Die Alpine A390 ist das aufregendste Elektroauto, das 2026 aus Frankreich kommt. Ein Sport-Fastback mit drei Motoren, Allradantrieb, Torque Vectoring und Driftmodus – verpackt in ein Design, das an die legendäre A310 aus den 1970ern erinnert. Ab 67.500 Euro startet der GT mit 400 PS. Für 78.000 Euro gibt es den GTS mit 470 PS. Beide Versionen teilen sich die 89-kWh-Batterie und bis zu 551 km WLTP-Reichweite.
In dieser Kaufberatung analysiere ich als Automobilingenieur beide Varianten im Detail: Welche Version lohnt sich wirklich, wie schlägt sich die A390 gegen Kia EV6 GT, Tesla Model Y Performance und Polestar 4 – und warum der GT als Firmenwagen ein steuerliches Schnäppchen ist.

Was ist die Alpine A390 überhaupt?
Alpine ist die Sportwagenmarke von Renault. Gegründet 1955 von Jean Rédélé, wurde sie durch die A110 und A310 in den 1960er und 1970er Jahren zur französischen Antwort auf Porsche. Nach Jahrzehnten in der Versenkung hat Renault die Marke 2017 wiederbelebt. Seitdem baut Alpine exklusive Sportwagen mit Motorsport-DNA.
Die A390 ist das zweite Elektromodell nach der kleinen A290 (basierend auf dem Renault 5). Alpine nennt sie einen „Sport Fastback“ – also eine Mischung aus Coupé, Crossover und Kombi. Mit 4,62 Metern Länge und fünf Sitzplätzen ist sie deutlich alltagstauglicher als die zweisitzige A110. Gefertigt wird sie im Stammwerk Dieppe in der Normandie, die Elektromotoren kommen aus dem Renault-Werk Cléon.
Technisch basiert die A390 auf der AmpR-Medium-Plattform, die auch der Renault Scenic und der Nissan Ariya nutzen. Das klingt zunächst wenig aufregend. Allerdings hat Alpine die Plattform massiv verändert: drei statt zwei Motoren, aktives Torque Vectoring, Driftmodus und eine komplett eigene Fahrwerksabstimmung. Im ADAC-Fahrbericht zeigte sich deshalb ein Auto, das „erstaunlich leichtfüßig“ und „überraschend komfortabel“ fährt – trotz 2,1 Tonnen Leergewicht.

Alpine A390 GT vs GTS: Die zwei Varianten im Detail
Alpine A390 GT – 67.500 Euro
Die Basisversion ist der GT. Er leistet 400 PS (294 kW) und 661 Nm Drehmoment aus drei Elektromotoren: einem vorne (gewickelter Rotor) und zwei hinten (Permanentmagnet-Synchronmotoren). Jeder Hinterradmotor ist dabei einem Rad zugeordnet, was das aktive Torque Vectoring erst ermöglicht.
Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h dauert 4,8 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit wird bei 200 km/h begrenzt. Die 89-kWh-Batterie liefert bis zu 551 km WLTP-Reichweite mit 20-Zoll-Rädern. Im ADAC-Praxistest lag der Verbrauch allerdings bei circa 23 kWh pro 100 km statt der offiziellen 18,7 kWh. Daraus ergibt sich eine realistische Reichweite von circa 380 bis 420 km.
Beim DC-Laden kommt der GT auf maximal 150 kW. Das ist für 2026 nur Mittelmaß. Der Ladehub von 15 auf 80 Prozent dauert circa 25 Minuten. AC-Laden ist serienmäßig mit 11 kW möglich, optional mit 22 kW. Außerdem bietet der GT bidirektionales Laden (V2L und V2G), wobei V2G in Deutschland noch nicht freigeschaltet ist.
Alpine A390 GTS – 78.000 Euro
Der GTS ist die Performance-Version. Er leistet 470 PS (346 kW) und 824 Nm Drehmoment. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h gelingt somit in 3,9 Sekunden – fast eine volle Sekunde schneller als der GT. Die Höchstgeschwindigkeit steigt auf 220 km/h.
Darüber hinaus bietet der GTS 6-Kolben-Monoblock-Bremssättel vorne (rot oder Alpine Blau lackiert), 21-Zoll-Felgen im Schneeflocken-Design und Michelin Pilot Sport 4S Reifen. Die DC-Ladeleistung steigt auf bis zu 190 kW, was den Ladehub auf circa 20 Minuten verkürzt. Allerdings sinkt die Reichweite mit den größeren 21-Zoll-Rädern auf circa 520 km WLTP.
GT oder GTS? Die Ingenieurs-Empfehlung
Der Preisunterschied beträgt 10.500 Euro. Dafür bekommt man beim GTS 70 PS mehr, eine Sekunde schnellere Beschleunigung, bessere Bremsen und 40 kW mehr Ladeleistung. Klingt zunächst fair. Allerdings gibt es einen entscheidenden Punkt, der alles verändert: die Firmenwagen-Steuer.

Der versteckte Vorteil: Alpine A390 GT als Firmenwagen
Der GT kostet 67.500 Euro und liegt damit knapp unter der magischen 70.000-Euro-Grenze für die günstige Dienstwagen-Besteuerung. Bei der 0,25-Prozent-Regelung wird der geldwerte Vorteil auf Basis des Brutto-Listenpreises berechnet.
Für den GT ergibt sich folglich: 67.500 Euro × 0,25 Prozent = 168,75 Euro geldwerter Vorteil pro Monat. Bei einem Grenzsteuersatz von 42 Prozent zahlt man somit circa 71 Euro Lohnsteuer monatlich.
Der GTS kostet hingegen 78.000 Euro und liegt damit über der 70.000-Euro-Grenze. Hier gilt die 0,5-Prozent-Regelung: 78.000 Euro × 0,5 Prozent = 390 Euro geldwerter Vorteil pro Monat. Bei 42 Prozent Grenzsteuersatz sind das circa 164 Euro monatlich.
Die Differenz beträgt somit circa 93 Euro pro Monat oder 1.116 Euro pro Jahr. Über einen typischen Firmenwagen-Zyklus von vier Jahren spart der GT gegenüber dem GTS circa 4.464 Euro allein an Steuern. Zusammen mit dem um 10.500 Euro niedrigeren Kaufpreis ergibt sich ein Gesamtvorteil von knapp 15.000 Euro zugunsten des GT.
Deshalb ist meine klare Empfehlung: Für Firmenwagen-Fahrer ist der GT die deutlich bessere Wahl. Die 400 PS reichen für jede Alltagssituation aus. Nur wer den GTS privat kauft und die Performance wirklich ausreizen will, sollte den Aufpreis zahlen.

Alpine A390 vs. die Konkurrenz: Der Vergleich
Die A390 spielt in einem hart umkämpften Segment. Hier die wichtigsten Wettbewerber im Überblick:
| Merkmal | Alpine A390 GT | Kia EV6 GT | Tesla Model Y Perf. | Polestar 4 LR Dual |
|---|---|---|---|---|
| Leistung | 400 PS | 585 PS | 534 PS | 544 PS |
| 0–100 km/h | 4,8 s | 3,5 s | 3,7 s | 3,8 s |
| Batterie | 89 kWh | 77,4 kWh | 79 kWh | 100 kWh |
| Reichweite WLTP | 551 km | 424 km | 514 km | 590 km |
| DC-Laden max. | 150 kW | 240 kW | 250 kW | 200 kW |
| Preis ab | 67.500 € | ~70.000 € | 61.990 € | 69.900 € |
| Motoren | 3 | 2 | 2 | 2 |
| Torque Vectoring | Ja (AATV) | Nein | Nein | Nein |
| Driftmodus | Ja | Nein | Nein | Nein |
Was die Alpine besser macht
Die A390 hat drei klare Vorteile gegenüber der Konkurrenz. Erstens das Torque Vectoring: Durch die zwei unabhängigen Hinterradmotoren verteilt das AATV-System das Drehmoment radgenau. In Kurven fühlt sich die A390 dadurch deutlich agiler und präziser an als jeder Zweimotoren-Allradler. Der ADAC beschreibt das Fahrgefühl als „erstaunlich leichtfüßig trotz 2,1 Tonnen“.
Zweitens die Reichweite: Mit 551 km WLTP schlägt die A390 alle Wettbewerber außer dem Polestar 4. Der Kia EV6 GT kommt nur auf 424 km, das Tesla Model Y Performance auf 514 km. Für Langstreckenfahrer ist die A390 somit die bessere Wahl.
Drittens das Design und die Exklusivität: Alpine verkauft in Deutschland nur wenige hundert Autos pro Jahr. Die Wahrscheinlichkeit, einem zweiten A390 auf dem Parkplatz zu begegnen, ist daher gering. Für Käufer, die Individualität über Massenmarkt stellen, ist das ein echtes Argument.
Was die Konkurrenz besser macht
Allerdings hat die A390 auch klare Schwächen. Der Kia EV6 GT bietet 185 PS mehr und lädt mit bis zu 240 kW – deutlich schneller als die A390 GT mit nur 150 kW. Das Tesla Model Y Performance kostet 5.500 Euro weniger und hat das größte Supercharger-Netzwerk. Der Polestar 4 bietet 590 km Reichweite und ein futuristischeres Design.
Besonders die langsame DC-Ladeleistung des GT (150 kW) ist ein Problem. Im Vergleich zu den 240 kW des Kia EV6 GT oder den 250 kW des Tesla Model Y braucht die A390 GT an der Raststätte deutlich länger. Wer regelmäßig Langstrecke fährt und auf schnelles Nachladen angewiesen ist, sollte deshalb den GTS (190 kW) oder einen Wettbewerber in Betracht ziehen.
Stärken und Schwächen: Die ehrliche Einordnung
Das spricht für die Alpine A390
Die Fahrdynamik ist hervorragend dank Drei-Motoren-Antrieb und aktivem Torque Vectoring. Außerdem bietet die A390 eine sehr gute Reichweite (551 km WLTP), ein einzigartiges Design mit Motorsport-DNA und den Driftmodus als echtes Alleinstellungsmerkmal. Darüber hinaus ist der GT als Firmenwagen steuerlich attraktiv (unter 70.000 Euro). Die Fertigung in Frankreich (Dieppe) unterstreicht den europäischen Charakter.
Das spricht gegen die Alpine A390
Die DC-Ladeleistung von nur 150 kW (GT) ist für 2026 zu langsam. Außerdem ist das Händlernetz dünn: Alpine hat in Deutschland nur circa 20 Standorte. Der Kofferraum ist mit circa 450 Litern kleiner als beim Kia EV6 GT (480 l) oder Tesla Model Y (854 l). Zudem liegt der reale Verbrauch laut ADAC bei circa 23 kWh pro 100 km – deutlich über dem WLTP-Wert von 18,7 kWh. Die Plattform-Verwandtschaft mit dem Renault Scenic ist im Cockpit sichtbar, was bei einem 67.500-Euro-Auto irritieren kann.
Für wen ist die Alpine A390 das richtige Auto?
Die A390 ist kein Vernunftkauf. Wer maximalen Platz, schnellstes Laden oder das beste Preis-Leistungs-Verhältnis sucht, findet bei Tesla, Kia oder Polestar bessere Angebote. Die A390 ist hingegen das richtige Auto für Fahrer, die ein emotionales, dynamisches Elektroauto mit Charakter suchen – und bereit sind, dafür auf einige praktische Vorteile zu verzichten.
Konkret empfehle ich die A390 GT für Firmenwagen-Fahrer, die ein sportliches E-Auto unter 70.000 Euro suchen und täglich unter 300 km fahren. Außerdem passt sie zu Design-bewussten Käufern, die sich von der Tesla/VW-Masse abheben wollen. Und schließlich für Fahrdynamik-Fans, die Torque Vectoring und Driftmodus tatsächlich nutzen wollen.
Den GTS empfehle ich hingegen nur für Privatkäufer, die maximale Performance suchen und den steuerlichen Nachteil nicht spüren. Oder für Käufer, denen die schnellere Ladeleistung (190 vs 150 kW) wichtig ist.
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Letzte Aktualisierung: 21. April 2026 · Datenquellen: Alpine, ADAC, InsideEVs, Auto Bild, EV Database
