In derselben Woche, in der Audi den 591 PS starken SQ9 exklusiv für Amerika ankündigt, öffnet ein chinesischer Hersteller in Europa die Bestellbücher für ein 897-PS-Flaggschiff: Seit dem 29. Juli 2026 ist der Zeekr 9X Ultra AWD als Sechssitzer bestellbar. Das 5,24 Meter lange Luxus-SUV der Geely-Tochter ist deren erstes Modell mit Verbrenner an Bord und tritt gegen BMW X7, Mercedes GLS und Range Rover an. Die Auslieferungen sollen zwischen Dezember 2026 und dem ersten Quartal 2027 beginnen.
Ich habe mir die Technik genau angesehen, denn hinter dem Marketing-Begriff „Super Hybrid“ steckt ein Konzept, das anders funktioniert als jeder deutsche Plug-in-Hybrid. Und es gibt neben beeindruckenden Daten auch ehrliche Fragezeichen: Der deutsche Preis steht noch nicht fest, mehrere technische Werte sind noch nicht homologiert, und die Marke ist hierzulande gerade einmal seit Januar mit Auslieferungen aktiv. Hier ist die komplette Einordnung.

Kein klassischer Plug-in-Hybrid: So funktioniert der Antrieb
Das Wichtigste zuerst, weil es fast überall falsch verkürzt wird: Der Verbrenner im Zeekr 9X treibt niemals die Räder an. Der Zweiliter-Vierzylinder-Turbo arbeitet ausschließlich als Generator. Den Vortrieb übernehmen zwei Elektromotoren, einer pro Achse, mit einer Systemleistung von 660 kW, also 897 PS in der für Europa bestätigten Version. Technisch ist der 9X damit ein serieller Hybrid mit Range Extender, kein Plug-in-Hybrid im klassischen Sinn.
Die Konsequenz spürt man an zwei Stellen. Erstens fährt sich das Auto immer wie ein Elektroauto, mit sofortigem Drehmoment und ohne Gangwechsel. Zweitens erklärt es die ungewöhnliche Batteriegröße: 55 kWh fasst der Puffer-Akku, mehr als die Antriebsbatterie manches reinen Elektroautos. In China leistet eine Tri-Motor-Version sogar 1.381 PS, die bleibt Europa aber erspart oder vorenthalten, je nach Sichtweise.
Die Fahrleistungen bewegen sich trotz rund 2,9 Tonnen Leergewicht auf Sportwagen-Niveau: Für den Sprint auf 100 km/h nennen die bisher veröffentlichten Angaben rund vier Sekunden. Zeekr markiert allerdings alle Werte als vorläufig, da die europäische Homologation noch läuft.
Reichweite und Laden: Die 900-Volt-Ansage
Bei der Ladetechnik legt der 9X Werte vor, die im Luxus-SUV-Segment niemand bietet. Die 900-Volt-Architektur erlaubt DC-Laden mit bis zu 330 kW, der Hub von 10 auf 80 Prozent soll in 9,5 Minuten erledigt sein. Zum Vergleich: Ein Mercedes GLS kann gar nicht schnellladen, und selbst aktuelle Elektro-Flaggschiffe brauchen für denselben Hub das Doppelte bis Dreifache.
Bei der elektrischen Reichweite ist Vorsicht angebracht, weil die Quellen auseinanderliegen. Genannt werden je nach Variante und Quelle 179 bis 223 Kilometer nach WLTP, die Gesamtreichweite mit Range Extender liegt bei 737 bis 767 Kilometern. Da die Homologation nicht abgeschlossen ist, behandle ich alle Reichweitenwerte als vorläufig. Sicher ist die Richtung: Mit dem großen Puffer-Akku sind Alltagswochen komplett elektrisch machbar, der Benziner ist die Langstrecken-Rückversicherung. Kein anderes Fahrzeug in diesem Segment kombiniert diese elektrische Alltagsreichweite mit dieser Ladegeschwindigkeit, das ist der eigentliche technische Anspruch des Autos.
Ein ehrlicher Dämpfer gehört dazu: Knapp drei Tonnen Gewicht und die Stirnfläche eines Full-Size-SUV bedeuten, dass die elektrische Praxisreichweite im Winter deutlich unter den Normwerten liegen wird. Wer den 9X überwiegend mit Verbrenner-Strom fährt, verspielt den Effizienzvorteil des Konzepts.

Format, Platz und Ausstattung
Mit 5,24 Metern Länge, 2,03 Metern Breite, 1,82 Metern Höhe und 3,17 Metern Radstand spielt der 9X exakt im Format von BMW X7 und dem neuen Audi Q9. Bestellbar ist zum Start die Ultra-AWD-Version als Sechssitzer mit Einzelsitzen in Reihe zwei, weitere Varianten und eine mögliche Siebensitzer-Konfiguration hat Zeekr für Europa bisher nicht angekündigt. Auch das gehört zur Wahrheit dieses frühen Bestellstarts: Wer jetzt ordert, ordert die eine verfügbare Konfiguration. Drei Lackfarben stehen zum Start bereit: Crystal White, Lava Grey und Onyx Black, letztere optional mit einem Black Pack, das Zierelemente in Hochglanzschwarz ausführt.
Innen setzt Zeekr auf die im Segment erwartete Vollausstattung mit Lounge-Einzelsitzen, großflächigen Displays und aufwendiger Geräuschdämmung; die Detailspezifikationen für die Europa-Version folgen mit der Preisliste. Praktisch überzeugt vor allem der Laderaum: 677 Liter passen selbst hinter die aufgestellte dritte Reihe, maximal sind 2.148 Liter möglich. Das übertrifft die deutschen Wettbewerber teils deutlich. Entwickelt und gezeichnet wurde der 9X im Zeekr-Designzentrum in Göteborg, was man der Front mit ihrem massiven Chromgrill und den schlanken Matrix-LED-Leuchten ansieht: eine bewusste Verbeugung vor britischen Luxusmarken, mit einem Hauch Volvo EX90 in der Silhouette. Am Heck verläuft ein durchgehendes rotes Leuchtenband, das dem Auto auch bei Dunkelheit eine eigene Signatur gibt.

Der Vergleich: 9X gegen X7, GLS und Q9
Das Wettbewerbsumfeld hat sich ausgerechnet in dieser Woche neu sortiert, mit der Premiere des Audi Q9. So stehen die vier Kandidaten im Segment jetzt nebeneinander:
| Modell | Länge | Antrieb | Leistung | Grundpreis |
|---|---|---|---|---|
| Zeekr 9X Ultra AWD | 5,24 m | Seriell-Hybrid, 55 kWh | 897 PS | noch offen |
| Audi Q9 TDI | 5,31 m | V6-Diesel, MHEV | 299 PS | 108.400 € |
| BMW X7 xDrive40d | 5,18 m | R6-Diesel, MHEV | 352 PS | 108.500 € |
| Mercedes GLS | ca. 5,21 m | Benziner/Diesel | je nach Version | Facelift 2026, Preise offen |
Die Tabelle macht die Positionierung sichtbar. Bei der reinen Leistung spielt der Zeekr in einer eigenen Liga, das Dreifache eines Q9 TDI. Bei der Ladetechnik ebenso: Keiner der deutschen Konkurrenten kann überhaupt schnellladen, der 9X erledigt 10 auf 80 Prozent in 9,5 Minuten. Dafür haben die Deutschen die etablierten Händlernetze, die bekannten Restwerte und, Stand heute, überhaupt einen Preis in der Liste.
Interessant wird die Preisfrage: Landet der 9X wie erwartet im Bereich um oder über 110.000 Euro, steht er auf Augenhöhe mit X7 und Q9, bietet aber die dreifache Leistung und ein völlig anderes Antriebskonzept. Landet er darunter, wird es für die etablierten Anbieter unangenehm. Genau deshalb lohnt es sich, die deutsche Preisliste abzuwarten, bevor man in diesem Segment irgendetwas unterschreibt.

Zeekr in Deutschland: Wo die Marke heute steht
Wer bei Zeekr an einen anonymen Importeur denkt, unterschätzt den Unterbau. Die Marke gehört zum Geely-Konzern, zu dem auch Volvo, Polestar und Lotus zählen, und ihr Europa-Entwicklungszentrum sitzt seit Jahren in Göteborg. Der Deutschlandstart erfolgte am 1. Dezember 2025, die ersten Auslieferungen liefen im Januar 2026 an. Aktuell stehen drei Modelle in der Preisliste: der kompakte Zeekr X ab 37.990 Euro, das Mittelklasse-SUV 7X ab 54.990 Euro und der Shooting Brake 001 ab 59.990 Euro, der 7GT folgt in Kürze.
Der 9X ist damit der bisher größte Schritt der Marke, in jeder Hinsicht: das erste Modell mit Verbrenner an Bord, das erste im Luxussegment und das erste, das direkt gegen die Kernmodelle der deutschen Premiumhersteller antritt. Für die Kaufentscheidung heißt das zweierlei. Positiv: Ersatzteillogistik und Technik profitieren vom Geely-Konzernverbund, das ist eine andere Ausgangslage als bei manchem Newcomer ohne Rückgrat. Vorsichtig stimmen sollte: Ein Luxus-SUV-Kunde erwartet Hol- und Bringservice, Ersatzwagen auf Niveau und kurze Wege, und ob das junge Zeekr-Netz das flächendeckend liefern kann, muss die Marke erst beweisen.

Preis und die offenen Fragen
Jetzt zum größten Fragezeichen: Zeekr nennt für Europa noch keinen Preis, die Länder-Preislisten werden derzeit finalisiert. Wer mit den chinesischen Heimatpreisen von umgerechnet rund 56.800 Euro kalkuliert, wird enttäuscht werden. EU-Ausgleichszölle, Homologation, Steuern und die Positionierung gegen X7 und GLS sprechen klar für einen sechsstelligen deutschen Preis; erste Analysen erwarten Einstiegspreise oberhalb von 100.000 Euro, offiziell bestätigt ist davon nichts.
Zur Wahrheit gehört auch, dass der China-Preis und der Europa-Preis zwei verschiedene Produkte beschreiben: Die Europa-Version wird eigens homologiert, angepasst und über ein eigenes Vertriebsnetz betreut, und all das kostet. Zwei weitere Punkte gehören auf die Prüfliste. Erstens berichten frühe Analysen von Software-Schwächen, einem bekannten Muster bei schnell entwickelten chinesischen Modellen; bis zum Marktstart Ende 2026 bleibt Zeit für Updates, aber blind vorbestellen sollte man deshalb nicht. Zweitens ist Zeekrs deutsches Händler- und Servicenetz jung: Der Deutschlandstart erfolgte am 1. Dezember 2025, die ersten Auslieferungen liefen im Januar 2026 an. Für ein Sechs-Sitzer-Flaggschiff, das Familien und Chauffeurdienste ansprechen soll, ist Servicedichte kein Nebenthema.
Auch die Förderfrage bleibt offen: Ob der 9X als teilelektrisches Fahrzeug die Kriterien der staatlichen Prämie oder die Bruttolistenpreisgrenzen der Dienstwagenbesteuerung erfüllt, lässt sich ohne homologierte Werte und Listenpreis seriös nicht beantworten.
Alltag: Verbrauch, Laden und die offenen Praxisfragen
Auf dem Papier ist das Konzept für den Alltag bestechend: Mit realistisch 130 bis 180 Kilometern elektrischer Praxisreichweite fährt ein Pendler die komplette Arbeitswoche ohne einen Tropfen Benzin, geladen wird zu Hause oder in der kurzen Kaffeepause am Schnelllader. Der Verbrenner bleibt für Urlaub und spontane Langstrecke in Reserve, ohne Ladeplanung, ohne Reichweitendiskussion mit der Familie.
Die ehrlichen Gegenfragen gehören aber dazu. Erstens: Wie viel verbraucht ein 2,9-Tonnen-SUV, wenn der Zweiliter-Generator die Energie liefern muss? Offizielle Verbrauchswerte für den Betrieb mit leerer Batterie nennt Zeekr für Europa noch nicht, und genau diese Zahl entscheidet, ob das Konzept auf der Langstrecke effizient oder nur bequem ist. Zweitens: Die 330 kW Ladeleistung erreichst du nur an entsprechend starken Säulen, und die 900-Volt-Architektur braucht passende Hardware; an einem üblichen 150-kW-Lader schrumpft der Zeitvorteil deutlich. Drittens fehlen noch Angaben zu Anhängelast und Dachlast, für viele Käufer in diesem Segment keine Nebensache.
Meine Empfehlung an Interessenten deshalb: Auf die Liste setzen, aber drei Dinge vor der Unterschrift einfordern, den finalen deutschen Listenpreis, die homologierten Verbrauchs- und Reichweitenwerte und eine Probefahrt mit Blick auf die Software. Ein Auto, das so viel Neues auf einmal verspricht, verdient genau diese Sorgfalt.
Was der 9X für den deutschen Markt bedeutet
Die eigentliche Nachricht ist strategisch. Audi hat diese Woche entschieden, sein Performance-Flaggschiff SQ9 nicht nach Europa zu bringen, mit dem Argument der Nachfrage. Zeekr beantwortet dieselbe Marktlage mit dem Gegenteil: volle Leistung, modernste Ladetechnik, Bestellstart sofort. Ob genug Deutsche einem jungen chinesischen Hersteller ein sechsstelliges Auto anvertrauen, ist eine offene Wette. Aber das Signal an die deutschen Premiumhersteller ist unmissverständlich: Die Zurückhaltung, die ihr euch bei Technik und Varianten leistet, füllt jemand anderes.
Es gibt eine Kundengruppe, für die der 9X schon jetzt die interessanteste Ankündigung des Jahres ist: Vielfahrer-Familien mit sechs Sitzen Bedarf, Lademöglichkeit zu Hause und Offenheit für neue Marken, die bisher zwischen einem durstigen Verbrenner-Koloss und einem reinen Elektro-SUV mit Langstrecken-Kompromissen wählen mussten. Genau diese Lücke bedient das Konzept aus großem Puffer-Akku und Generator präziser als alles, was aktuell im Segment steht.
Mein Rat für Interessenten: Bestellen ohne Preis ist Unsinn, also warten, bis die deutsche Preisliste steht. Wer das Konzept spannend findet, sollte den 9X dann gegen den BMW X7, den neuen Audi Q9 und einen vollelektrischen Kandidaten wie den kommenden Range Rover Electric querrechnen, und zwar inklusive Wertverlust-Risiko, das bei jungen Marken im Luxussegment traditionell am höchsten ist.

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Über den Autor: Amit Ahirrao ist professioneller Präzisionsfahrer und Gründer von AutoColumn. Er bewertet Fahrzeuge anhand realer Daten, gefahrener Strecken und nachvollziehbarer Einordnungen.
Letzte Aktualisierung: 30. Juli 2026 · Datenquellen: auto motor und sport, Motor1 Deutschland, elektroauto-news.net, firmenauto. Alle technischen Werte vorläufig, Stand 30.07.2026.
