schnellen Kurven trotz tiefliegender Batterie spürbar wankt und der Fahrer etwas entkoppelt wirkt.

Offen bleibt der Restwert. Chinesische Marken verlieren aktuell schneller an Wert als etablierte Hersteller, weil Markenvertrauen und Gebrauchtmarkt erst entstehen. Wer dieses Risiko scheut, fährt mit einem Leasingvertrag oft besser als mit dem Barkauf.

Restwert: das größte Fragezeichen

Ein Punkt verdient bei jedem chinesischen Newcomer besondere Aufmerksamkeit: der Wiederverkaufswert. Etablierte Marken wie BMW oder Tesla halten nach drei Jahren oft 50 bis 65 Prozent ihres Neupreises. Chinesische Modelle liegen aktuell eher bei 30 bis 40 Prozent, weil Markenvertrauen und Gebrauchtmarkt erst entstehen.

Beim B05 kommt erschwerend hinzu, dass das Modell brandneu ist und es noch keine Restwert-Historie gibt. Aggressive Neupreis-Aktionen drücken zusätzlich auf die Gebrauchtwerte. Wer das Auto nach drei oder vier Jahren wieder verkaufen will, trägt hier ein reales Risiko.

Die saubere Gegenstrategie heißt Leasing. Dabei übernimmt der Leasinggeber das Restwert-Risiko, du zahlst nur die Differenz zwischen Neupreis und garantiertem Rückgabewert. Gerade bei jungen Marken ohne Restwert-Daten ist das oft die ruhigere Wahl. Mehr dazu steht in unserer Wertverlust-Analyse für Elektroautos.

Garantie und Service: der eigentliche Trumpf

Hier punktet Leapmotor klar gegen NIO und Xpeng. Durch die Stellantis-Partnerschaft wird der B05 über Fiat-, Peugeot- und Citroën-Händler verkauft und gewartet. Das bedeutet europäische Ersatzteilversorgung und kurze Wege in die Werkstatt.

Die Fahrzeuggarantie beträgt vier Jahre bei 100.000 Kilometern. Die Batterie deckt Leapmotor nach europäischen Standardbedingungen über acht Jahre beziehungsweise 160.000 Kilometer ab. Die genauen Konditionen solltest du vor Vertragsunterschrift schriftlich bestätigen lassen, da sich Aktionsbedingungen kurzfristig ändern können.

Für ein noch junges Modell ist das ein solides Paket. Die Crashsicherheit der Schwestermodelle stimmt zuversichtlich: Der eng verwandte B10 erreichte im Euro-NCAP-Test 2025 fünf Sterne und einen Spitzenwert beim Erwachsenenschutz.

Der B05 als Firmenwagen: die 0,25-Prozent-Frage

Für Dienstwagenfahrer ist der B05 rechnerisch interessant. Reine Elektroautos mit einem Bruttolistenpreis bis 100.000 Euro werden mit nur 0,25 Prozent versteuert. Der geldwerte Vorteil fällt damit auf ein Viertel dessen, was ein vergleichbarer Verbrenner kostet.

Ein Rechenbeispiel macht es greifbar. Bei einem Listenpreis von rund 30.000 Euro für die große Batterie liegt der monatlich zu versteuernde Vorteil bei gerade einmal 75 Euro. Bei einem persönlichen Steuersatz von 42 Prozent bleiben davon rund 31 Euro Steuerlast im Monat. Das ist konkurrenzlos günstig für ein Auto dieser Größe.

Zu beachten ist nur die Trennung der Förderwege. Die staatliche BAFA-Kaufprämie richtet sich an Privatpersonen, nicht an gewerbliche Halter. Firmenwagenfahrer profitieren stattdessen über die Dienstwagensteuer und die schnelle Abschreibung. Welche Modelle sich sonst noch als Stromer-Dienstwagen lohnen, zeigt unsere Firmenwagen-Übersicht 2026.

Mein Rat: für wen sich der B05 wirklich lohnt

Kauf den B05 ProMax mit 67-kWh-Akku, wenn du ein dynamisches, gut ausgestattetes Kompaktauto suchst und mit einer noch unfertigen Software leben kannst. Für rund 30.000 Euro bekommst du Heckantrieb, 482 Kilometer Reichweite und eine Ausstattung, die bei VW und Cupra mehrere Tausend Euro extra kostet. Mit Förderung sinkt der Effektivpreis auf ein Niveau, das ID.3 und Born nicht halten können.

Greif zur 56-kWh-Basis, wenn du überwiegend pendelst und die 401 Kilometer ausreichen. Der Aufpreis zur großen Batterie lohnt sich nur für Vielfahrer, die regelmäßig Langstrecke fahren und die höhere Ladeleistung von 168 kW ausnutzen.

Finger weg, wenn du oft mit Anhänger fährst, viel auf der Autobahn unterwegs bist oder dich aufdringliche Assistenten zur Weißglut treiben. In diesen Fällen ist ein VW ID.3 oder ein Cupra Born das rundere, wenn auch teurere Auto. Wer das Wertverlust-Risiko meiden will, sollte den B05 leasen statt kaufen.

Vergleich: B05 gegen ID.3 und Cupra Born

ModellReichweite WLTPLeistungDC-LadenPreis ab
Leapmotor B05 ProMax482 km218 PS168 kWca. 29.400 €
VW ID.3 Neobis 600 km204 PSbis 185 kW33.995 €
Cupra Born (Facelift)bis 600 km211–326 PSbis 185 kW35.990 €

Daten: Hersteller, ADAC-Autokatalog, AUTO BILD, Stand Juni 2026. Der ID.3 Neo und der Born bieten mehr Reichweite und reifere Software, der B05 kontert mit Preis, Serienausstattung und Heckantrieb-Charakter.

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Letzte Aktualisierung: 18. Juni 2026 · Datenquellen: ADAC-Autokatalog Leapmotor B05, AUTO BILD Erste Fahrt (12.06.2026), InsideEVs B05 Test, motor1 B05 Test, MeinAuto B05, EV Database, Leapmotor Deutschland.

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