Am 20. April 2026 hat Mercedes die erste vollelektrische C-Klasse enthüllt. Damit steht sie in direkter Konkurrenz zum BMW i3, der bereits seit Februar 2026 auf dem Markt ist. Beide Limousinen setzen auf 800-Volt-Architektur, beide versprechen über 700 km Reichweite, und beide zielen auf den gleichen Käufer: den Firmenwagen-Fahrer, der von Diesel auf Elektro umsteigen will. Doch die Unterschiede im Detail sind erheblich.
In diesem Vergleich analysiere ich als Automobilingenieur Reichweite, Ladeleistung, Preis, Platzangebot und Firmenwagensteuer beider Modelle – und zeige, welche Limousine für welchen Fahrertyp die richtige Wahl ist.
Warum dieser Vergleich jetzt entscheidend ist
Die Mercedes C-Klasse EQ und der BMW i3 sind die ersten vollelektrischen Mittelklasse-Limousinen der beiden größten deutschen Premium-Hersteller. Beide basieren auf komplett neuen Elektro-Plattformen (MB.EA-M bei Mercedes, Neue Klasse bei BMW), die speziell für batterieelektrische Fahrzeuge entwickelt wurden. Damit lösen sie die Übergangsmodelle ab, die auf angepassten Verbrenner-Architekturen basierten.
Für den deutschen Firmenwagen-Markt ist dieser Vergleich besonders relevant. Denn die C-Klasse und der 3er BMW sind seit Jahrzehnten die meistgewählten Dienstwagen in der Mittelklasse. Wer jetzt einen neuen Firmenwagen bestellt, wird voraussichtlich vier bis fünf Jahre damit fahren. Die Entscheidung zwischen Mercedes und BMW ist daher eine langfristige Investition.
Reichweite: BMW führt – aber nur auf dem Papier

Der offensichtlichste Unterschied liegt bei der Reichweite. BMW gibt für den i3 bis zu 900 km nach WLTP an. Mercedes kontert mit bis zu 800 km für den C 300+ EQ. Auf dem Papier gewinnt BMW somit klar.
Allerdings ist ein genauerer Blick nötig. Denn die 900 km des BMW gelten für die effizienteste Variante mit Heckantrieb und großem Akku. Der beliebte Allradantrieb (xDrive) reduziert die Reichweite auf circa 780 bis 820 km. Bei Mercedes gilt Ähnliches: Die 800 km beziehen sich auf den C 300+ EQ mit Heckantrieb. Der allradgetriebene C 400 4MATIC EQ kommt hingegen auf circa 780 km.
Im realen Autobahnbetrieb (130 km/h Durchschnitt, Heizung an, Zuladung) dürften beide Modelle circa 500 bis 600 km schaffen. Der BMW hat dennoch einen leichten Vorteil, weil seine Neue-Klasse-Plattform etwas effizienter arbeitet. Folglich gewinnt BMW bei der Reichweite mit einem Vorsprung von circa 50 bis 80 km.
Laden: Gleichstand mit feinen Unterschieden
Beide Limousinen nutzen 800-Volt-Architektur, was schnelles DC-Laden ermöglicht. Mercedes gibt bis zu 330 kW an, BMW kommt auf bis zu 270 kW. Dennoch sind die tatsächlichen Ladezeiten nahezu identisch: Beide schaffen den Ladehub von 10 auf 80 Prozent in circa 20 bis 22 Minuten.
Der Grund liegt in der Ladekurve. Obwohl Mercedes die höhere Spitzenleistung hat, hält BMW seine 270 kW länger konstant. Dadurch gleichen sich die Gesamtladezeiten aus. In der Praxis sind 15 Minuten an der Raststätte somit bei beiden Autos für circa 250 bis 300 km Reichweite gut.
Beim AC-Laden zu Hause bieten ebenfalls beide 11 kW serienmäßig. Eine volle Ladung des großen Akkus dauert somit circa 8 bis 9 Stunden. Über Nacht an der Wallbox ist das kein Problem.
Ionity, Isar und Ladenetzwerke
Mercedes bietet über Mercedes me Charge Zugang zu über 800.000 Ladepunkten in Europa, darunter das Ionity-Netzwerk. BMW kontert mit dem BMW Charging Netzwerk und einer bevorzugten Partnerschaft mit Isar Energy. Beide Hersteller investieren zudem in eigene Schnelllade-Hubs. Für den Endkunden ist die Abrechnung bei beiden Marken komfortabel über eine App möglich.

Leistung und Fahrdynamik: Mercedes stärker, BMW agiler
Bei der Motorleistung hat Mercedes die Nase vorn. Der C 400 4MATIC EQ leistet 489 PS, der BMW i3 xDrive kommt auf circa 340 PS. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h dürfte beim Mercedes folglich circa eine Sekunde schneller ausfallen.
Allerdings ist Leistung nicht alles. BMW hat bei der Neuen Klasse besonderen Wert auf Fahrdynamik und niedriges Gewicht gelegt. Der i3 ist voraussichtlich circa 100 bis 150 kg leichter als die C-Klasse EQ, was sich in Kurven und beim Bremsen bemerkbar macht. Außerdem ist die BMW-Lenkung traditionell direkter und mitteilsamer als bei Mercedes.
Mercedes hingegen setzt auf Komfort und Geräuschdämmung. Die C-Klasse EQ soll laut Mercedes den leisesten Innenraum aller Mittelklasse-Limousinen bieten. Für Vielfahrer, die täglich 200 km Autobahn pendeln, ist das ein gewichtiges Argument.

Innenraum und Technologie: Zwei Philosophien
Im Innenraum verfolgen beide Hersteller unterschiedliche Ansätze. Mercedes bietet optional den MBUX Hyperscreen – ein durchgehendes Display über die gesamte Armaturenbrettbreite. Das sieht spektakulär aus und bietet ein beeindruckendes Multimedia-Erlebnis. Allerdings ist die Bedienung über Touchscreen nicht jedermanns Sache.
BMW setzt bei der Neuen Klasse hingegen auf das Panoramic Vision Head-up-Display, das Informationen direkt auf die gesamte Windschutzscheibenbreite projiziert. Statt auf Bildschirme zu schauen, blickt der Fahrer somit auf die Straße. Zusätzlich reagiert das iDrive-System auf Sprache, Gesten und Touch. Viele Tester bewerten die BMW-Bedienung daher als intuitiver.

Kofferraum und Frunk
Beim Kofferraum bietet die C-Klasse EQ circa 520 bis 570 Liter. Der BMW i3 kommt auf circa 480 Liter. Beide Modelle haben zusätzlich einen Frunk unter der Fronthaube. Für Familien und Vielreisende ist die Mercedes-Limousine somit der geräumigere Wagen.
Die große Kombi-Frage: BMW hat einen, Mercedes nicht
Für den deutschen Markt ist das fehlende T-Modell der C-Klasse EQ die möglicherweise entscheidende Schwäche. Denn BMW hat den i3 Touring (Kombi) bereits angekündigt. Beim Verbrenner-Pendant ID.7 gehen circa 80 Prozent als Kombi über die Theke. Firmenwagen-Kunden, die Platz für Kinderwagen, Koffer oder Vertriebsmuster brauchen, haben bei Mercedes somit keine Option innerhalb der C-Klasse EQ.
Mercedes verweist zwar auf den CLA Shooting Brake EQ. Dieser ist jedoch eine Klasse tiefer positioniert und bietet weniger Komfort und Geräuschdämmung. Für Käufer, die unbedingt einen Premium-Elektro-Kombi wollen, führt daher kein Weg am BMW vorbei – sobald der i3 Touring verfügbar ist.

Preis und Firmenwagensteuer: Wo der echte Unterschied liegt
Bei den geschätzten Preisen liegen beide Modelle eng beieinander. Der Mercedes C 200 EQ dürfte bei circa 55.500 Euro starten. Der BMW i3 eDrive beginnt bei circa 52.000 Euro. In der vergleichbaren Ausstattung dürften sich die Preise auf ähnlichem Niveau bewegen.
Die 0,25-Prozent-Falle
Für Firmenwagen-Fahrer entscheidet die 70.000-Euro-Grenze über die Besteuerung. Elektroautos unter 70.000 Euro Brutto-Listenpreis werden mit 0,25 Prozent des Listenpreises als geldwerter Vorteil besteuert. Darüber gilt 0,5 Prozent – also das Doppelte.
Der Mercedes C 200 EQ (circa 55.500 Euro) und der BMW i3 eDrive (circa 52.000 Euro) liegen beide unter dieser Grenze und profitieren somit von der günstigen 0,25-Prozent-Regelung. Die Topmodelle C 400 4MATIC EQ (circa 82.000 Euro) und BMW i3 M50 (circa 75.000 Euro) liegen hingegen darüber und kosten steuerlich doppelt so viel.
Für Firmenwagen-Fahrer ist daher die Empfehlung klar: Die Basisversionen beider Modelle sind steuerlich optimal. Ein C 200 EQ kostet circa 58 Euro Lohnsteuer pro Monat (bei 42 Prozent Grenzsteuersatz). Der BMW i3 eDrive kommt sogar auf nur circa 54 Euro. Im Vergleich dazu kostet ein C 300d Diesel-Firmenwagen circa 180 Euro pro Monat.
Der direkte Vergleich: Alle Daten auf einen Blick
| Merkmal | Mercedes C 300+ EQ | BMW i3 eDrive |
|---|---|---|
| Reichweite WLTP | ~800 km | ~900 km |
| Leistung (Top) | 489 PS (C 400) | ~340 PS (xDrive) |
| DC-Laden max. | 330 kW | 270 kW |
| Ladehub 10–80 % | ~22 min | ~20 min |
| Kofferraum | 520–570 l | ~480 l |
| Kombi verfügbar | Nein | Ja (i3 Touring) |
| Plattform | MB.EA-M | Neue Klasse |
| Preis ab (geschätzt) | ~55.500 € | ~52.000 € |
| 0,25 %-Regelung | Ja (C 200 EQ) | Ja (eDrive) |
| Marktstart | Sommer 2026 | Seit Feb 2026 |
Urteil: Wer gewinnt?
Der BMW i3 gewinnt bei Reichweite, Effizienz, Fahrdynamik, Preis und Verfügbarkeit (bereits bestellbar, Kombi angekündigt). Er ist folglich der rationalere Kauf für die Mehrheit der Firmenwagen-Fahrer.
Die Mercedes C-Klasse EQ gewinnt hingegen bei Leistung, Geräuschdämmung, Komfort und Prestige. Wer Wert auf die leiseste Kabine und den beeindruckendsten Innenraum legt, wird bei Mercedes glücklicher. Außerdem ist der MBUX Hyperscreen ein echtes Alleinstellungsmerkmal.
Für Firmenwagen-Fahrer, die einen Kombi brauchen, fällt die Entscheidung eindeutig: BMW i3 Touring, sobald er verfügbar ist. Mercedes hat in diesem Punkt schlicht kein Gegenangebot.
Für alle anderen hängt die Entscheidung vom persönlichen Fahrertyp ab: Wer sportlich und effizient fahren will, nimmt den BMW. Wer komfortabel und leise reisen will, nimmt den Mercedes. Beide sind exzellente Elektrolimousinen. Die Premium-Mittelklasse war noch nie so gut wie 2026.

Weiterlesen auf AutoColumn:
- Mercedes C-Klasse EQ 2026: Weltpremiere – alle Daten
- BMW iX3 Neue Klasse 2026: Alle Daten und Preise
- E-Auto unter 20.000 Euro 2026: 7 Modelle mit Förderung
- Denza Z9 GT: BYDs Angriff auf Porsche ab 101.000 €
- E-Auto Förderung 2026: Bis zu 6.000 € Prämie
- Cupra Raval 2026: Ab 25.950 € – Kaufberatung
- Leapmotor B10 Hybrid EV: 900 km ab 29.900 €
- E-Auto Zulassungen März 2026: BEV überholt Benziner
- Diesel 2,45 € vs. E-Auto: Kostenvergleich 2026
- Tesla Model Y 2026 Juniper: Ab 39.990 € – Kaufberatung
Letzte Aktualisierung: 20. April 2026 · Datenquellen: Mercedes-Benz, BMW, JESMB, MBPassion, ADAC
Das hängt vom Fahrprofil ab. Der BMW i3 bietet mehr Reichweite (900 vs 800 km), einen günstigeren Einstiegspreis und einen Kombi (i3 Touring). Die Mercedes C-Klasse EQ kontert hingegen mit mehr Leistung (489 vs 340 PS), besserem Komfort und dem MBUX Hyperscreen.
Beide Basismodelle liegen unter der 70.000-Euro-Grenze und profitieren somit von der 0,25-Prozent-Regelung. Der BMW i3 eDrive ist mit circa 52.000 Euro etwas günstiger als der Mercedes C 200 EQ (circa 55.500 Euro). Steuerlich spart man beim BMW folglich circa 4 Euro pro Monat.
Nein. Mercedes bietet die C-Klasse EQ ausschließlich als Limousine an. BMW hat hingegen den i3 Touring (Kombi) bereits angekündigt. Wer einen Premium-Elektro-Kombi will, muss daher entweder zum BMW greifen oder auf den Mercedes CLA Shooting Brake EQ ausweichen.
Trotz unterschiedlicher Spitzenleistungen (Mercedes 330 kW, BMW 270 kW) sind die Ladezeiten nahezu identisch: circa 20 bis 22 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Im Alltag gibt es somit keinen spürbaren Unterschied.
Der BMW i3 ist bereits seit Februar 2026 bestellbar und wird ausgeliefert. Die Mercedes C-Klasse EQ kann voraussichtlich ab Ende Mai bis Anfang Juni 2026 bestellt werden. Erste Auslieferungen sind für den Sommer 2026 geplant.
