Leapmotor hat im April 2026 den B10 Hybrid EV vorgestellt – eine Version des erfolgreichen Kompakt-SUV mit Range Extender. Anstatt einer großen Batterie arbeitet ein 1,5-Liter-Benziner als Generator und verlängert die Reichweite auf bis zu 900 km. Dabei bleibt der B10 Hybrid EV im Kern ein Elektroauto, denn der Benziner treibt niemals die Räder an. Er erzeugt ausschließlich Strom für den 218-PS-Elektromotor. Der Preis startet bei circa 29.900 Euro – dem gleichen Niveau wie das reine BEV.
In dieser Kaufberatung vergleiche ich als Automobilingenieur beide Varianten Punkt für Punkt: Wann lohnt sich der Range Extender, wann reicht das BEV – und was bedeutet der Leapmotor B10 Hybrid EV für den ohnehin unter Druck stehenden Stellantis-Konzern?

Was ist ein Range Extender – und warum ist er kein Plug-in-Hybrid?
Bevor wir in den Vergleich einsteigen, ist eine technische Klärung wichtig. Denn der Leapmotor B10 Hybrid EV unterscheidet sich grundlegend von einem klassischen Plug-in-Hybrid.
Bei einem Plug-in-Hybrid (etwa Mitsubishi Outlander PHEV oder VW Golf GTE) treiben sowohl der Verbrennungsmotor als auch der Elektromotor die Räder an. Beide Antriebe sind mechanisch mit den Achsen verbunden. Beim Range Extender hingegen hat der Benzinmotor keine Verbindung zu den Rädern. Er arbeitet ausschließlich als Stromgenerator, der die Batterie während der Fahrt auflädt. Der Elektromotor bleibt somit der einzige Antrieb.
Das Fahrgefühl ist folglich identisch mit einem reinen Elektroauto: leise, spontan und ohne Schaltvorgänge. Der Benziner springt nur an, wenn die Batterie leer ist – und selbst dann merkt man ihn kaum, weil er entkoppelt im Hintergrund arbeitet. Deshalb wird diese Technologie auch als „serieller Hybrid“ oder „Stromer mit Sicherheitsnetz“ bezeichnet.
Leapmotor B10 Hybrid EV: Die technischen Daten
Der B10 Hybrid EV übernimmt Karosserie, Fahrwerk und Innenraum des bekannten B10 BEV. Die Unterschiede liegen ausschließlich im Antriebsstrang.
Der Elektromotor leistet wie beim BEV 160 kW (218 PS) mit 240 Nm Drehmoment und treibt die Hinterräder an. Statt der großen 56,2- oder 67,1-kWh-Batterie sitzt jedoch ein deutlich kleinerer 18,8-kWh-Akku im Unterboden. Dieser ermöglicht circa 86 km rein elektrische Reichweite nach WLTP. Im Alltag dürften es etwa 60 bis 70 km sein.
Zusätzlich arbeitet ein 1,5-Liter-Benziner mit 50 kW (67 PS) als Generator. Er wird von einem 50-Liter-Benzintank gespeist. Sobald die Batterie leer ist, springt der Generator an und erzeugt Strom. Die kombinierte Reichweite beträgt dadurch bis zu 900 km nach WLTP.
Vier Fahrmodi für jede Situation
Der B10 Hybrid EV bietet vier Energiemodi, die das Zusammenspiel von Batterie und Generator steuern. Im Modus „EV+“ fährt das Auto ausschließlich elektrisch und schaltet den Generator komplett ab. Im Modus „EV“ fährt es ebenfalls primär elektrisch, aktiviert den Generator jedoch bei niedrigem Ladestand automatisch. Im Modus „Fuel“ nutzt das System den Generator kontinuierlich und hält den Akku auf einem konstanten Niveau. Für maximale Leistung gibt es schließlich den Modus „Power+“, in dem Generator und Batterie gleichzeitig den Elektromotor versorgen.
Im Alltag empfiehlt sich der EV-Modus für Pendler. Denn die meisten Berufspendler in Deutschland fahren unter 50 km pro Tag. Damit reicht die Batterie für den kompletten Arbeitsweg. Nur auf der Langstrecke – etwa bei Urlaubsfahrten oder Wochenendausflügen – springt der Generator ein.
BEV vs. Hybrid EV: Der direkte Vergleich
| Merkmal | B10 BEV (67,1 kWh) | B10 Hybrid EV (REEV) |
|---|---|---|
| Elektrische Reichweite | 434 km (WLTP) | 86 km (WLTP) |
| Gesamtreichweite | 434 km | bis zu 900 km |
| Batterie | 67,1 kWh LFP | 18,8 kWh |
| Motor | 160 kW / 218 PS | 160 kW / 218 PS |
| Generator | – | 1,5 L Benziner, 50 kW |
| Tank | – | 50 Liter |
| DC-Laden max. | 168 kW | 30 kW (DC) |
| Verbrauch (WLTP) | 17,3 kWh/100 km | 20,5 kWh + 0,4 L/100 km |
| Preis ab | 32.900 € (Pro Max) | circa 29.900 € |
| Firmenwagen (BLP unter 70.000 €) | 0,25 % | 0,5 % (PHEV-Regel) |
Die drei entscheidenden Unterschiede
Erstens die Reichweite: Der Hybrid EV schlägt das BEV mit bis zu 900 km gegenüber 434 km deutlich. Allerdings fährt er die letzten 800 km davon mit Benzin. Wer konsequent emissionsfrei fahren will, ist daher mit dem BEV besser beraten.
Zweitens die Ladegeschwindigkeit: Das BEV lädt mit bis zu 168 kW am DC-Schnelllader. Der Hybrid EV hingegen lädt nur mit circa 30 kW, weil die kleine 18,8-kWh-Batterie keine höheren Ladeleistungen benötigt. Für den Hybrid EV ist das kein Problem, weil der Generator bei Bedarf einspringt. Dennoch bedeutet es: An der Ladesäule ist das BEV massiv schneller.
Drittens die Firmenwagensteuer: Das BEV profitiert von der günstigen 0,25-Prozent-Regelung (bei Listenpreis unter 70.000 Euro). Der Hybrid EV wird hingegen als PHEV besteuert, also mit 0,5 Prozent. Für Firmenwagen-Fahrer ergibt sich somit ein monatlicher Steuervorteil von circa 30 bis 50 Euro zugunsten des BEV.
Für wen lohnt sich welche Variante?
Hybrid EV wählen, wenn:
Der Range Extender ist ideal für Käufer, die noch keine Wallbox haben oder in einer Mietwohnung ohne eigenen Stellplatz wohnen. Denn die kleine Batterie lässt sich auch an einer normalen Haushaltssteckdose über Nacht laden. Außerdem eignet sich der Hybrid EV für Fahrer, die regelmäßig Langstrecken über 400 km am Stück fahren. In diesem Fall entfällt die Ladeplanung komplett, weil der Generator einfach weiterarbeitet. Darüber hinaus ist der Hybrid EV eine gute Wahl für ländliche Regionen, in denen die Schnellladeinfrastruktur noch dünn ist.
BEV wählen, wenn:
Das reine Elektroauto passt besser zu Käufern, die zu Hause an einer Wallbox oder an der Arbeit laden können. Denn dann wird die große 67,1-kWh-Batterie täglich voll geladen und bietet stets 350 bis 400 km Realreichweite. Außerdem sparen Firmenwagen-Fahrer mit dem BEV bei der Steuer. Auch wer keine Benzinkosten und keinen Ölwechsel am Generator will, fährt mit dem BEV langfristig günstiger.
Was bedeutet der B10 Hybrid EV für Stellantis?
Hinter den Kulissen sorgt der B10 Hybrid EV für erhebliche Spannungen innerhalb des Stellantis-Konzerns. Denn Leapmotor verkauft den B10 über das Stellantis-Händlernetz – also direkt neben Opel Frontera, Peugeot 3008, Citroën C3 Aircross und Fiat 600e. Mit einem Preis ab circa 29.900 Euro, besserer Ausstattung und jetzt auch Reichweitenangst-Freiheit durch den Range Extender stiehlt der B10 den konzerneigenen Modellen buchstäblich die Show.
Besonders brisant: Ab Ende 2026 soll der B10 nicht mehr nur in China, sondern auch in einem Stellantis-Werk in Spanien produziert werden. Dadurch entfallen die EU-Strafzölle, und der Preis könnte noch weiter sinken. Für Stellantis-Marken wie Opel und Citroën ist der B10 somit gleichzeitig Partner und gefährlichster Konkurrent.
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Letzte Aktualisierung: 20. April 2026 · Datenquellen: ADAC, Leapmotor, Autogazette, ecomento, firmenauto
Der Startpreis liegt bei circa 29.900 Euro. Genaue Preise für alle Ausstattungsvarianten werden zum Bestellstart im Q2 2026 bekannt gegeben.
Die rein elektrische Reichweite beträgt circa 86 km nach WLTP. Im Alltag sind folglich etwa 60 bis 70 km realistisch. Die meisten deutschen Pendler kommen damit rein elektrisch zur Arbeit und zurück.
Grundsätzlich ja. Da er als PHEV klassifiziert wird, muss er mindestens 80 km elektrische Reichweite oder maximal 60 g/km CO2 nachweisen. Mit 86 km WLTP-Reichweite erfüllt er diese Bedingung. Die maximale Förderung für PHEVs beträgt allerdings nur 4.500 Euro statt 6.000 Euro für reine BEVs.
Das BEV ist im Unterhalt günstiger, weil kein Benzin und kein Ölwechsel am Generator anfallen. Der Hybrid EV verbraucht bei entladener Batterie circa 6,4 Liter Benzin auf 100 km. Bei aktuellen Spritpreisen (circa 2,10 Euro pro Liter) kostet das circa 13,50 Euro pro 100 km – deutlich mehr als die circa 6 Euro Stromkosten des BEV.
Bei allen Stellantis-Vertragshändlern, die Leapmotor führen – aktuell über 120 Standorte in Deutschland. Darunter sind Opel-, Peugeot-, Citroën- und Fiat-Händler. Das ist ein massiver Vorteil gegenüber anderen chinesischen Marken.
