Airbag nicht ausgelöst, Auto trotzdem Totalschaden: Genau das ist am 15. Oktober einem Xpeng-X9-Fahrer in China passiert. Xpeng sagt, der Crash habe die Auslöseschwelle der Sensoren nicht erreicht. Das klingt nach Ausrede, stimmt aber erstaunlich oft. Denn das Steuergerät misst keinen Blechschaden, sondern wie stark das Auto in den ersten Millisekunden abbremst.
Ich habe Herstellerangaben, US-Unfallforschung, ADAC und die großen Airbag-Rückrufe der letzten Jahre durchgesehen. Du erfährst, wann ein Airbag zünden muss und wann er bewusst still bleibt. Außerdem zeige ich dir, woran du einen echten Defekt erkennst. Und was du in Deutschland tun solltest, bevor dein Wrack beim Verwerter landet.

Xpeng X9: Totalschaden, aber Airbag nicht ausgelöst
Die Geschichte hat CarNewsChina am 26.10.2026 aufgegriffen, sie stammt vom chinesischen Portal Jiemian News. Herr Liu fuhr mit seinem Xpeng X9 über einen Bordstein und verlor die Kontrolle. Danach traf der Van einen Baum und einen Strommast und überschlug sich. Die Front war stark eingedrückt. Zum Glück blieb niemand verletzt.
Die Airbags blieben trotzdem zu. Der Versicherer prüfte das Auto, erklärte es zum Totalschaden und riet zur Verschrottung. Liu hatte den X9 vor rund zwei Jahren für knapp 500.000 Yuan gekauft. Sein Urteil: Das sei „überhaupt nicht beruhigend“. Wann sollen die Airbags denn auslösen, wenn nicht in so einer Lage?
Xpeng antwortete dem Reporter per E-Mail. Laut Daten und Fahrvideo fuhr der X9 im manuellen Modus. Der Fahrer habe weiter Gas gegeben und vor dem Aufprall scharf gelenkt. Der Unfall habe „die Auslöseschwelle der Airbag-Sensoren nicht erreicht“. Ein unabhängiges Gutachten hat Xpeng zugesagt. Ein Ergebnis gibt es noch nicht.
Betrifft das auch den X9 in Deutschland?
Den X9 verkauft Xpeng seit Juni 2026 auch bei uns, laut CnEVPost zusammen mit sechs weiteren Ländern in Europa. Xpeng wirbt dabei mit fünf Sternen bei Euro NCAP. Ob die Europa-Version dasselbe Steuergerät und dieselbe Software nutzt wie Lius Auto, hat Xpeng nicht gesagt. Das ist also noch nicht bekannt.
Varianten und Preise findest du in meiner Kaufberatung zum Xpeng X9. Hier geht es um die größere Frage. Warum bleibt ein Airbag nach einem schweren Unfall still?
So entscheidet das Steuergerät in 15 Millisekunden
Ein Airbag reagiert nicht auf Blech, sondern auf Verzögerung. Sensoren messen, wie schnell das Auto langsamer wird und aus welcher Richtung die Kraft kommt. Das Steuergerät berechnet daraus die Änderung der Geschwindigkeit. Erst wenn das Muster zu einem schweren Crash passt, zündet es.
Das geht absurd schnell. Laut Eurotransport melden die Sensoren den Aufprall nach etwa 3 Millisekunden. Nach rund 15 Millisekunden steht die Entscheidung fest. Bei 20 Millisekunden zündet der Gasgenerator, nach etwa 40 Millisekunden ist der Fahrerairbag voll. Der Kopf trifft ihn nach rund 60 Millisekunden.
mobile.de nennt leicht andere Werte: Zündung binnen 30, voll nach 55 Millisekunden. Die Größenordnung bleibt gleich. Ein Wimpernschlag dauert länger.
Sensoren, Schwellen und der Crashpuls
Moderne Systeme verlassen sich nicht auf einen einzigen Sensor. Laut mobile.de stecken immer mindestens zwei im System, dazu ein Sicherheitssensor gegen Fehlzündungen. In den Türen messen oft Drucksensoren den Seitenaufprall. Bosch wertet in der zwölften Generation seiner Steuergeräte Daten von bis zu 18 externen Sensoren aus. Ein Gerät kann laut Bosch bis zu 48 Schutzsysteme zünden, also Airbags, Gurtstraffer und Fußgängerschutz.
Entscheidend ist der Crashpuls, also der Verlauf der Verzögerung über die Zeit. Ein kurzer, harter Stoß gegen eine Wand erzeugt einen steilen Puls. Ein langer, weicher Crash verteilt die Energie dagegen über mehr Zeit. Das Auto kann dabei völlig zerknautscht sein, obwohl die Spitzenwerte niedrig bleiben. Deshalb ist der Schaden ein schlechter Maßstab. Laut Kia hängt die Auslösung von Stärke, Tempo und Winkel des Aufpralls ab.
Gurtstraffer zuerst, Airbag später
Der Gurt ist das wichtigste Schutzsystem, der Airbag ergänzt ihn nur. Deshalb haben Gurtstraffer laut SEAT eine niedrigere Auslöseschwelle als der Frontairbag. Sie können also bei einem Unfall zünden, der für den Airbag zu leicht ist.
Die US-Unfallforscher vom IIHS beschreiben einen ähnlichen Effekt beim Frontairbag. Ohne Gurt zündet er typischerweise schon bei einem Aufprall wie gegen eine starre Wand mit etwa 16 bis 19 km/h. Mit angelegtem Gurt liegt die Schwelle meist bei rund 26 km/h. Der Grund: Angeschnallte Menschen schützt bei mittlerem Tempo schon der Gurt.
Für dich heißt das: Haben die Gurtstraffer gezündet, der Airbag aber nicht, hat das System reagiert. Es hat sich nur gegen den Airbag entschieden. Das spricht eher für Absicht als für einen Totalausfall.

Warum der Airbag nicht ausgelöst hat, obwohl das Auto Schrott ist
Kia listet in seinen Bedienungsanleitungen klar auf, wann Airbags nicht zünden. Die US-Behörde NHTSA sagt im Kern dasselbe: Airbags sind nicht dafür gedacht, bei jedem Unfall auszulösen. Mehrere Punkte passen auffällig gut zum X9.
Baum und Mast: Warum der Airbag nicht reagiert
Ein Pfahl oder Baum trifft das Auto auf einer schmalen Fläche. Laut Kia bekommen die Sensoren dann nicht die volle Kraft des Aufpralls ab. Die Front faltet sich um das Hindernis herum, der Wagen bremst länger und weicher ab. Das Blech sieht danach furchtbar aus. Trotzdem kann der Messwert unter der Schwelle bleiben.
Beim Seitenairbag ist es fast umgekehrt. Hier liegt die Schwelle laut IIHS bei schmalen Objekten wie Bäumen und Masten teils schon bei etwa 13 km/h. Gegen ein anderes Auto zündet er dagegen erst ab rund 29 km/h.
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- Unterfahren: Nach einer Vollbremsung taucht die Front unter ein höheres Fahrzeug. Laut Kia messen die Sensoren dann womöglich zu wenig Kraft.
- Schräger Aufprall: Die Insassen bewegen sich dorthin, wo der Frontairbag nicht hilft. Laut Luxemburgs Rettungsdienst CGDIS zünden moderne Frontairbags ab etwa 30 km/h, auch bei bis zu 30 Grad Versatz.
- Überschlag: Frontairbags lösen dabei oft nicht aus. Im Handbuch des Kia Sorento steht sogar, das Auto könne einen Überschlag nicht erkennen. Andere Autos haben dafür eigene Sensoren. Laut IIHS messen sie Neigung und Querbewegung und zünden die Kopfairbags binnen 10 bis 20 Millisekunden.
- Heck und Folgestöße: Beim Heckaufprall sind Frontairbags gar nicht vorgesehen. Bei mehreren Stößen hintereinander, etwa in einer Massenkarambolage, kannst du laut Kia nicht auf Schutz bei jedem Stoß setzen.
Der X9-Unfall vereint gleich mehrere dieser Punkte: Bordstein, Baum, Mast und dann der Überschlag. Das macht die Erklärung von Xpeng plausibel. Beweisen kann sie aber nur das Gutachten.
Welcher Airbag wann zündet: die Übersicht
| Schutzsystem | Typischer Auslösefall | Typischer Fall ohne Auslösung | Quelle |
|---|---|---|---|
| Fahrer- und Beifahrerairbag | frontal oder bis 30 Grad schräg ab rund 30 km/h; angeschnallt gegen starre Wand ab rund 26 km/h | Heckaufprall, leichter Crash, Seitenaufprall, oft Überschlag, Pfahl | CGDIS, IIHS, Kia |
| Seitenairbag | Seitenaufprall; gegen Pfahl oder Baum teils ab etwa 13 km/h, gegen ein Auto ab rund 29 km/h | Frontalcrash ohne seitliche Kraft | IIHS |
| Kopf- oder Vorhangairbag | Seitenaufprall; mit Überschlagsensor auch beim Überschlag, binnen 10 bis 20 ms | Überschlag in Autos ohne Überschlagsensor | IIHS, Kia |
| Gurtstraffer | auch bei Unfällen unterhalb der Airbag-Schwelle | keine allgemeine Angabe | SEAT |
| Beifahrerairbag abgeschaltet | gar nicht, etwa mit Reboard-Kindersitz vorn | jeder Unfall, das ist so gewollt | ADAC über mobile.de |
Wichtig: Das sind Richtwerte aus US-Crashforschung und Herstellerangaben. Jeder Hersteller stimmt seine Schwellen selbst ab. Die km/h-Werte meinen zudem einen Aufprall gegen ein starres Hindernis, nicht die Zahl auf dem Tacho. Gegen ein parkendes, ähnlich großes Auto entspricht die Front-Schwelle laut NHTSA etwa 26 bis 45 km/h.
Defekt statt Absicht: Wenn der Airbag nicht auslösen konnte
Nicht jeder stille Airbag ist eine bewusste Entscheidung. Es gibt echte Defekte, und sie haben Millionen Autos in die Werkstatt geholt. Dabei lohnt es sich, zwei Fehlerarten zu trennen. Entweder zündet gar nichts. Oder der Airbag zündet, wird aber selbst zur Gefahr.
ZF-TRW: Wenn das Steuergerät nicht zündet
Im April 2019 weitete die NHTSA eine Untersuchung auf bis zu 12,3 Millionen Autos aus. Betroffen waren zehn Marken mit Baujahren ab 2009, darunter Honda, Hyundai, Kia, Jeep, Fiat und Toyota. Laut The Drive konnten elektrische Störsignale das Airbag-Steuergerät von ZF-TRW überlasten. Dann drohten Front- und Seitenairbags und auch die Gurtstraffer auszufallen. Die Behörde prüfte acht Todesfälle, die damit zusammenhängen könnten.
Genau das ist der Fall, vor dem Liu Angst hat. Das System will zünden, kann aber nicht.
Takata und ARC: Wenn der Gasgenerator platzt
Takata ist das bekanntere Beispiel, doch das Problem ist ein anderes. Laut NHTSA zersetzt sich das Treibmittel nach Jahren mit Hitze und Feuchte. Es brennt dann zu schnell ab, das Gehäuse platzt und schleudert Metallteile in den Innenraum. In den USA zählt die Behörde 28 bestätigte Tote, rund 67 Millionen Airbags stehen dort im Rückruf.
Auch Europa ist betroffen. Citroën rief Mitte Juni 2025 nach einem tödlichen Unfall in Frankreich etwa 441.000 C3 und DS3 zurück. In den betroffenen Märkten sollten die Besitzer gar nicht mehr fahren. Später kam laut auto motor und sport der C4 der Baujahre 2009 bis 2013 dazu, davon 12.361 Autos in Deutschland. Hierzulande gilt allerdings kein solcher Stopp, die Rückrufe laufen regulär.
Beim US-Zulieferer ARC verlangte die NHTSA im September 2023 den Rückruf von 52 Millionen Gasgeneratoren. Sie stecken in Autos aus den Jahren 2000 bis Anfang 2018.
Checkliste: Airbag nicht ausgelöst, Defekt oder Absicht?
| Hinweis | Spricht eher für Absicht | Spricht eher für einen Defekt |
|---|---|---|
| Airbag-Warnleuchte vor dem Unfall | war aus | leuchtete schon vorher oder flackerte |
| Gurtstraffer | haben gezündet | haben auch beim harten Frontalcrash nicht reagiert |
| Art des Unfalls | Baum, Mast, Unterfahren, Heck, Überschlag, schräg | gerader Frontalcrash gegen Wand oder Auto |
| Fehlerspeicher | keine Fehler im Airbag-System | Fehler im Zündkreis oder im Steuergerät |
| Rückrufe | keiner offen | offener Rückruf für Steuergerät oder Gasgenerator |
| Vorgeschichte | Originalteile, kein Vorschaden | Airbag nach Altunfall nie ersetzt, Lücken im Scheckheft |
| Beifahrerseite | Airbag bewusst abgeschaltet | Schalter auf „an“, trotzdem keine Zündung |
Keine Zeile beweist allein etwas. Eine Warnleuchte bedeutet laut mobile.de auch nicht immer einen Defekt, oft steckt eine schwache Batterie dahinter. Mehrere Treffer in der rechten Spalte sind aber ein klares Signal für ein Gutachten. Für Gebrauchtkäufer ist zudem ein Punkt der NHTSA wichtig: Manchmal hat ein Vorbesitzer einen gezündeten Airbag nie ersetzt.
Die Blackbox im Auto: Was der Unfalldatenspeicher weiß
Seit dem 6. Juli 2022 brauchen neue Pkw-Typen in der EU einen Event Data Recorder. Seit dem 7. Juli 2024 gilt das für jeden neu zugelassenen Pkw und leichten Transporter. Grundlage ist die EU-Verordnung 2019/2144. Laut ADAC sitzt der Speicher meist im Airbag-Steuergerät. Dort laufen ohnehin alle Crashdaten zusammen.
Der spannende Punkt: Der EDR speichert schon, wenn sich das Tempo binnen 150 Millisekunden um mehr als 8 km/h ändert. Das liegt deutlich unter den Werten, ab denen ein Frontairbag zündet. Ein Unfall mit Totalschaden dürfte also fast immer Daten hinterlassen, auch ohne Airbag. Genau diese Daten zeigen später, wie hart der Crash wirklich war.
| Zeitraum oder Bereich | Was der EDR laut ADAC aufzeichnet |
|---|---|
| 5 Sekunden vor dem Crash | Tempo, Gaspedal, Bremse, Lenkwinkel, Drehzahl, Eingriffe von ABS und ESP |
| Crash bis 300 ms danach | Änderung des Tempos in Längs- und Querrichtung |
| Schutzsysteme | Gurtstatus vorn, Airbag-Warnleuchte, Zündzeitpunkt von Front-, Seiten- und Kopfairbags |
| Nicht gespeichert | personenbezogene Daten wie die vollständige FIN |
Die Daten bleiben im Auto, es gibt keine Übertragung per Funk. Ein Gutachter liest sie über die OBD-Buchse aus. Ist die Buchse beim Unfall kaputtgegangen, geht es direkt am Airbag-Steuergerät. Laut ADAC geschieht das meist auf Anordnung von Gericht oder Staatsanwaltschaft.
Airbag nicht ausgelöst: Was du in Deutschland tun solltest
Ich bin kein Anwalt, das hier ist keine Rechtsberatung. Aber die Reihenfolge der Schritte entscheidet oft, ob du später überhaupt etwas beweisen kannst. Wenn der Airbag nicht ausgelöst hat und du zweifelst, zählt jeder Tag.
Die ersten Tage nach dem Unfall
- Fotos machen: Unfallstelle, Hindernis, Innenraum, Lenkrad und Armaturenbrett. Leuchten im Display Warnungen, fotografiere auch die.
- Wrack sichern: Verkauf es nicht an einen Restwerthändler und lass es nicht verschrotten, solange die Frage offen ist. Mit dem Wrack verschwindet sonst auch das Steuergerät samt Crashdaten.
- Finger weg vom Steuergerät: Lass keine Werkstatt ohne Protokoll daran arbeiten. Jeder Eingriff ohne Dokumentation schwächt später die Beweiskraft.
- Gutachter holen: Ein unabhängiger Sachverständiger, etwa von DEKRA oder TÜV, sollte das Steuergerät dokumentiert auslesen. Frag vorher nach Erfahrung mit Crashdaten.
- Rückrufe prüfen: Gib die FIN in der Rückrufdatenbank des KBA ein.
Versicherung, Hersteller und KBA: Wen du informieren musst
Melde den Unfall sofort deiner Versicherung, so wie es dein Vertrag verlangt. Sag dabei klar, dass der Airbag nicht ausgelöst hat und du das Wrack als Beweis brauchst. Für die Regulierung in der Kasko spielt der Airbag in der Regel keine Rolle.
Schreib parallel dem Hersteller, am besten per Einschreiben. Fordere die Auswertung der Crashdaten und eine schriftliche Begründung an. Xpeng hat Liu ein unabhängiges Gutachten zugesagt. Diesen Maßstab solltest du bei jeder Marke verlangen.
Beim KBA meldest du den Fall über den Mangelmelder online. Alternativ geht es per Post an: Kraftfahrt-Bundesamt, Abteilung Marktüberwachung, Stichwort „Mangelmeldung“, Fördestraße 16, 24944 Flensburg. Das KBA will FIN, Kilometerstand, Wartung, Vorschäden, Umbauten, eine Beschreibung und Fotos. Es prüft Fälle mit öffentlichem Interesse, also Gefahren für viele Fahrer. 2022 führte das zu rund 900 Untersuchungen und 522 Rückrufen mit 3 Millionen Autos. Bei deinem persönlichen Anspruch hilft das KBA aber nicht.
Produkthaftung und Gewährleistung: Was rechtlich geht
Jetzt kommt der Teil, der weh tut. Das Produkthaftungsgesetz deckt Sachschäden nur an anderen Sachen ab, nicht am fehlerhaften Produkt selbst. Den Schaden am Auto bekommst du darüber also nicht. Bei Verletzungen sieht das anders aus. Für beschädigte Dinge im Auto, etwa Laptop oder Kindersitz, trägst du die ersten 500 Euro selbst.
Der Anspruch verjährt drei Jahre, nachdem du von Schaden, Fehler und Hersteller weißt. Zehn Jahre nach dem Inverkehrbringen erlischt er ganz. Laut IHK Hannover soll ab dem 9. Dezember 2026 ein neues Gesetz gelten. Es streicht die 500 Euro und erlaubt Gerichten, Hersteller zur Herausgabe von Beweisen zu verpflichten. Das gilt aber nur für Produkte, die ab diesem Tag in Verkehr kommen.
Für das Auto selbst bleibt die Gewährleistung gegen den Händler. Sie läuft zwei Jahre, auch beim Gebrauchten, außer der Vertrag verkürzt sie ausdrücklich auf ein Jahr. Seit dem 1. Januar 2022 gilt: In den ersten zwölf Monaten muss der Händler beweisen, dass der Mangel beim Kauf fehlte. Danach liegt die Last bei dir. Für ein Auto wie das von Liu, nach zwei Jahren, wäre das schon knapp. Prüf früh, ob deine Rechtsschutzversicherung Verkehrsrecht abdeckt, und hol dir einen Fachanwalt.
Junge Marken, alte Frage: Wem vertraust du nach dem Crash?
Der Fall trifft einen Nerv, weil Xpeng in Europa noch Vertrauen aufbauen muss. Im Juli 2026 rief Xpeng in China 33.473 X9 wegen der vorderen Luftfedern zurück. Zuvor hatten Besitzer über Ausfälle der Luftfederung bei Hitze geklagt. Mit den Airbags hat das nichts zu tun. Trotzdem lesen Käufer solche Meldungen nebeneinander.
Fair bleiben muss man aber auch. Das Argument „Schwelle nicht erreicht“ ist keine chinesische Erfindung. Die Anleitung von Kia und die Hinweise der NHTSA sagen im Kern dasselbe.
Was ich von jungen Marken erwarte, ist simpel. Sie sollen Crashdaten schnell offenlegen, einen Gutachter nach Wahl des Kunden akzeptieren und einen klaren Ansprechpartner in Deutschland nennen. Ob Xpeng das hier leistet, ist noch nicht bekannt. Wie es um die Qualität chinesischer Autos insgesamt steht, zeigt mein Blick auf die TÜV-Daten zu chinesischen Autos.
Mein Rat: Airbag nicht ausgelöst heißt nicht automatisch Defekt
Erstens: Schließ nicht vom Blechschaden auf den Airbag. Ein zerknautschtes Auto nach Baum, Mast und Überschlag kann völlig korrekt reagiert haben. Ein gerader Frontalcrash mit hohem Tempo und stillem Airbag ist dagegen ein Alarmsignal.
Zweitens: Sichere das Wrack, bevor du über Geld redest. Der Datenspeicher ist dein einziger neutraler Zeuge. Liegt das Steuergerät erst beim Verwerter, bleibt die Frage für immer offen.
Drittens, beim Autokauf: Leuchtet die Airbag-Warnleuchte dauerhaft, lass den Fehlerspeicher auslesen. Prüf beim Gebrauchten die FIN in der Rückrufdatenbank und frag nach Unfällen mit Airbag-Tausch. Finger weg von gebrauchten Steuergeräten oder billigen Airbags aus dem Netz. Laut IIHS können gefälschte Airbags im Ernstfall versagen.
Und wenn du die Wahl hast, schau auf die Crashtests. Wer wissen will, welches E-Auto dabei pro Euro am meisten bietet, findet das im Euro-NCAP-Ranking nach Preis. Unterm Strich gilt: Wenn der Airbag nicht ausgelöst hat, ist das erst einmal eine Frage, kein Urteil. Die Antwort steckt im Steuergerät, also lass es niemanden vorher wegwerfen.
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Über den Autor: Amit Ahirrao ist professioneller Präzisionsfahrer und Gründer von AutoColumn. Er schreibt über Elektroautos, Fahrzeugsicherheit und die Fragen, die nach einem Unfall wirklich zählen.

Letzte Aktualisierung: 27.10.2026
Quellen anzeigen (21)
Letzte Aktualisierung: 27.10.2026 · Datenquellen: CarNewsChina: Xpeng X9 airbags stay silent in crash (26.10.2026), CnEVPost: Xpeng X9 in sieben europäischen Ländern (16.06.2026), Eurotransport: Der Airbag, mobile.de: Was du zum Airbag wissen solltest, auto motor und sport: Bosch erklärt Airbag-Steuergeräte, Bosch Presse: The right decision in milliseconds, Kia Bedienungsanleitung: Airbag-Auslösung, IIHS: Airbags, NHTSA: Air Bags, SEAT: Gurtstraffer, CGDIS Luxemburg: Frontairbag, The Drive: NHTSA-Untersuchung ZF-TRW (27.04.2019), NHTSA: Takata Recall Spotlight, auto motor und sport: Stop-Drive-Aktion Takata, Insurance Journal: ARC-Gasgeneratoren (06.09.2023), ADAC: Event Data Recorder, Elektroniknet: EDR-Pflicht, auto motor und sport: KBA-Mangelmelder, Gesetze im Internet: Produkthaftungsgesetz, IHK Hannover: Neues Produkthaftungsgesetz, Auto Bild: Gewährleistung und Beweislastumkehr
Nicht unbedingt. Das Steuergerät misst die Verzögerung in den ersten Millisekunden, nicht den Blechschaden. Bei Baum, Mast, Unterfahren, Heckaufprall oder Überschlag kann der Messwert unter der Auslöseschwelle bleiben, obwohl das Auto Schrott ist. Ob ein Defekt vorliegt, klärt erst ein Gutachter mit den Crashdaten.
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Ein Baum oder Mast trifft das Auto auf einer schmalen Fläche. Die Front faltet sich um das Hindernis, das Auto bremst länger und weicher ab. Laut Kia bekommen die Sensoren dann nicht die volle Kraft des Aufpralls ab und bleiben womöglich unter der Schwelle.
Bei Neuwagen ab dem 7. Juli 2024 ja, in der Regel. Der Event Data Recorder speichert laut ADAC schon ab einer Tempoänderung von mehr als 8 km/h binnen 150 Millisekunden. Er sichert 5 Sekunden vor und 300 Millisekunden nach dem Crash, etwa Tempo, Bremse, Lenkwinkel und Gurtstatus.
Wrack nicht verkaufen oder verschrotten, damit das Steuergerät mit den Crashdaten erhalten bleibt. Fotos machen, Versicherung informieren und einen unabhängigen Gutachter das Steuergerät dokumentiert auslesen lassen. Zusätzlich die FIN in der KBA-Rückrufdatenbank prüfen, den Hersteller schriftlich anschreiben und den Fall beim KBA-Mangelmelder melden.
Für den Schaden am Auto selbst nicht, denn das Produkthaftungsgesetz deckt nur Personenschäden und Schäden an anderen Sachen ab. Bei Sachschäden trägst du bisher die ersten 500 Euro selbst. Für das Auto bleibt die Gewährleistung gegen den Händler, die in der Regel zwei Jahre läuft.







