Richtgeschwindigkeit 130

Tempolimit 130: 58 Prozent sind dafür, doch was kostet Tempo 160 im E-Auto?

Ein Tempolimit 130 auf der Autobahn finden laut einer neuen Civey-Umfrage für den ACV 58 Prozent der Deutschen gut. Unter E-Autofahrern sind es sogar 68 Prozent, bei Verbrennerfahrern nur 57. Der Grund steckt vermutlich im Akku. Denn wer elektrisch schnell fährt, merkt jeden Kilometer pro Stunde an der Reichweite.

Ich habe Messwerte von Auto Bild, dem ÖAMTC und weiteren Tests ausgewertet. Danach habe ich die Strecke von München nach Hamburg mit 100, 130 und 160 km/h durchgerechnet, mit Ladestopps, Ladezeit und Stromkosten. Am Ende weißt du, wie viel Zeit Tempo 160 im E-Auto wirklich spart. Die Antwort ist kleiner, als die meisten glauben.


Tempolimit 130: Was die neue ACV-Umfrage zeigt

Der Automobil-Club Verkehr (ACV) hat seine Zahlen am 20.10.2026 veröffentlicht. Civey befragte vom 27. August bis 3. September 2026 online 2.500 Bundesbürger ab 18 Jahren. Dazu kamen 2.500 Autofahrer. Die Fehlertoleranz liegt laut ACV bei 3,2 bis 3,5 Prozentpunkten.

GruppePositivNegativUnentschieden
Alle Befragten58 %29 %13 %
Frauen64 %21 %keine Angabe
Männer54 %35 %keine Angabe
E-Autofahrer68 %keine Angabekeine Angabe
Verbrennerfahrer57 %keine Angabekeine Angabe

Spannend finde ich ein Detail am Rand. Laut Umfrage fahren 18 Prozent der Männer auf freier Autobahn meist schneller als 150 km/h. Bei Frauen sind es nur 8 Prozent. Zudem lief beim ACV eine eigene Mitgliederbefragung mit 6.831 Teilnehmern. Dort stimmten 51,9 Prozent für ein generelles Tempolimit 130.

Der Club selbst will trotzdem kein starres Limit. Er fordert datenbasierte, streckenbezogene und variable Grenzen, also dort, wo sie nachweislich Unfälle verhindern. Intelligente Anzeigen, die auf Verkehr und Wetter reagieren, haben für den ACV Vorrang. Geschäftsführer Holger Küster bringt die E-Auto-Seite auf einen Satz: „Im E-Auto wird hohes Tempo unmittelbar zur Reichweitenfrage.“ Einen Beweis für diesen Zusammenhang liefert die Umfrage allerdings nicht, das räumt der ACV selbst ein.

Wo die Politik beim Tempolimit steht

Kurz gesagt: Ein Gesetz ist nicht in Sicht. Der Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD erwähnt ein Tempolimit gar nicht. Die Grünen haben am 14. April 2026 trotzdem einen Gesetzentwurf eingebracht (Drucksache 21/5319). Er sieht 130 km/h auf allen Autobahnen vor, gültig drei Tage nach Verkündung.

Im Bundestag lehnten Union und AfD den Vorstoß am 16. April ab. CSU-Mann Günter Baumgartner sagte laut Nordkurier: „Die Grünen stehen für immer mehr Verbote.“ Die SPD zeigte sich dagegen vorsichtig offen. Ihr Abgeordneter Truels Reichardt wollte ein befristetes Limit bei Ölknappheit nicht ausschließen. Danach ging der Entwurf in die Ausschüsse. Ein Ergebnis ist noch nicht bekannt.

Neu ist der Streit nicht. Die Richtgeschwindigkeit von 130 km/h gilt seit 1974. Schon im Oktober 2019 scheiterte ein Antrag der Grünen deutlich, mit 126 zu 498 Stimmen bei 7 Enthaltungen.

Brüssel: Appelle, aber kein Gesetz

Die EU-Kommission hat im Mai 2022 in ihrem Energiesparplan empfohlen, auf Autobahnen langsamer zu fahren. Das war allerdings ein Appell, keine Vorschrift. Das Verkehrsministerium hielt ein generelles Limit damals laut ETSC aber nicht für zweckmäßig. Im Juli 2026 prüfte Brüssel zudem Assistenten, die Neuwagen aktiv ausbremsen könnten. Ein Sprecher nannte das laut Nordkurier „rein explorativ“. Seit Juli 2024 ist der Tempowarner ISA in Neuwagen Pflicht, lässt sich aber abschalten.

Wie viel Autobahn heute schon begrenzt ist

Die letzte vollständige Zählung der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) stammt aus dem Jahr 2015. Damals hatten 70,4 Prozent der 25.767 Kilometer Richtungsfahrbahn kein Limit. Auf 20,8 Prozent galt ein festes Schild. Weitere 8,8 Prozent regelten Verkehrsbeeinflussungsanlagen, die nur zum Teil dauerhaft begrenzen. Baustellen sind darin nicht enthalten. Eine neuere BASt-Zählung ist mir nicht bekannt.

Viel wichtiger für die Praxis ist aber, wie schnell die Leute wirklich fahren. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat rund 1,9 Milliarden Messungen auf unbegrenzten Abschnitten in NRW ausgewertet. Der Schnitt aller Pkw lag bei 113,5 km/h. Wer also glaubt, auf freier Bahn rase die Masse, liegt daneben.

Europa im Vergleich: Deutschland fährt allein

LandAutobahn-Limit Pkw (km/h)
Deutschland130 (nur Richtgeschwindigkeit)
Österreich130
Frankreich130
Italien130
Polen140
Schweiz120
Spanien120
Belgien120
Niederlande100, 120 oder 130 je nach Abschnitt und Uhrzeit
Norwegen110 (Höchstwert auf ausgebauten Autobahnen)

Quelle der Tabelle ist eine ADAC-Übersicht, wiedergegeben von R+V, Stand April 2026. Innerhalb der EU hat damit kein anderes Land völlig freie Autobahnen.

Warum Tempo im E-Auto so teuer ist

Ein Verbrenner verschwendet viel Energie als Wärme, auch bei Tempo 100. Deshalb fällt der Mehrverbrauch bei hohem Tempo relativ kleiner aus. Ein Elektroauto arbeitet dagegen sehr effizient. Hier dominiert auf der Autobahn ein einziger Gegner: der Luftwiderstand.

Die Physik ist simpel. Die Kraft, die der Wind dem Auto entgegensetzt, wächst mit dem Quadrat der Geschwindigkeit. Von 130 auf 160 km/h steigt sie also um gut 50 Prozent. Die nötige Leistung wächst sogar mit der dritten Potenz. Rollwiderstand und Bordnetz bleiben dagegen pro Kilometer fast gleich.

Dazu kommt ein zweiter Effekt, den viele unterschätzen. Mehr Verbrauch heißt mehr Ladestopps. Jeder Stopp kostet nicht nur Ladezeit, sondern auch Abfahrt, Parken, Einstecken und Auffahrt. Ich rechne dafür pauschal fünf Minuten pro Halt.

Messwerte: Verbrauch bei 100, 130 und 160 km/h

Für 100 und 130 km/h gibt es echte Messungen. Auto Bild hat im November 2023 fünf E-Autos bei konstantem Tempo und rund 22 bis 25 Grad gefahren. Den Verbrauch habe ich aus Akku und gemessener Reichweite zurückgerechnet. Das Tesla Model Y Long Range stammt aus einem Test von AutoReview (Niederlande, 2021), der Renault Megane aus einem ÖAMTC-Test knapp über null Grad.

Modell (Test)100 km/h130 km/h160 km/h (Hochrechnung)Reichweite 100 / 130 / 160
Hyundai Ioniq 5, 77,4 kWh RWD (Auto Bild)16,3 kWh23,3 kWhca. 32 kWh474 / 332 / ca. 240 km
Tesla Model Y Long Range (AutoReview)16,0 kWh22,9 kWhca. 32 kWhca. 437 / 305 / 220 km
Mercedes EQB 300 4Matic (Auto Bild)17,9 kWh23,8 kWhca. 31 kWh371 / 280 / ca. 215 km
Skoda Enyaq iV 60 (Auto Bild)16,0 kWh20,9 kWhca. 27 kWh363 / 278 / ca. 215 km
Renault Megane E-Tech 60 kWh, Winter (ÖAMTC)19,3 kWh29,4 kWhkeine Hochrechnungkeine Angabe

Alle Werte gelten pro 100 Kilometer. Der Sprung von 100 auf 130 km/h kostet in diesen Tests 23 bis 30 Prozent Reichweite. Beim Megane im Winter stieg der Verbrauch sogar um gut die Hälfte, inklusive Ladeverlusten.

Aktuelle Modelle sind sparsamer, das Prinzip bleibt aber gleich. Bjørn Nyland maß beim neuen Model Y Long Range bei 90 km/h 12,5 kWh und bei 120 km/h 17,3 kWh. Zusammengefasst hat das die spanische Seite autonomiacocheselectricos.es.

So habe ich 160 km/h hochgerechnet

Konstante Messungen bei 160 km/h fand ich für diese Modelle nicht. Deshalb habe ich ein einfaches Modell genutzt: ein fester Anteil pro Kilometer plus ein Anteil, der mit dem Quadrat des Tempos wächst. Beide Werte habe ich aus den Messpunkten bei 100 und 130 km/h bestimmt.

Passt das zur Realität? Ein Gegencheck spricht dafür. Nextmove maß 2020 ein Model Y Performance bei im Schnitt 145 km/h mit 25,4 kWh. Mein Modell liefert für das Long Range bei 145 km/h rund 27 kWh, also eher etwas zu viel. Für den Vergleich ist das fair, denn so sieht Tempo 160 keinesfalls besser aus, als es ist.

München nach Hamburg: Tempolimit 130 gegen 160 km/h

Jetzt wird es konkret. Die Strecke von München nach Hamburg ist je nach Route rund 780 Kilometer lang. Als Beispiel nehme ich den Ioniq 5 mit 77,4 kWh. Er startet voll geladen und kommt an jeder Säule mit 10 Prozent an. Laut Hyundai lädt er von 10 auf 80 Prozent in 18 Minuten. Zusätzlich rechne ich ein Auto, das dafür 30 Minuten braucht. Strom am Schnelllader kostet bei Ionity Direct seit Juli 2026 bis zu 0,76 Euro pro kWh.

Zuerst der Idealfall: freie Bahn, konstantes Tempo, kein Stau.

Tempo konstantFahrzeitLadestoppsLaden inkl. Halt (18 / 30 Min.)Gesamt (18 / 30 Min.)Schnellladestrom
100 km/h7:48 h2 kurze29 / 42 Min.8:17 / 8:30 hca. 44 Euro
130 km/h6:00 h352 / 77 Min.6:52 / 7:17 hca. 85 Euro
160 km/h4:53 h480 / 120 Min.6:13 / 6:53 hca. 137 Euro

Selbst im Traumszenario spart Tempo 160 nur 39 Minuten, beim langsamer ladenden Auto sogar nur 24. Dafür zahlst du gut 50 Euro mehr. Ein Stopp mehr kommt obendrein dazu.

Die Praxis: Baustellen, Lkw und Limits

Kein Mensch fährt von München nach Hamburg 780 Kilometer am Stück 160. Deshalb habe ich ein zweites Szenario gerechnet. Auf 60 Prozent der Strecke kannst du dein Wunschtempo fahren. Auf den übrigen 40 Prozent bremsen Baustellen, Schilder und Verkehr alle Fahrer auf einen Schnitt von 100 km/h.

Wunschtempo auf freien AbschnittenLadestoppsGesamt mit 18 Min. LadezeitGesamt mit 30 Min. LadezeitSchnellladestrom
130 km/h27:23 h7:43 hca. 69 Euro
160 km/h37:01 h7:31 hca. 100 Euro

Jetzt schrumpft der Vorteil auf 22 Minuten beim schnellen Lader. Beim langsameren Auto bleiben gerade 12 Minuten übrig, auf fast acht Stunden Reise. Dafür zahlst du rund 31 Euro mehr Strom und stehst einmal öfter an der Säule. Unterm Strich ist das Tempolimit 130 für E-Autofahrer also kaum ein Zeitverlust.

Was echte Langstreckentests zeigen

Meine Rechnung deckt sich mit Praxistests. Auto motor und sport schickte 2022 sechs E-Autos von Stuttgart nach Dresden, einmal mit maximal 120 km/h und einmal deutlich schneller. Der BMW iX schaffte die 506 Kilometer langsam ohne Ladestopp in 5:17 Stunden. Schnell brauchte er einen Stopp und kam rund 15 Minuten später an. Beim Mercedes EQV war die langsame Fahrt ebenfalls schneller, beim Opel Corsa-e auch.

Allerdings gewannen Mustang Mach-E, Ioniq 5 und ID.5 schnell gefahren Zeit. Das zeigt den Kern: Mit schneller Ladekurve lohnt Tempo ein wenig, mit langsamer kaum oder gar nicht.

Der ÖAMTC fuhr 650 Kilometer mit zwei Renault Megane, einmal mit 100 und einmal mit 130 km/h. Die Stromkosten lagen bei 99 gegen 151 Euro.

Pro Tempolimit 130: die Argumente der Befürworter

Die Befürworter nennen vor allem das Klima. Das Umweltbundesamt (UBA) bezifferte die Einsparung 2020 für ein Tempolimit 130 auf 1,9 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr, Basisjahr 2018. Für Tempo 120 waren es damals 2,6 Millionen Tonnen. Im Januar 2023 rechnete das UBA mit neuen Daten nach. Für 120 km/h kam es nun auf bis zu 6,7 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr. Eine Modellierung von Ende 2024 nennt für 130 auf Autobahnen plus 80 auf Landstraßen 3,9 Millionen Tonnen.

Das zweite Argument ist die Sicherheit. Laut Statistischem Bundesamt starben 2025 auf Autobahnen 292 Menschen. Bei 124 davon, also 42 Prozent, spielte zu hohes oder unangepasstes Tempo eine Rolle. Befürworter argumentieren, dass geringere Unterschiede im Tempo zu ruhigerem Verkehr führen.

Dazu kommt ein Argument, das gerade für E-Autos zählt. Wenn alle ähnlich schnell fahren, sinkt der Druck, mitzuhalten. Wer heute mit 120 rechts fährt, um Reichweite zu sparen, wird seltener von hinten bedrängt. Genau das dürfte einige der 68 Prozent E-Autofahrer antreiben.

Contra Tempolimit: die Argumente der Gegner

Die Gegner halten die Autobahn schon heute für die sicherste Straße. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) nennt mit Bezug auf die BASt rund 1,4 Getötete pro Milliarde Fahrzeugkilometer. Auf Bundesstraßen außerorts, die durchweg begrenzt sind, sind es 5,2. Zudem entfielen laut VDA rund 68 Prozent der Unfälle mit Verletzten auf unbegrenzte Abschnitte, die etwa 70 Prozent des Netzes stellen. Auffällig gefährlich seien diese Stücke also nicht.

Auch die Unfallstatistik insgesamt stützt diese Sicht. Laut Destatis starben 2025 etwa 10 Prozent aller Verkehrstoten auf Autobahnen, aber 56 Prozent auf Landstraßen. Darauf verweist auch der ACV.

Beim Klima halten Kritiker die UBA-Zahlen für zu hoch. Der VDA spricht von weit unter einem Prozent der deutschen Treibhausgase. Mit wachsendem E-Auto-Anteil schrumpft der Effekt ohnehin. Denn ein Elektroauto mit Ökostrom stößt bei 160 kaum mehr CO2 aus als bei 130. Und der IW-Wert von 113,5 km/h zeigt, dass die meisten ohnehin langsam fahren.

Welche Seite überzeugt, musst du selbst entscheiden. Eine Parteiempfehlung gebe ich hier bewusst nicht.

Wo meine Rechnung Schwächen hat

Meine Zahlen sind ehrlich, aber nicht perfekt. Die 160-km/h-Werte sind Hochrechnungen, keine Messungen. Die Tests stammen aus verschiedenen Jahren, mit unterschiedlichen Reifen und Temperaturen. Bei Kälte liegt jeder Wert deutlich höher, wie der Megane zeigt.

Außerdem habe ich die Ladezeit vereinfacht. Echte Ladekurven sind nicht linear, und manche Säule liefert weniger Leistung als versprochen. Wenn du mit vollem Akku an der Wallbox startest, sinken die Kosten am Schnelllader zusätzlich. Mein Szenario mit 60 Prozent freier Strecke ist zudem eine Annahme. Auf der A9 bei Nürnberg sieht es anders aus als nachts auf der A7 in Niedersachsen.

Mein Rat für die Langstrecke, ob mit oder ohne Tempolimit

Egal, wie die Politik entscheidet: Für dein E-Auto ist 130 fast immer die klügere Reisegeschwindigkeit. Du verlierst im Alltag 10 bis 25 Minuten auf 800 Kilometer und sparst 30 bis 50 Euro Strom. Dazu kommt weniger Stress, weil die Pausen ohnehin fällig sind.

  1. Wenn dein Auto langsam lädt (30 Minuten oder mehr für 10 bis 80 Prozent): Bleib bei 120 bis 130. Schneller fahren bringt dir praktisch nichts.
  2. Wenn dein Auto sehr schnell lädt (unter 20 Minuten): 140 bis 150 auf freien Stücken sind vertretbar, wenn du die Zeit wirklich brauchst. Rechne aber mit einem zusätzlichen Stopp.
  3. Im Winter: Nimm 10 bis 20 km/h raus und plane die Stopps neu. Kälte und Tempo addieren sich.
  4. Finger weg von Vollgas mit knappem Akku. Wer mit 5 Prozent an die Säule rollt und dann eine defekte Säule findet, verliert mehr Zeit als jede Tempo-Rechnung einbringt.

Plane außerdem mit dem Routenplaner im Auto und lade lieber zweimal kurz als einmal lang. Der Bereich von 10 bis 60 Prozent ist bei fast allen Modellen der schnellste. Mehr zu den Kosten pro Stopp findest du in meinem Ladekosten-Vergleich 2026.

Unterm Strich ist das Tempolimit 130 für E-Autos eine Debatte, die die Physik längst entschieden hat. Ob Deutschland es per Gesetz einführt, ist eine andere Frage.


Richtgeschwindigkeit 130

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Über den Autor: Amit Ahirrao ist professioneller Präzisionsfahrer und Gründer von AutoColumn. Er schreibt über Elektroautos, Ladekosten und die Frage, wie sich Langstrecke im Alltag wirklich fährt.

Letzte Aktualisierung: 22.10.2026 · Datenquellen: ACV Pressemitteilung Tempolimit-Umfrage, elektroauto-news.net, Nordkurier zur Bundestagsdebatte, Berliner Zeitung zu Drucksache 21/5319, BASt Tempolimit-Erhebung 2015, Umweltbundesamt 2020, ecomento zur UBA-Studie 2023, ecomento zu Destatis 2025, VDA Faktenpapier, R+V mit ADAC-Tabelle, Auto Bild Reichweitentest 100 und 130 km/h, AutoReview Model Y, ÖAMTC Ladetest, ecomento zum ams-Test, elektroauto-news zu nextmove, electrive zu Ionity-Preisen, GIGA zur IW-Studie, ETSC zur EU-Kommission

Wie viele Deutsche sind für ein Tempolimit 130 auf der Autobahn?

Laut einer Civey-Umfrage für den ACV vom Herbst 2026 bewerten 58 Prozent ein generelles Tempolimit positiv, 29 Prozent negativ und 13 Prozent sind unentschieden. Unter E-Autofahrern liegt die Zustimmung bei 68 Prozent, unter Verbrennerfahrern bei 57 Prozent.

Wie viel Reichweite verliert ein E-Auto bei 130 statt 100 km/h?

In Tests von Auto Bild sank die Reichweite beim Wechsel von 100 auf 130 km/h um 23 bis 30 Prozent. Ein Hyundai Ioniq 5 mit 77,4 kWh kam bei 100 km/h auf 474 Kilometer, bei 130 km/h nur noch auf 332 Kilometer.

Ist man mit dem E-Auto bei 160 km/h schneller am Ziel als bei 130?

Meist nur wenig. Auf rund 780 Kilometern von München nach Hamburg spart Tempo 160 in einer realistischen Rechnung nur 12 bis 22 Minuten, weil ein zusätzlicher Ladestopp nötig wird. Dafür steigen die Stromkosten am Schnelllader um rund 30 Euro.

Gibt es 2026 ein Gesetz für ein Tempolimit auf Autobahnen?

Nein. Der Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD sieht kein Tempolimit vor. Ein Gesetzentwurf der Grünen vom April 2026 liegt in den Ausschüssen des Bundestags, eine Mehrheit dafür ist nicht erkennbar. Es gilt weiter die Richtgeschwindigkeit von 130 km/h.

Wie viel CO2 würde ein Tempolimit auf Autobahnen sparen?

Das Umweltbundesamt nannte 2020 für 130 km/h rund 1,9 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr. Eine Neuberechnung von 2023 kam für 120 km/h auf bis zu 6,7 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Kritiker wie der VDA halten diese Werte für zu hoch.

Welche Reisegeschwindigkeit ist für E-Autos auf der Langstrecke ideal?

Für die meisten E-Autos sind 120 bis 130 km/h der beste Kompromiss aus Zeit und Kosten. Nur Modelle mit sehr schneller Ladekurve gewinnen bei höherem Tempo spürbar Zeit. Im Winter lohnt es sich, noch etwas langsamer zu fahren.

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