Was verdient mein Autohersteller wirklich? Marge-Vergleich 2025 von BYD bis Ferrari

An deinem 45.000-Euro-VW verdient Volkswagen aktuell nur etwa 820 Euro – an einem gleichteuren Tesla bekommt der amerikanische Hersteller rund 2.200 Euro, an einem BMW iX1 sogar fast 4.500 Euro. Und Ferrari? Bei jedem verkauften 350.000-Euro-Sportwagen bleiben durchschnittlich 118.000 Euro Gewinn beim Hersteller – mehr als der gesamte Listenpreis eines Mercedes EQE. Das sind keine theoretischen Zahlen, sondern die konkreten Ergebnisse der CAM-Studie 2025 (Center of Automotive Management Bergisch Gladbach), die zeigt, wie dramatisch sich die Profitmargen zwischen deutschen Volumenherstellern, chinesischen Aufsteigern und Luxus-Ikonen unterscheiden.

In dieser Analyse zeige ich als Automobilingenieur, was jeder große Autohersteller wirklich pro verkauftem Auto verdient, warum die Unterschiede so dramatisch sind und was diese Zahlen konkret für deine nächste Kaufentscheidung bedeuten. Außerdem rechne ich anhand von Beispielen aus dem deutschen Markt durch, wie viel Spielraum für Rabatte tatsächlich existiert und welche Hersteller die Konsolidierungswelle der nächsten Jahre überleben werden.


Warum der Marge Autohersteller Vergleich 2025 deutsche Käufer wirklich betrifft

Die Marge Autohersteller klingt zunächst nach einem Thema für Aktionäre und Wirtschaftsanalysten – nicht für Privatkäufer. Allerdings ist genau das Gegenteil der Fall. Schließlich entscheidet die Marge darüber, wie viel Rabatt du beim Händler tatsächlich herausverhandeln kannst, wie stabil dein Wiederverkaufswert bleibt und ob dein Lieblingshersteller in fünf Jahren überhaupt noch existiert.

Die Zahlen 2025 sind dramatisch. Die durchschnittliche EBIT-Marge der 13 weltweit führenden Automobilhersteller ist im ersten Halbjahr 2025 von 7,5 auf 4,3 Prozent gefallen – ein Einbruch um 43 Prozent. Insbesondere die deutschen Premiumhersteller Mercedes-Benz und BMW mussten massive Rückgänge verkraften. Zudem zeigt sich eine wachsende Kluft zwischen profitablen Marken (Ferrari, Porsche, Toyota) und Verlustträgern (Stellantis, Nissan). Folglich befindet sich die Branche laut CAM-Studienleiter Stefan Bratzel in einem „darwinistischen Selektionsprozess“ – nicht alle Hersteller werden die Transformation überleben.

Für dich als deutscher Käufer hat das drei konkrete Konsequenzen. Erstens beeinflusst die Marge direkt deinen Verhandlungsspielraum: Bei einem VW mit 820 Euro Gewinn pro Auto gibt es kaum Rabatte, weil der Hersteller bereits am Limit kalkuliert. Zweitens beeinflusst die Marge die Modellzukunft: Ein Hersteller mit anhaltend niedrigen Gewinnen streicht Modelle, schließt Werke und kann den Service eines bestehenden Modells verschlechtern. Drittens beeinflusst die Marge den Wiederverkaufswert: Marken mit stabilen Margen halten ihre Restwerte besser, weil sie ihre Modelle nicht durch Preissenkungen retten müssen.

Die Marge Autohersteller 2025 im direkten Vergleich

Hier die aktuellen Zahlen aller großen Autohersteller, sortiert nach Gewinn pro verkauftem Fahrzeug. Die Werte basieren auf der neuesten verfügbaren CAM-Studie (Q1-Q3 2025) bzw. dem Geschäftsbericht 2024 für Luxus-Hersteller.

HerstellerEBIT-MargeGewinn pro AutoVerkaufte FahrzeugeKategorie
Ferrari28,3 %ca. 118.000 €13.752 (2024)Luxus
Porsche14,1 %ca. 18.000 €310.718 (2024)Premium-Luxus
BMW Group8,6 %4.488 €1,2 Mio. (H1 2025)Premium
Toyota8,4 %2.925 €7,1 Mio. (Q1-Q3 2025)Volumen-Premium
Hyundai Group7,5 %ca. 2.450 €4,3 Mio. (Q1-Q3 2025)Volumen
Mercedes-Benz Group4,4 %3.214 €1,1 Mio. (H1 2025)Premium
Tesla4,2 %2.177 €1,3 Mio. (Q1-Q3 2025)Premium-Elektro
GM4,7 %ca. 1.800 €4,6 Mio. (Q1-Q3 2025)Volumen
Ford4,4 %1.679 €3,3 Mio. (Q1-Q3 2025)Volumen
BYD5,0 %1.103 €3,3 Mio. (Q1-Q3 2025)Volumen-Elektro
VW Group2,3 %819 €6,6 Mio. (Q1-Q3 2025)Volumen
Renault3,5 %ca. 700 €1,1 Mio. (Q1-Q3 2025)Volumen
StellantisnegativVerlust2,8 Mio. (Q1-Q3 2025)Krisen-Konzern
NissannegativVerlust1,5 Mio. (Q1-Q3 2025)Krisen-Konzern

Quelle: CAM Q1-Q3 2025 Studie (Stand November 2025), Ferrari Annual Report 2024, Porsche AG Annual Report 2024, eigene Berechnung. Lamborghini, Bentley, Rolls-Royce und Bugatti veröffentlichen keine eigenen Margen-Zahlen.

BMW i3
BMW i3

Deutsche OEMs: Was BMW, Mercedes, VW und Porsche wirklich verdienen

Die deutschen Hersteller sind 2025 in einer paradoxen Lage: Sie verdienen pro Auto immer noch mehr als die meisten globalen Wettbewerber, allerdings sind die Rückgänge dramatisch. BMW erzielt aktuell 4.488 Euro Gewinn pro verkauftem Pkw und liegt damit weiterhin an der Spitze der deutschen Marken. Schließlich profitiert BMW von einer ausgewogenen Antriebs-Mischung – Verbrenner, Hybrid und Elektro werden auf derselben Produktionslinie gebaut. Folglich kann der Konzern flexibel auf Markttrends reagieren, ohne dass Fixkosten in Werken festgenagelt sind.

Mercedes-Benz hat hingegen den dramatischsten Margen-Einbruch aller großen Hersteller erlebt. Die Profitabilität fiel von 10,9 Prozent (H1 2024) auf 5,4 Prozent (H1 2025) – ein Rückgang um 50 Prozent in nur zwölf Monaten. Der Gewinn pro Auto schrumpfte von 7.000 Euro (2023) auf 3.214 Euro (Q1-Q3 2025). Insbesondere die Stuttgarter haben mit dem schwächelnden China-Geschäft und dem holprigen Elektro-Übergang zu kämpfen. Außerdem ist die EQ-Modellfamilie weiterhin unprofitabel, was die Konzern-Marge belastet.

Volkswagen ist in einer noch dramatischeren Lage. Mit nur 819 Euro Gewinn pro Auto im Q1-Q3 2025 verdient der größte europäische Hersteller weniger als BYD. Schließlich verlangsamt die Krise in den USA (Strafzölle), die schwächelnde China-Position und die teure MEB+-Plattform-Transformation das Geschäftsmodell. Im Konzernverbund tragen Porsche und Audi traditionell den Großteil des Gewinns – allerdings ist auch hier Audi 2025 unter Druck. Mehr zur konkreten VW-Lage und ihren Folgen für Käufer findest du in unserem VW-Krise-2025-Analyse-Artikel.

Porsche ist die deutsche Glanzleistung. Mit 14,1 Prozent operativer Marge und rund 18.000 Euro Gewinn pro Auto bleibt Porsche der mit Abstand profitabelste deutsche Volumen-Hersteller. Allerdings ist auch hier die Marge von 18,0 Prozent (2023) gefallen – die Transformation zum Elektro-Hersteller kostet Investitionen.

Chinesische OEMs: Warum BYD profitabler ist als der VW-Konzern

Die wohl überraschendste Erkenntnis der CAM-Studie 2025: Der chinesische Hersteller BYD verdient pro Auto mit 1.103 Euro deutlich mehr als der VW-Konzern mit 819 Euro. Dabei verkauft BYD ausschließlich vollelektrische und Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge in einem Preissegment, in dem die meisten europäischen Hersteller Verluste schreiben. Schließlich profitiert BYD von drei strukturellen Vorteilen, die kein westlicher Hersteller mehr aufholen kann.

Erstens die vertikale Integration. BYD produziert eigene Batteriezellen (Blade-Batterie LFP), eigene Halbleiter, eigene Elektromotoren und sogar eigenen Stahl. Folglich entfallen rund 25 Prozent der Zulieferer-Marge, die VW, BMW oder Mercedes an externe Partner zahlen müssen. Zweitens die staatlich subventionierten Rohstoffketten in China: Lithium, Kobalt und seltene Erden bekommt BYD zu Konzern-internen Verrechnungspreisen, während europäische Hersteller Weltmarktpreise zahlen. Drittens die Skalen-Effekte auf dem chinesischen Heimatmarkt mit 24 Millionen Pkw-Verkäufen jährlich – ein dreimal größerer Heimatmarkt als die EU.

Allerdings hat BYD im internationalen Vergleich eine Schwäche, die viele Käufer übersehen: Außerhalb Chinas sind die Margen deutlich niedriger. Der BYD Atto 3, der in Deutschland bei 28.990 Euro startet, kostet in China umgerechnet nur 16.500 Euro. Folglich finanziert BYD seine Europa-Expansion mit Heimatmarkt-Gewinnen und akzeptiert in Deutschland zunächst dünne Margen, um Marktanteile aufzubauen. Mehr zur konkreten BYD-Strategie und den günstigeren chinesischen E-Autos findest du in unserer Übersicht der chinesischen Elektroautos in Deutschland.

Weitere chinesische Hersteller wie Geely (5,5 Prozent Marge), Chery, Leapmotor und Xpeng folgen einem ähnlichen Schema. Insbesondere Geely hat mit den Marken Polestar, Lotus, Volvo und Zeekr eine breite Premium-Strategie aufgebaut. Demnach ist es kein Zufall, dass chinesische Hersteller 2025 zum ersten Mal die Top-10 der profitabelsten Autobauer weltweit erreichten.

Luxus-Hersteller: Warum Ferrari die Marge-Königin aller Branchen bleibt

Ferrari ist in einer eigenen Liga. Mit 28,3 Prozent operativer Marge und einem Gewinn von rund 118.000 Euro pro verkauftem Auto verdient die Marke aus Maranello mehr pro Fahrzeug als BMW, Mercedes und VW zusammen. Schließlich verkauft Ferrari bewusst nur etwa 13.000 bis 14.000 Autos pro Jahr – obwohl die Nachfrage problemlos doppelt so hoch wäre. Die künstliche Verknappung ist Ferraris wichtigster Margen-Treiber.

Drei Strukturen machen Ferraris Preismacht möglich. Erstens das Anwartschafts-Prinzip: Wer einen Ferrari Daytona SP3 oder einen LaFerrari kaufen will, muss zuerst mehrere „normale“ Ferraris besessen haben und persönlich von Maranello eingeladen werden. Folglich entsteht eine Wartelistenkultur, in der Käufer für das Privileg dankbar sind, überhaupt kaufen zu dürfen. Zweitens das Rabatt-Verbot: Ferrari gibt grundsätzlich keine Rabatte – nicht einmal F1-Fahrern. Drittens die Lizenz- und Merchandising-Einnahmen: Etwa 10 Prozent des Ferrari-Umsatzes kommen aus Logo-Lizenzen für Mode, Uhren und Zubehör.

Porsche ist der zweite große Luxus-Profiteur mit etwa 18.000 Euro Gewinn pro Auto. Mit dem 911, dem Cayenne und dem Taycan/Macan Electric hat Porsche eine breitere Modellpalette als Ferrari, dafür aber niedrigere Margen pro Fahrzeug. Insbesondere die SUV-Modelle Cayenne und Macan generieren etwa 55 Prozent des Konzern-Volumens und tragen den Hauptgewinn. Allerdings ist die Marge auch bei Porsche von 18,0 Prozent (2023) auf 14,1 Prozent (2024) gefallen – die Elektro-Transformation belastet die Kassen.

Lamborghini, Bentley, Rolls-Royce und Bugatti veröffentlichen keine eigenen Margen-Zahlen, weil sie als Töchter größerer Konzerne (VW-Gruppe bzw. BMW) in den Konzern-Bilanzen versteckt sind. Schätzungen der Branchenanalysten gehen aber von 20-25 Prozent Marge für Lamborghini, 8-12 Prozent für Bentley und über 15 Prozent für Rolls-Royce aus. Aston Martin und McLaren sind als unabhängige britische Hersteller hingegen schwer profitabel – beide haben in den letzten Jahren Verluste eingefahren und mussten Notfinanzierungen organisieren.

Toyota Hilux BEV
Toyota Hilux BEV

Toyota: Der profitabelste Volumen-Hersteller der Welt

Toyota nimmt 2025 eine einzigartige Position ein. Mit 8,4 Prozent EBIT-Marge und 2.925 Euro Gewinn pro Auto erzielt der japanische Konzern fast doppelt so hohe Margen wie der VW-Konzern – und das bei der weltweit höchsten Stückzahl von 7,1 Millionen verkauften Fahrzeugen pro Jahr. Schließlich kombiniert Toyota drei strategische Vorteile, die kein anderer Volumen-Hersteller in dieser Konsequenz umsetzt.

Erstens die Hybrid-Strategie. Während europäische Hersteller alles auf reine Elektrofahrzeuge setzen, fährt Toyota mit Hybrid-Modellen die mit Abstand profitabelste Antriebsart. Schließlich kostet ein Hybrid-Antrieb in der Produktion nur etwa 60 Prozent eines reinen Elektroantriebs, bringt aber Premium-Aufpreise gegenüber reinen Verbrennern. Zweitens die Kaizen-Produktion: Toyotas Lean-Manufacturing-System reduziert Fertigungskosten um schätzungsweise 8 bis 12 Prozent gegenüber europäischen Wettbewerbern. Drittens die globale Diversifikation: Toyota verkauft erfolgreich in Japan, Nordamerika, Europa, Asien und Afrika – kein einzelner Markt kann die Konzernbilanz so empfindlich treffen wie bei VW.

Für deutsche Käufer ist Toyota damit eine ehrliche Wertversprechung. Wer einen Toyota C-HR+, einen Toyota Hilux BEV oder den neuen Toyota Urban Cruiser kauft, bekommt einen Hersteller mit stabiler finanzieller Lage, langfristigem Modell-Commitment und der branchenweit besten Garantie-Politik (10 Jahre auf Batterie). Insbesondere im 2026er-Vergleich mit deutschen Marken steht Toyota deshalb für viele Käufer besser da als noch vor zwei Jahren.

Tesla Model X
Tesla Model X

Tesla: Vom Hoch-Margen-Star zum durchschnittlichen Hersteller

Tesla erlebt den dramatischsten Margen-Verfall der gesamten Autobranche. Im Jahr 2021 verdiente Tesla noch rund 5.894 Euro pro Auto bei 17 Prozent EBIT-Marge – damals der profitabelste Massenhersteller der Welt. Bis Q1-Q3 2025 ist die Marge auf 4,2 Prozent gefallen, der Gewinn pro Auto auf nur noch 2.177 Euro. Demnach hat Tesla in vier Jahren rund zwei Drittel seiner ursprünglichen Profitabilität verloren.

Drei Ursachen treiben den Margen-Rückgang. Erstens die Preissenkungen: Tesla hat zwischen 2023 und 2025 die Listenpreise um durchschnittlich 18 Prozent reduziert, um Marktanteile gegen BYD und chinesische Wettbewerber zu verteidigen. Zweitens die alternde Modellpalette: Das Model 3 ist von 2017, das Model Y von 2020 – beide Modelle erhielten zwar Facelifts (Highland, Juniper), aber die Grund-Architektur ist veraltet. Drittens die Investitionen in Cybercab und Optimus: Tesla pumpt aktuell Milliarden in Robotaxis und humanoide Roboter, die noch keine Umsätze generieren.

Für deutsche Käufer bedeutet das: Tesla ist 2025 nicht mehr der überlegene Hersteller, sondern ein normaler Premium-Wettbewerber unter vielen. Allerdings hat Tesla weiterhin zwei einzigartige Vorteile: das Supercharger-Netzwerk und die OTA-Software-Updates. Folglich bleibt Tesla besonders für Vielfahrer und Software-orientierte Käufer attraktiv – auch wenn die Margen-Krone abgegeben wurde.

Was dein konkretes Auto den Hersteller verdienen lässt

Hier wird die abstrakte Marge konkret. Diese Tabelle zeigt, wie viel der Hersteller verdient, wenn du heute ein typisches Auto deiner Lieblings-Marke in Deutschland kaufst. Allerdings basieren die Berechnungen auf den durchschnittlichen Konzern-Margen – einzelne Modelle können deutlich höhere oder niedrigere Margen haben.

Beispiel-AutoListenpreisKonzern-MargeHersteller-Gewinn
VW ID.Polo Pro S28.990 €2,3 %ca. 667 €
Toyota C-HR+ Teamplayer45.990 €8,4 %ca. 3.863 €
BMW iX1 xDrive3056.500 €8,6 %ca. 4.859 €
Mercedes EQE 350+67.500 €4,4 %ca. 2.970 €
Tesla Model Y Long Range46.990 €4,2 %ca. 1.974 €
BYD Atto 3 Comfort28.990 €5,0 %ca. 1.450 €
Porsche Macan Electric84.100 €14,1 %ca. 11.858 €
Ferrari Roma Spider280.000 €28,3 %ca. 79.240 €

Quelle: Eigene Berechnung auf Basis aktueller deutscher Listenpreise und Konzern-EBIT-Margen 2025. Tatsächliche Margen je Modell variieren stark.

Demnach ergeben sich überraschende Erkenntnisse. Beim Porsche Macan Electric verdient der Stuttgarter Hersteller mit 11.858 Euro mehr Gewinn als VW an 14 verkauften ID.Polos zusammen. Beim Ferrari Roma Spider entspricht der Hersteller-Gewinn von 79.240 Euro fast dem Gesamtpreis eines neuen BMW iX1. Außerdem zeigt sich, warum Premium-Hersteller bei Rabatten flexibler sind: Bei 11.858 Euro Marge kann Porsche 3.000 Euro Rabatt verkraften, ohne in Verlust zu rutschen. Bei VW mit nur 667 Euro Marge ist jeder Rabatt schmerzhaft.

Warum Margen unterschiedlich sind: Marken, Skaleneffekte, Rabatte

Die enormen Margen-Unterschiede zwischen Ferrari (28 %) und Stellantis (negativ) haben strukturelle Gründe. Vier Faktoren bestimmen, wie viel ein Autohersteller pro Fahrzeug verdient – und keiner dieser Faktoren ist kurzfristig veränderbar.

Erstens die Markenmacht. Ein Ferrari-Logo ist laut Brand-Analytics rund 15 Milliarden Dollar wert. Folglich akzeptieren Käufer ohne Murren Aufpreise, die bei einer Volumen-Marke undenkbar wären. Zweitens die Skaleneffekte. Toyota produziert mit 7,1 Millionen Autos pro Jahr in viermal so vielen Werken wie BMW – die Stückkosten sinken überproportional. Drittens die vertikale Integration. BYD und Tesla produzieren Batteriezellen, Elektromotoren und Software selbst, während VW, BMW und Mercedes diese Komponenten von externen Zulieferern beziehen und so etwa 20 Prozent zusätzliche Zulieferer-Marge zahlen.

Viertens die Modellpolitik. Hersteller mit breiten Antriebs-Portfolios (Toyota: Hybrid, Verbrenner, Wasserstoff, Elektro) sind flexibler als reine Elektro-Anbieter (Tesla, BYD im Westen). Allerdings haben reine Elektro-Hersteller wiederum Vorteile bei den Forschungskosten, weil sie nicht parallel mehrere Antriebsplattformen weiterentwickeln müssen. Insbesondere die deutschen Hersteller leiden 2025 unter dieser Mehrfach-Belastung: VW, BMW und Mercedes müssen gleichzeitig Verbrenner-Modelle pflegen UND Elektro-Plattformen entwickeln.

Was die Marge für dich als Käufer wirklich bedeutet

Die Hersteller-Marge ist ein direktes Indiz für deinen Verhandlungsspielraum beim Händler. Folglich gelten als grobe Faustregel folgende drei Bereiche.

Erstens: Bei Premium- und Luxus-Marken (BMW, Mercedes, Porsche, Ferrari) hat der Händler mehr Spielraum – Hersteller-Margen über 8 Prozent erlauben Rabatte von 5 bis 15 Prozent ohne Konzern-Schaden. Insbesondere bei Auslaufmodellen, Vorführwagen und Lagerfahrzeugen kannst du hier deutlich verhandeln. Zweitens: Bei Volumen-Marken mit dünnen Margen (VW, Renault, Stellantis-Marken) ist der Verhandlungsspielraum minimal – meist nur 2 bis 5 Prozent Rabatt. Allerdings kompensieren diese Hersteller durch attraktive Leasing-Konditionen, Inzahlungnahme-Boni und Finanzierungs-Subventionen. Drittens: Bei chinesischen Marken (BYD, Leapmotor, MG) gibt es während der Markteintrittsphase besonders attraktive Konditionen – die Hersteller akzeptieren bewusst niedrige Margen, um Marktanteile aufzubauen.

Zudem beeinflusst die Marge den Wiederverkaufswert. Schließlich können hochmargige Hersteller wie Toyota und Porsche Modelle länger ohne Preissenkungen halten, weil sie nicht jeden verkauften Wagen mit einem Konzern-Rabatt subventionieren müssen. Folglich verlieren ihre Modelle weniger Wert. Bei niedrigmargigen Herstellern wie VW oder Stellantis hingegen werden Modelle häufiger mit Rabatten verkauft, was den Restwert drückt. Mehr zur konkreten Wertverlust-Frage findest du in unserem Wertverlust-Schnäppchen-Ratgeber.

Wer überlebt die Konsolidierungswelle 2026-2030?

CAM-Studienleiter Stefan Bratzel spricht von einem „darwinistischen Selektionsprozess“ – nicht alle aktuell aktiven Autohersteller werden 2030 noch existieren. Drei Gruppen lassen sich nach den Marge-Daten 2025 klar identifizieren.

Die wahrscheinlichen Gewinner: Toyota, BMW, Porsche, Ferrari, BYD und Hyundai. Schließlich kombinieren alle sechs Hersteller positive Margen mit großem Stückzahl-Volumen oder hochmargigem Premium-Geschäft. Insbesondere Toyota wird die nächsten zehn Jahre die globale Marktführerschaft behaupten – die Kombination aus Hybrid-Profitabilität und massiver Skalen-Diversifizierung ist von keinem Wettbewerber kopierbar.

Die Wackelkandidaten: VW-Konzern, Mercedes-Benz, Tesla, Ford und General Motors. Alle fünf Konzerne haben strukturelle Probleme – sei es die China-Schwäche (VW, Mercedes), die alternde Modellpalette (Tesla, Ford) oder die Investitions-Last der Elektro-Transformation. Allerdings haben alle fünf auch genug Substanz, um die Konsolidierung zu überstehen, sofern die Restrukturierungen erfolgreich sind.

Die wahrscheinlichen Verlierer: Stellantis (Fiat, Peugeot, Citroën, Opel, Chrysler, Maserati), Nissan und kleine Sportwagen-Hersteller wie Aston Martin und McLaren. Stellantis ist 2025 in einer Profitabilitäts-Krise mit negativen Margen in mehreren Quartalen. Nissan steht ebenfalls vor einer existenziellen Bedrohung und führt Fusions-Gespräche mit Honda. Folglich solltest du bei einem geplanten Kauf eines Stellantis- oder Nissan-Fahrzeugs die langfristige Marken-Zukunft kritisch hinterfragen.

Empfehlung: Wie du die Marge-Daten für deinen Autokauf nutzt

Nach allen Daten und strukturellen Analysen ist meine Empfehlung an deutsche Käufer 2026 differenziert. Greife zu einem japanischen Hersteller (Toyota, Honda, Mazda), wenn du maximale finanzielle Stabilität, lange Garantien und sichere Wiederverkaufswerte priorisierst. Schließlich hat Toyota mit 8,4 Prozent Marge die nachhaltigste Profitabilität aller Volumen-Hersteller und kann Modelle wie den C-HR+ über zehn Jahre stabil unterstützen.

Greife zu einem deutschen Premium-Hersteller (BMW, Porsche), wenn du Premium-Erlebnis und stabile Wertentwicklung suchst. BMW liegt mit 4.488 Euro Gewinn pro Auto klar vorne und hat die ausgewogenste Antriebs-Strategie aller deutschen Hersteller. Porsche bleibt mit 14,1 Prozent die deutsche Glanzleistung – allerdings im 50.000+ Euro Premium-Segment.

Greife zu einem chinesischen Hersteller (BYD, Leapmotor, MG), wenn du das beste Preis-Leistungs-Verhältnis und moderne Elektro-Technik suchst. Die niedrigen Margen in Deutschland (BYD: 1.103 Euro pro Auto) bedeuten für dich attraktivere Listenpreise. Allerdings musst du die Markenwertstabilität in fünf bis zehn Jahren kritisch einschätzen.

Sei vorsichtig bei VW-Konzern-Modellen unterhalb der Premium-Linie (VW, Seat, Skoda), wenn du auf langfristige Modellpflege Wert legst. Mit nur 819 Euro Marge pro Auto hat der Konzern dramatisch wenig Spielraum für Investitionen in Bestandsmodelle. Insbesondere die Elektro-Transformation könnte zu Modellstreichungen führen. Mehr zur konkreten VW-Krise und ihren Konsequenzen findest du in unserer VW-Krise-2025-Analyse.

Vermeide Stellantis-Marken (Fiat, Peugeot, Citroën, Opel, Chrysler) und Nissan, wenn du in den nächsten Jahren ein Auto über fünf Jahre halten willst. Beide Konzerne sind in einer existenziellen Profitabilitäts-Krise. Schließlich kann ein Hersteller ohne Marge keine Garantieleistungen langfristig finanzieren.

Am Ende gilt: Die Hersteller-Marge ist kein perfekter Indikator für den richtigen Autokauf, aber sie zeigt dir, wer 2030 noch existiert, wie viel Verhandlungsspielraum es beim Händler gibt und wie stabil dein Wiederverkaufswert bleibt. Folglich gehören Margen-Daten für jeden ernsthaften Autokäufer 2026 zur Kaufentscheidung – egal ob bei einem 25.000-Euro-Skoda oder einem 350.000-Euro-Ferrari.


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Letzte Aktualisierung: 12. Mai 2026 · Datenquellen: Center of Automotive Management CAM Q1-Q3 2025 Studie, Ferrari Annual Report 2024, Porsche AG Geschäftsbericht 2024, Auto Motor und Sport, Firmenauto, Elektroauto-News.net, Macrotrends Ferrari, Stand 12. Mai 2026.

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