Kann ein Elektroauto einen Wohnwagen ziehen? Ja – und zwar besser, als viele denken. Denn Elektromotoren liefern ihr volles Drehmoment ab der ersten Umdrehung. Das Anfahren mit schwerem Anhänger ist damit sanfter und kraftvoller als bei jedem Diesel. Allerdings gibt es einen Haken: Die Reichweite sinkt mit Anhänger um circa 40 bis 50 Prozent. Ein E-Auto mit 500 km Soloreichweite schafft mit mittelgroßem Wohnwagen nur noch 250 bis 300 km.
In diesem Ratgeber zeige ich als Automobilingenieur, welches Elektroauto für welchen Anhänger-Einsatz das richtige ist – sortiert nach Bedarf: vom Fahrradträger über den Baumarkt-Anhänger bis zum schweren Wohnwagen. Alle Daten stammen vom ADAC und den Herstellern, Stand April 2026.

Warum nicht jedes E-Auto einen Anhänger ziehen darf
Bevor wir in die Modelle einsteigen, ist eine wichtige Unterscheidung nötig. Denn nicht jedes Elektroauto mit Anhängerkupplung darf auch einen Anhänger ziehen.
Beispiel VW ID.3: Er bietet zwar eine Anhängerkupplung als Option, aber diese ist ausschließlich für Fahrradträger zugelassen. Ein Anhänger darf damit nicht gezogen werden, weil die Anhängelast offiziell bei null Kilogramm liegt.
Der Grund dafür ist technisch. Das Ziehen eines schweren Anhängers belastet den Antriebsstrang extrem: Die Batterie muss dauerhaft hohe Leistung liefern, die Motoren arbeiten unter Volllast, und das Kühlsystem muss die entstehende Wärme abführen. Nicht jedes E-Auto ist dafür ausgelegt. Hersteller, die ihre Modelle für Anhängerbetrieb freigeben, haben deshalb umfangreiche Tests durchgeführt. Wer ohne Freigabe einen Anhänger zieht, riskiert folglich einen Garantieverlust und im schlimmsten Fall einen Schaden am Antrieb.
Außerdem gibt es drei Kennzahlen, die beim Anhängerbetrieb wichtig sind. Die Anhängelast (gebremst) gibt an, wie schwer der Anhänger maximal sein darf, wenn er über eine eigene Bremse verfügt. Die Anhängelast (ungebremst) gilt für Anhänger ohne eigene Bremse – hier sind die Werte deutlich niedriger (meist 750 kg). Und die Stützlast gibt an, wie viel Gewicht die Anhängerkupplung vertikal tragen darf (meist 75 bis 100 kg). Diese Stützlast ist besonders beim Beladen des Anhängers relevant.

Die besten E-Autos für jeden Anhänger-Einsatz
Stufe 1: Fahrradträger (75–100 kg Stützlast)
Für einen Fahrradträger auf der Anhängerkupplung braucht man keine hohe Anhängelast. Entscheidend ist nur die Stützlast von mindestens 75 kg. Damit kommen fast alle Elektroautos mit Anhängerkupplung infrage – auch solche, die offiziell keine Anhängelast haben.
Geeignete Modelle sind beispielsweise der VW ID.3 (nur Fahrradträger), der VW ID.4/ID.5, der Skoda Enyaq, der Tesla Model Y, der Hyundai Ioniq 5 und der Polestar 2. Der Aufpreis für die Anhängerkupplung liegt je nach Modell bei circa 700 bis 1.200 Euro.
Stufe 2: Leichter Anhänger (bis 750 kg) – Baumarkt, Gartenabfälle, Umzug
Wer nur gelegentlich Gartenabfälle zum Wertstoffhof bringen oder Möbel transportieren will, braucht maximal 750 kg Anhängelast. Dieser Einsatz ist mit einem normalen Führerschein (Klasse B) ungebremst möglich, sofern das zulässige Gesamtgewicht des Gespanns 3.500 kg nicht überschreitet.
| Modell | Anhängelast gebremst | Anhängelast ungebremst | Preis ab | Reichweite WLTP |
|---|---|---|---|---|
| Skoda Enyaq iV 80 | 1.200 kg | 750 kg | ~43.000 € | 560 km |
| VW ID.4 Pro | 1.200 kg | 750 kg | ~44.000 € | 520 km |
| Hyundai Ioniq 5 (77 kWh) | 1.600 kg | 750 kg | ~47.000 € | 507 km |
| Tesla Model Y LR | 1.600 kg | 750 kg | ~50.000 € | 533 km |
| Volvo EX30 | 750 kg | 750 kg | ~36.000 € | 476 km |
Meine Empfehlung für diesen Einsatz: Der Skoda Enyaq bietet das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Er hat 1.200 kg gebremste Anhängelast, 560 km Reichweite und den größten Kofferraum (585 Liter) im Segment. Außerdem ist er seit Jahren das meistverkaufte Elektro-SUV in Deutschland und hat ein bewährtes Händlernetz.
Stufe 3: Mittlerer Wohnwagen (1.200 bis 1.800 kg)
Für einen typischen Wohnwagen der Mittelklasse (etwa Fendt Bianco, Knaus Sport oder Hobby De Luxe) braucht man mindestens 1.400 bis 1.600 kg Anhängelast. Hier wird die Auswahl bereits deutlich kleiner.
| Modell | Anhängelast gebremst | Reichweite WLTP | Reichweite mit Anhänger* | Preis ab |
|---|---|---|---|---|
| Hyundai Ioniq 5 (77 kWh, AWD) | 1.600 kg | 507 km | ~250–280 km | ~52.000 € |
| Tesla Model Y LR AWD | 1.600 kg | 533 km | ~260–300 km | ~50.000 € |
| Kia EV6 (77 kWh, AWD) | 1.600 kg | 490 km | ~240–270 km | ~52.000 € |
| Mercedes EQE SUV 350+ | 1.800 kg | 549 km | ~270–310 km | ~83.000 € |
| BMW iX xDrive40 | 2.500 kg | 611 km | ~300–340 km | ~78.000 € |
*Geschätzt auf Basis von circa 50 Prozent Reichweitenverlust bei 1.500 kg Anhänger und 100 km/h.
Meine Empfehlung: Der Hyundai Ioniq 5 bietet das beste Gesamtpaket. 1.600 kg Anhängelast reichen für die meisten Wohnwagen, die 800-Volt-Architektur ermöglicht Laden von 10 auf 80 Prozent in nur 18 Minuten, und der Preis ist deutlich niedriger als bei BMW oder Mercedes. Außerdem bietet er V2L (Vehicle-to-Load), womit man auf dem Campingplatz Geräte mit bis zu 3,6 kW Strom versorgen kann – ein echtes Killer-Feature für Camper.
Stufe 4: Schwerer Wohnwagen oder Pferdeanhänger (1.800 bis 2.500 kg)
Für große Wohnwagen (etwa Fendt Tendenza, Dethleffs Camper) oder Pferdeanhänger mit zwei Pferden braucht man mindestens 2.000 kg Anhängelast. Hier kommen nur noch wenige Elektroautos infrage.
| Modell | Anhängelast gebremst | Reichweite WLTP | Preis ab |
|---|---|---|---|
| BMW iX xDrive50 | 2.500 kg | 631 km | ~100.000 € |
| Kia EV9 (99 kWh, AWD) | 2.500 kg | 512 km | ~73.000 € |
| Hyundai Ioniq 9 | 2.500 kg | ~530 km | ~65.000 € |
| Audi Q6 e-tron quattro | 2.400 kg | 533 km | ~74.000 € |
| Tesla Model X | 2.300 kg | 567 km | ~97.000 € |
| Porsche Macan Electric 4 | 2.000 kg | 540 km | ~85.000 € |
Meine Empfehlung: Der Kia EV9 ist der beste Preis-Leistungs-Tipp. Er bietet 2.500 kg Anhängelast (gleich wie der BMW iX), 512 km Reichweite, 800-Volt-Laden und sieben Sitzplätze – für circa 27.000 Euro weniger als der BMW. Außerdem hat Kia 7 Jahre Garantie, was für ein Zugfahrzeug mit hoher Belastung ein starkes Argument ist.
Für Pferdebesitzer empfehle ich den BMW iX xDrive50 oder den Audi Q6 e-tron quattro. Beide bieten die nötige Fahrstabilität und genug Reichweite, um auch mit schwerem Anhänger circa 300 km am Stück zu schaffen.
Reichweite mit Anhänger: Die ehrliche Rechnung
Der größte Nachteil beim Anhängerbetrieb mit dem E-Auto ist der Reichweitenverlust. Und hier muss man ehrlich sein: Mit einem 1.500-kg-Wohnwagen sinkt die Reichweite um circa 40 bis 50 Prozent. Das liegt am deutlich höheren Luftwiderstand und am Mehrgewicht.
Konkret bedeutet das: Ein Hyundai Ioniq 5 mit 507 km WLTP-Reichweite schafft mit Wohnwagen bei 100 km/h auf der Autobahn circa 250 bis 280 km. Danach muss circa 25 Minuten geladen werden (10 auf 80 Prozent dank 800V). Für eine 500-km-Urlaubsfahrt braucht man also einen Ladestopp von einer halben Stunde. Das ist deutlich mehr als mit einem Diesel, der mit vollem Tank 800 km schafft.
Allerdings muss man zwei Dinge bedenken. Erstens empfehlen Camping-Experten ohnehin alle 200 bis 300 km eine Pause mit Gespann, weil die Konzentration beim Wohnwagen-Fahren schneller nachlässt. Der Ladestopp fällt somit oft mit der ohnehin nötigen Pause zusammen. Zweitens ist der Strompreis deutlich niedriger als der Dieselpreis: Laden zu Hause kostet circa 6 Euro pro 100 km, Diesel circa 12 Euro pro 100 km. Über eine 3.000-km-Urlaubsreise spart man somit circa 180 Euro an Spritkosten.
Praxis-Tipps: So klappt das Gespannfahren mit dem E-Auto
Für alle, die zum ersten Mal mit dem E-Auto und Anhänger unterwegs sind, hier die wichtigsten Tipps aus der Praxis.
Ladeplanung mit Gespann
Die meisten Ladesäulen stehen an der Stirnseite von Parkplätzen – also dort, wo man mit einem Gespann kaum hinkommt. Deshalb sollte man vor der Fahrt prüfen, welche Ladestationen durchfahrbare Parkplätze haben. Apps wie „A Better Route Planner“ (ABRP) bieten dafür einen Gespann-Modus, der die Anhängermaße berücksichtigt. Außerdem empfehle ich, die Geschwindigkeit auf 90 bis 100 km/h zu begrenzen. Das spart gegenüber 120 km/h circa 20 Prozent Energie und erhöht die Reichweite mit Anhänger erheblich.
Rekuperation nutzen
Ein unterschätzter Vorteil des E-Autos im Gespannbetrieb ist die Rekuperation. Beim Bergabfahren gewinnt das Auto Energie zurück, anstatt die Bremsen zu belasten. Das schont die Bremsbeläge und verlängert die Reichweite. Besonders in den Alpen oder in Skandinavien macht sich das deutlich bemerkbar.
Die große Anhängelast-Tabelle (Stand April 2026)
| Modell | Anhängelast gebremst | Preis ab | Reichweite WLTP |
|---|---|---|---|
| BMW iX xDrive50 | 2.500 kg | ~100.000 € | 631 km |
| Kia EV9 AWD | 2.500 kg | ~73.000 € | 512 km |
| Hyundai Ioniq 9 | 2.500 kg | ~65.000 € | ~530 km |
| Audi Q6 e-tron quattro | 2.400 kg | ~74.000 € | 533 km |
| Tesla Model X | 2.300 kg | ~97.000 € | 567 km |
| Porsche Macan Electric 4 | 2.000 kg | ~85.000 € | 540 km |
| Mercedes EQE SUV | 1.800 kg | ~83.000 € | 549 km |
| Mercedes EQS 450 4MATIC | 1.800 kg | ~110.000 € | 670 km |
| Volvo EX90 | 2.200 kg | ~83.000 € | 580 km |
| Hyundai Ioniq 5 AWD | 1.600 kg | ~52.000 € | 507 km |
| Tesla Model Y LR AWD | 1.600 kg | ~50.000 € | 533 km |
| Kia EV6 AWD | 1.600 kg | ~52.000 € | 490 km |
| Ford Mustang Mach-E AWD | 1.000 kg | ~52.000 € | 540 km |
| Skoda Enyaq iV 80 | 1.200 kg | ~43.000 € | 560 km |
| VW ID.4/ID.5 | 1.200 kg | ~44.000 € | 520 km |
| Volvo EX30 | 750 kg | ~36.000 € | 476 km |
| Polestar 2 LR | 1.500 kg | ~48.000 € | 530 km |
Alle Angaben: Herstellerdaten, ADAC-Übersicht, Stand April 2026. Gebremste Anhängelast bei 12 Prozent Steigung.
FAQ: Elektroauto mit Anhänger
Kann man mit einem Elektroauto einen Wohnwagen ziehen? Ja. Modelle wie der BMW iX, der Kia EV9 und der Hyundai Ioniq 5 sind mit Anhängelasten von 1.600 bis 2.500 kg für mittelgroße bis große Wohnwagen zugelassen. Allerdings sinkt die Reichweite mit Anhänger um circa 40 bis 50 Prozent.
Welches Elektroauto hat die höchste Anhängelast? Der BMW iX xDrive50, der Kia EV9 und der Hyundai Ioniq 9 führen das Ranking mit jeweils 2.500 kg gebremster Anhängelast an. Der Audi Q6 e-tron folgt mit 2.400 kg.
Kann ich einen Fahrradträger an jedes E-Auto montieren? Nein. Nur E-Autos mit optionaler oder serienmäßiger Anhängerkupplung können einen Fahrradträger tragen. Manche Modelle (wie der VW ID.3) erlauben ausschließlich Fahrradträger, aber keine Anhänger. Die Stützlast muss mindestens 75 kg betragen.
Reichweite und Praxis
Wie weit komme ich mit E-Auto und Wohnwagen? Als Faustregel gilt: Die Reichweite sinkt um circa 40 bis 50 Prozent gegenüber dem Solo-Betrieb. Ein E-Auto mit 500 km Soloreichweite schafft mit Wohnwagen circa 250 bis 300 km. Danach ist ein Ladestopp von circa 20 bis 30 Minuten nötig.
Darf ich eine Anhängerkupplung nachrüsten? Grundsätzlich ja, aber nur mit einer ABE (Allgemeine Betriebserlaubnis) oder Einzelabnahme durch TÜV/DEKRA. Wichtig: Die Anhängelast wird durch eine Nachrüstung nicht automatisch erhöht. Es gilt immer der Wert aus den Fahrzeugpapieren.
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Letzte Aktualisierung: 21. April 2026 · Datenquellen: ADAC, InsideEVs, AutoScout24, firmenauto, EnBW
Ja. Modelle wie der BMW iX, der Kia EV9 und der Hyundai Ioniq 5 sind mit Anhängelasten von 1.600 bis 2.500 kg für mittelgroße bis große Wohnwagen zugelassen. Allerdings sinkt die Reichweite mit Anhänger um circa 40 bis 50 Prozent.
Der BMW iX xDrive50, der Kia EV9 und der Hyundai Ioniq 9 führen das Ranking mit jeweils 2.500 kg gebremster Anhängelast an. Der Audi Q6 e-tron folgt mit 2.400 kg.
Nein. Nur E-Autos mit optionaler oder serienmäßiger Anhängerkupplung können einen Fahrradträger tragen. Manche Modelle (wie der VW ID.3) erlauben ausschließlich Fahrradträger, aber keine Anhänger. Die Stützlast muss mindestens 75 kg betragen.
Als Faustregel gilt: Die Reichweite sinkt um circa 40 bis 50 Prozent gegenüber dem Solo-Betrieb. Ein E-Auto mit 500 km Soloreichweite schafft mit Wohnwagen circa 250 bis 300 km. Danach ist ein Ladestopp von circa 20 bis 30 Minuten nötig.
Grundsätzlich ja, aber nur mit einer ABE (Allgemeine Betriebserlaubnis) oder Einzelabnahme durch TÜV/DEKRA. Wichtig: Die Anhängelast wird durch eine Nachrüstung nicht automatisch erhöht. Es gilt immer der Wert aus den Fahrzeugpapieren.
