Zum ersten Mal in 40 Jahren bekommt der BMW M3 vier Elektromotoren statt eines drehfreudigen Sechszylinders, und die spannende Frage ist nicht, wie viele PS dabei herauskommen. Sie lautet: Lässt sich das, was den M3 seit 1986 zur Ikone macht, in Software übersetzen? Beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans hat BMW am 12. Juni 2026 mit dem M Concept Neue Klasse eine erste Antwort angedeutet. Der elektrische M3 kommt 2027. Und weil BMW selbst nicht ganz sicher zu sein scheint, bleibt der Verbrenner-M3 daneben im Programm. Beide sollen ungefähr gleich viel kosten, was die Wahl zu einer reinen Geschmacksfrage macht.
Ich schaue mir an, was BMW wirklich bestätigt hat, was bloßes Gerücht ist und warum dieses Auto unter Fans für so viel Streit sorgt. So viel vorweg: Die Technik ist der bisher ernsthafteste Versuch, ein M-Modell elektrisch zu denken. Ob er gelingt, hängt an einem Detail, das auf keinem Datenblatt steht.

Le Mans statt Messehalle
BMW hätte das Concept auf der IAA zeigen können, im sauberen Konferenzlicht. Stattdessen rollte das M Concept Neue Klasse am 12. Juni 2026 mitten beim 24-Stunden-Rennen vom Transporter, umgeben von Rennlärm. Das ist kein Zufall, sondern eine Ansage: Hier soll kein vernünftiger Elektro-Kompromiss entstehen.
Das Showcar trägt breite Radhäuser, einen mächtigen Frontsplitter und einen großen Heckdiffusor. Neu sind die gelben Leuchtelemente, die M Yellow Lights, die an BMWs GT-Rennwagen erinnern. Auffällig: Viele Aero-Teile bestehen aus Naturfasern statt aus Carbon, ein Hinweis darauf, wohin die Marke beim Leichtbau steuert.
Eine Einordnung gehört dazu. Das Concept ist eine Studie und fährt so nicht zum Händler. Es steht aber sichtbar auf dem neuen elektrischen 3er, der bei BMW i3 heißt, und ist bewusst seriennah gehalten. Die Serienversion, intern unter dem Code ZA0 entwickelt, dürfte optisch nah dran bleiben. Der normale elektrische i3 startet bereits 2026, der M3 setzt als sportliche Speerspitze ein Jahr später darüber an.
Die eigentliche Frage: Bleibt das M3-Gefühl?
Seit dem E30 von 1986 lebt der M3 von einem Versprechen. Ein Heckantrieb, den man mit dem Gasfuß lenkt: präzise, ein bisschen widerborstig, immer kommunikativ. Dieses Gefühl, nicht die nackte Beschleunigung, hat sechs Generationen lang Fans gebunden.
Ein Elektroauto mit vier Motoren funktioniert physikalisch völlig anders. Es kann brutal beschleunigen, das beweist jeder Tesla. Nur war Beschleunigung beim M3 nie das Problem. Die Frage ist, ob ein Stromer jene Balance und Rückmeldung liefert, die einen M3 ausmacht, oder ob am Ende nur ein sehr schnelles Auto übrig bleibt.
Das ist der wahre Konflikt hinter den Schlagzeilen. Die Spec-Liste interessiert die Stammkundschaft weniger als die Antwort auf eine simple Frage: Fühlt es sich noch an wie ein M3? An diesem Punkt entscheidet sich, ob BMW gewinnt oder einen großen Namen aufs Spiel setzt.

Heart of Joy: BMWs Antwort auf die Gefühlsfrage
Technisch gibt BMW darauf eine durchdachte Antwort. Jedes der vier Räder erhält einen eigenen Elektromotor, koordiniert von einer zentralen Recheneinheit namens Heart of Joy. Sie regelt Antrieb und Bremse für jedes Rad einzeln und vielfach pro Sekunde.
Mechanische Sperrdifferenziale entfallen damit komplett. Ihre Aufgabe, die Kraft dorthin zu schicken, wo Traktion ist, übernimmt die Software BMW M Dynamic Performance Control. Theoretisch lässt sich so jeder Fahrcharakter abbilden: braver Allradler im Regen, ansatzweise übersteuernder Hecktriebler auf der Rennstrecke, alles über die Fahrmodi.
Genau hier liegt die Chance. Ein sauber abgestimmtes Vier-Motoren-System kann das klassische Heck-Feeling nicht nur nachbilden, sondern feiner dosieren als jedes Differenzial aus Stahl. Die Basis bilden eine 800-Volt-Architektur und ein über 100 kWh großer Akku, der als tragendes Strukturteil die Karosserie versteift. Dass die Plattform trägt, hat der verwandte iX3 gezeigt: Im NAF-Reichweitentest fuhr er 781 Kilometer.
Das Gewicht: der ungelöste Konflikt
So elegant die Software-Lösung klingt, ein Problem kann auch sie nicht wegrechnen: die Masse. Ein Akku mit über 100 kWh wiegt mehrere Hundert Kilogramm. Schon der technisch verwandte iX3 bewegt sich jenseits der Zwei-Tonnen-Marke, und ein vollwertiger M3 mit vier Motoren dürfte kaum leichter ausfallen.
Genau hier sitzt der wunde Punkt. Der Mythos M3 basiert auf Leichtfüßigkeit, auf einem Auto, das man in eine Kurve wirft und das willig folgt. Gewicht ist der natürliche Feind dieser Agilität. Kein noch so kluges Steuergerät hebelt die Physik aus, wenn beim Bremsen und Einlenken über zwei Tonnen mitarbeiten.
BMW wird viel Aufwand in tiefen Schwerpunkt, Bremsen und Fahrwerk stecken müssen, um das zu kaschieren. Die strukturell eingebundene Batterie hilft bei der Steifigkeit, nicht beim Gewicht. Ob sich ein über zwei Tonnen schwerer Stromer am Ende so spielerisch anfühlt wie ein klassischer M3, ist die zweite große offene Frage neben der Rückmeldung am Lenkrad.

Wie stark wird er? Fakten gegen Gerüchte
Hier ist Ehrlichkeit Pflicht: BMW hat bis heute keine einzige offizielle Leistungszahl genannt. Was kursiert, ist Spekulation, und genau so sollte man es behandeln.
In Berichten ist je nach Variante von 750 bis 900 PS die Rede. Fürs Concept geistern sogar über 1.000 PS und gewaltige Drehmomentwerte am Rad durch die Medien. Sollte davon auch nur die Hälfte stimmen, wäre der elektrische M3 das stärkste Serien-M aller Zeiten.
Doch genau das ist der Haken: Die Zahl ist nicht die Geschichte. BMW schweigt zur Leistung, weil sie den Charakter nicht definiert. Ein M3 war nie das Auto mit den meisten PS auf dem Papier, sondern das mit dem besten Gefühl pro PS. Die finalen Serienwerte fallen erfahrungsgemäß moderater aus als das erste Gerücht. Wer auf eine konkrete PS-Zahl wartet, wartet auf die falsche Information.
Der Sechszylinder bleibt, und das sagt am meisten
Die ehrlichste Aussage von BMW steckt nicht im Elektro-M3, sondern daneben: Der Verbrenner-M3 lebt weiter. Geplant ist eine weiterentwickelte Version des bekannten 3,0-Liter-Reihensechszylinders mit Biturbo, intern S58 genannt, der schon den heutigen M3 und M4 befeuert.
Rund 550 bis 600 PS soll er leisten, kombiniert mit Allradantrieb und Achtgang-Automatik, vermutlich mild hybridisiert. Der Marktstart wird etwa für Mitte 2028 erwartet, also rund ein Jahr nach dem Stromer. BMW nennt diese Doppelstrategie Power of Choice.
Man kann das auch anders lesen: als Versicherung. Würde BMW dem elektrischen M3 voll vertrauen, bräuchte es den teuren Parallelbetrieb zweier grundverschiedener Antriebe nicht. Dass der Sechszylinder bleibt, ist das stille Eingeständnis, dass die Marke selbst noch nicht weiß, ob die Fans den Elektro-M3 ins Herz schließen. Für Käufer ist das die beste Nachricht des ganzen Projekts: Niemand wird zum Umstieg gezwungen.

Auch als M3 Touring? Die Hoffnung der Kombi-Fans
Für den deutschen Markt ist das fast die wichtigste Frage. Ein elektrischer M3 Touring gilt als sehr wahrscheinlich, auch wenn BMW ihn noch nicht bestätigt hat. Der Grund ist hausgemacht: Der aktuelle M3 Touring war 2024 derart gefragt, dass die Nachfrage deutlich nach oben schoss.
Da vom normalen elektrischen 3er ohnehin eine Kombiversion geplant ist, liegt ein M3 Touring auf gleicher Basis nahe. BMW hätte damit erneut ein nahezu konkurrenzloses Angebot, denn einen vergleichbar sportlichen Elektro-Kombi baut derzeit praktisch niemand sonst.
Sicher ist das nicht. Wie bei den Leistungsdaten gilt: Bis zur finalen Vorstellung bleibt es eine begründete, aber unbestätigte Erwartung. Die Limousine kommt zuerst, der Kombi würde voraussichtlich folgen. Power-Kombi-Fans dürfen trotzdem realistisch hoffen.

Preis: gleich teuer, also reine Überzeugungssache
Beim Preis hält sich BMW bedeckt, eine Aussage ist aber bemerkenswert. Laut der M-Vertriebschefin sollen der elektrische und der Sechszylinder-M3 ungefähr gleich viel kosten. Auf welchem Niveau, ließ sie offen.
Diese Gleichpreisigkeit ist clever. Sie nimmt das Geld aus der Entscheidung und macht die Antriebswahl zur reinen Überzeugungsfrage: Strom oder Sound, Zukunft oder Tradition, ohne dass der Geldbeutel mitredet.
Günstig wird beides nicht. Der aktuelle M3 Competition steht bei rund 95.100 Euro. Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass die neue Generation die Marke von 100.000 Euro schon in der Basis überschreitet. Wer einen M3 will, sollte sich auf einen spürbaren Sprung gegenüber heute einstellen.
| Merkmal | BMW M3 elektrisch (Stand der Infos) |
|---|---|
| Plattform | Neue Klasse, Basis BMW i3 |
| Antrieb | vier Elektromotoren, je einer pro Rad |
| Steuerung | Heart of Joy, M Dynamic Performance Control |
| Architektur | 800 Volt, Batterie über 100 kWh |
| Leistung Elektro | offiziell offen, geschätzt 750 bis 900 PS |
| Verbrenner-M3 | 3,0-Liter-Reihensechszylinder S58, 550 bis 600 PS |
| Marktstart Elektro | erwartet 2027 |
| Marktstart Verbrenner | erwartet Mitte 2028 |
| Preis | erwartet deutlich über 100.000 Euro |

Gegen Taycan, RS e-tron GT, und gegen sich selbst
Das Segment ist längst besetzt. Direkte Gegner sind der Porsche Taycan in den sportlichen Varianten und der Audi RS e-tron GT. Ein Taycan GTS kostet neu um die 130.000 Euro, der RS e-tron GT startet je nach Ausstattung bei rund 105.000 Euro. Beide sind ausgereift, vielfach getestet und haben eine feste Käuferschaft. Der heutige M3 Competition liegt mit rund 95.100 Euro noch deutlich unter beiden, ein Polster, das die elektrische Neuauflage voraussichtlich aufgeben wird.
Der elektrische M3 muss sich daran messen, keine Frage. Doch sein härtester Gegner heißt nicht Porsche oder Audi. Es ist der eigene Mythos. Ein Taycan muss niemandem beweisen, dass er ein M3 ist. Der elektrische M3 schon, und zwar bei jeder Ausfahrt.
Die Aufgabe ist gewaltig: vier einzeln geregelte Motoren so abzustimmen, dass daraus nicht nur Tempo entsteht, sondern Charakter. Das ist ungleich schwerer, als schlicht schnell zu sein. An dieser Stelle wird sich entscheiden, ob aus dem Versprechen ein echter M3 wird oder nur ein schnelles Elektroauto mit berühmtem Namen.

Mein Eindruck: Es hängt an einem Detail
Der elektrische M3 ist der bisher ernsthafteste Versuch, ein M-Modell ins Elektrozeitalter zu übertragen. Das Vier-Motoren-Konzept mit Heart of Joy ist kein Marketing, sondern eine technisch saubere Antwort auf die richtige Frage: Wie rettet man Fahrgefühl ohne Verbrenner? Auf dem Papier kann dieses System mehr als jedes Differenzial aus Stahl.
Trotzdem bleibe ich vorsichtig, und das aus Überzeugung. Fahrgefühl entsteht nicht im Datenblatt, sondern im Sitz des Fahrers. Ob BMWs Software die Magie eines gut abgestimmten Heckantriebs nicht nur kopiert, sondern spürbar macht, lässt sich erst auf der Straße beurteilen, niemals in einer Pressemitteilung.
Mein Rat: Wer einen M3 plant, verfolgt die Entwicklung genau, springt aber noch nicht. Es fehlen offizielle Leistungsdaten, Reichweiten und Preise. Und vor allem fehlt das Einzige, was bei einem M3 wirklich zählt, der erste Eindruck am Lenkrad. Genau den liefern wir nach, sobald wir ihn selbst erfahren haben.

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Letzte Aktualisierung: 1. Juni 2026. Datenquellen: BMW Mitteilungen, ADAC: BMW M3 Elektro, auto motor und sport: BMW M3 Neue Klasse, motor1: BMW M3 Elektro offizielle Infos. Hinweis: Viele Angaben beruhen auf Mitteilungen zum Concept und auf Medienberichten und sind nicht offiziell bestätigt. Leistungs- und Preisdaten sind vorläufig. Stand Juni 2026.
Ja, erstmals in 40 Jahren gibt es einen vollelektrischen BMW M3. Er nutzt vier Elektromotoren, je einen pro Rad, eine 800-Volt-Architektur und eine Batterie mit über 100 kWh. Parallel bleibt aber ein Verbrenner-M3 mit Reihensechszylinder im Programm.
Der elektrische BMW M3 soll 2027 auf den Markt kommen. Einen seriennahen Ausblick gab das M Concept Neue Klasse, das BMW im Juni 2026 in Le Mans zeigte. Der Verbrenner-M3 mit Sechszylinder folgt voraussichtlich rund ein Jahr später, also etwa Mitte 2028.
Offizielle Werte hat BMW noch nicht genannt. In Medienberichten ist je nach Variante von 750 bis 900 PS die Rede, für das Concept kursieren sogar über 1.000 PS. Diese Zahlen sind aber unbestätigte Schätzungen und sollten mit Vorsicht betrachtet werden.
Ja. BMW entwickelt eine weiterentwickelte Version des bekannten 3,0-Liter-Reihensechszylinders mit Biturbo, intern S58. Die Leistung soll bei 550 bis 600 PS liegen, dazu kommen Allradantrieb und Achtgang-Automatik. Der Marktstart wird etwa für Mitte 2028 erwartet.
Offizielle Preise gibt es noch nicht. Da der aktuelle M3 Competition bei rund 95.100 Euro startet, dürfte die neue Generation die Marke von 100.000 Euro schon in der Basis überschreiten. Laut BMW sollen der elektrische und der Verbrenner-M3 ungefähr gleich viel kosten.
Ein elektrischer M3 Touring gilt als sehr wahrscheinlich, ist aber noch nicht offiziell bestätigt. Da vom normalen elektrischen 3er eine Kombiversion geplant ist und der aktuelle M3 Touring stark nachgefragt wird, dürfte BMW diese Variante anbieten. Die Limousine kommt jedoch zuerst.
