Volvo EX30 und Smart #1 teilen sich Plattform, Motoren und Batterien, treffen aber völlig unterschiedliche Entscheidungen beim Charakter. Beide stehen auf der SEA-Plattform des Geely-Konzerns, beide kommen mit 272 PS in der Basis und 428 PS an der Spitze. Der Volvo ist der minimalistische Style-Gegenstand, der Smart der etwas praktischere, konventionellere Begleiter. Preislich starten beide eng beieinander, der EX30 ab rund 35.000 Euro, der Smart #1 ab 36.990 Euro. Wer ein kleines, premiumig anmutendes Elektro-SUV sucht, landet fast zwangsläufig bei diesem Duell. Welcher der beiden Cousins ist die klügere Wahl?
Ich habe die beiden nicht über Markenimage verglichen, sondern über Reichweite, Bedienbarkeit, Platz und Preis, denn unter dem Blech sind sie ohnehin eng verwandt. Das Ergebnis trennt sie klarer, als man bei zwei Konzerngeschwistern erwartet. Der eine gewinnt über Stil, Reichweite und Sicherheit, der andere über Alltagstauglichkeit und Bedienung. Ich sage dir, welcher zu welchem Fahrertyp passt und wo beide dieselben Kompromisse eingehen.

Zwei Cousins aus dem Geely-Konzern
Der gemeinsame Ursprung ist kein Zufall. Volvo gehört seit 2010 zum chinesischen Geely-Konzern, Smart ist seit 2019 ein Gemeinschaftsunternehmen von Geely und Mercedes. Beide Marken greifen auf dieselbe Elektroplattform zurück, die auch den Zeekr X trägt.
Entsprechend ähnlich sind die technischen Eckdaten. Hinterradantrieb mit 272 PS bildet bei beiden die Basis, an der Spitze stehen Allradversionen mit 428 PS. Auch die Batteriegrößen und die Ladetechnik liegen nah beieinander. Gebaut werden beide in China, der EX30 inzwischen auch im belgischen Gent.
Trotz dieser Verwandtschaft fühlen sie sich unterschiedlich an. Volvo gibt dem EX30 das typische skandinavische Understatement, Smart setzt auf einen verspielteren, von Mercedes mitgeprägten Auftritt. Genau diese Charakterfrage entscheidet den Vergleich.

Reichweite, Batterie und Laden
Bei der Reichweite hat der Volvo die Nase leicht vorn. Der EX30 reicht je nach Akku von rund 339 Kilometern mit der kleinen LFP-Batterie bis zu 476 Kilometern in der Extended-Range-Version. Letztere ist die Vernunftwahl, weil sie die größte Reichweite im Vergleich bietet.
Der Smart #1 nutzt eine 66-kWh-Batterie mit 62 kWh nutzbarer Kapazität und schafft damit zwischen 400 und 440 Kilometern nach WLTP. Die Einstiegsversion mit kleinerem 44-kWh-Akku kommt auf rund 310 bis 330 Kilometer. Im Carwow-Praxistest lag der reale Wert bei flotter Autobahnfahrt bei etwa 280 Kilometern, ein typischer Wert für diese Klasse.
Beim Laden teilen sich beide eine Stärke: ein serienmäßiges oder optionales 22-kW-Wechselstrom-Ladegerät, das im Segment selten ist. Am Gleichstrom-Schnelllader nimmt der Smart bis zu 150 kW auf, der Volvo je nach Batterie 134 oder 153 kW. In der Praxis dauert der Ladehub von 10 auf 80 Prozent bei beiden rund eine halbe Stunde.

Antrieb und Fahrverhalten
Spannend wird es beim Antrieb, denn hier bieten beide eine breite Palette. Die 272-PS-Basis mit Hinterradantrieb ist in beiden Fällen erstaunlich flott und für den Alltag mehr als ausreichend. Wer mehr will, hat die Wahl.
Der Volvo EX30 Twin Motor Performance leistet 428 PS und sprintet in 3,6 Sekunden auf Tempo 100, was selbst den Smart #1 Brabus mit identischer Leistung knapp schlägt. Smart kontert mit einer mittleren Pulse-Version mit 368 PS und Allrad, die der Volvo so nicht im Programm hat.
Beim Fahrverhalten bescheinigen Tester dem EX30 die etwas ausgewogenere Abstimmung zwischen Komfort und Handling. Der Smart fährt sportlich-direkt, wirkt aber je nach Strecke einen Tick nervöser. Beide sind für kompakte Stromer agil und souverän, echte Sportwagen sind sie trotz der Brabus-Fahrleistungen aber nicht.

Innenraum: Minimalismus gegen Bedienbarkeit
Hier liegt der größte Unterschied im Alltag. Der Volvo EX30 verzichtet komplett auf ein Display hinter dem Lenkrad. Alle Informationen, von der Geschwindigkeit bis zur Navigation, laufen über einen zentralen, hochkant stehenden Touchscreen. Das wirkt aufgeräumt und modern, zwingt dich im Fahrbetrieb aber zum Blick zur Seite.
Der Smart #1 geht den klassischen Weg. Er bietet ein digitales Kombiinstrument hinter dem Lenkrad, einen zentralen Touchscreen und in höheren Versionen sogar ein Head-up-Display. Im Alltag ist das die nutzerfreundlichere Lösung, weil wichtige Infos im Blickfeld bleiben.
Bei den Materialien gehen beide eigene Wege. Volvo setzt auf recycelte Stoffe und einen konsequent nachhaltigen Auftritt, Smart auf echtes Leder und hochwertig wirkende Kunststoffe. Welche Philosophie dir zusagt, ist Geschmackssache, an der Verarbeitungsqualität gibt es bei beiden wenig auszusetzen.

Sicherheit, Software und Konnektivität
Beim Thema Sicherheit spielt Volvo eine Traditionskarte. Der EX30 bringt schon in der Basis ein umfangreiches Assistenzpaket mit, vom Notbremsassistenten bis zur Spurführung, und trägt den Ruf der Marke für Insassenschutz mit sich. Das ist für viele Käufer ein echtes Argument.
Der Smart #1 steht dem in der Ausstattung kaum nach und bietet ebenfalls moderne Assistenzsysteme serienmäßig. In der Wahrnehmung profitiert der Volvo hier aber vom stärkeren Sicherheitsimage.
Bei der Software setzt der EX30 auf Google built-in mit nativem Google Maps und Sprachassistent, dazu kommen Over-the-Air-Updates und kabelloses Apple CarPlay. Der Smart bietet ein eigenes System mit umfangreicher App-Anbindung. Beide sind technisch auf der Höhe der Zeit, der Volvo wirkt im Bedienkonzept aber konsequenter auf einen einzigen Bildschirm zugeschnitten.

Größe, Platz und Praxis
Obwohl beide als kleines SUV vermarktet werden, ist der Volvo eher ein hoher Kompaktwagen. Mit 4,23 Metern Länge und nur 1,55 Metern Höhe ist er flacher als ein echtes SUV. Der Kofferraum fasst bescheidene 318 Liter, und auf der Rückbank wird es für Erwachsene schnell eng.
Der Smart #1 ist mit 4,27 Metern Länge und 1,64 Metern Höhe der etwas größere und höhere von beiden. Das zahlt sich im Fond aus, wo Passagiere spürbar mehr Platz finden. Eine verschiebbare Rückbank erhöht zudem die Variabilität beim Gepäck.
Für Singles und Paare, die vor allem in der Stadt unterwegs sind, reicht der Platz in beiden locker. Sobald regelmäßig vier Erwachsene oder viel Gepäck mitfahren, hat der Smart #1 die praktischeren Karten. Wer den Wagen dagegen als stylischen Zweitwagen sieht, dem genügt der EX30.

Preise und Varianten im Vergleich
Beim Preis liefern sich beide ein enges Rennen. Die folgende Tabelle stellt die zentralen Daten gegenüber. Quellen: Hersteller, AUTO BILD und Carwow, Stand 1. Juni 2026.
| Merkmal | Volvo EX30 | Smart #1 |
|---|---|---|
| Batterie (nutzbar) | 49 oder 65 kWh | 44 oder 62 kWh |
| Reichweite (WLTP) | 339 bis 476 km | 310 bis 440 km |
| Leistung | 150 / 272 / 428 PS | 272 / 368 / 428 PS |
| DC-Laden | 134 bis 153 kW | bis 150 kW |
| AC-Laden | 11 kW (22 kW optional) | bis 22 kW |
| Länge / Höhe | 4,23 m / 1,55 m | 4,27 m / 1,64 m |
| Preis ab | rund 35.000 € | rund 36.990 € |
Der Einstieg ist beim Volvo dank der neuen 150-PS-Version etwas günstiger. Die reichweitenstarke Extended-Range-Version startet bei 44.990 Euro, das Topmodell Performance bei 51.690 Euro. Beim Smart reicht die Spanne von 36.990 Euro für die Basis bis 52.490 Euro für den Brabus. Wichtig: Smart gewährt aktuell teils kräftige Rabatte, was den realen Preisabstand verschiebt. Hier lohnt der Blick auf die Tagespreise beim Händler.

Förderung, Steuer und Firmenwagen
Beide Modelle liegen klar unter dem Förder-Preisdeckel von 100.000 Euro. Privatpersonen mit einem zu versteuernden Haushaltseinkommen bis 80.000 Euro können also die seit Mai 2026 wieder verfügbare Kaufprämie nutzen. Das senkt den effektiven Preis spürbar.
Als reine Elektroautos sind beide zudem von der Kfz-Steuer befreit, bei Erstzulassung bis Ende 2030 für bis zu zehn Jahre. Als Firmenwagen greift die günstige Dienstwagensteuer von 0,25 statt 1 Prozent. Gerade in dieser Preisklasse sind das relevante Hebel.
Bei den Energiekosten nehmen sich beide wenig. Mit einem realen Verbrauch um 18 bis 22 kWh auf 100 Kilometer sind sie für ihre Leistung effizient. Wer zu Hause lädt, fährt mit beiden deutlich günstiger als mit einem vergleichbaren Verbrenner.

Stärken und Schwächen beider Modelle
Der Volvo EX30 punktet mit dem stilsicheren Design, der höchsten Reichweite im Vergleich, dem starken Markenimage und dem guten Sicherheitsruf. Schwächen sind der knappe Platz im Fond, der kleine Kofferraum und das gewöhnungsbedürftige Bedienkonzept ohne Fahrerdisplay.
Der Smart #1 überzeugt mit mehr Platz, der nutzerfreundlicheren Bedienung mit Fahrerdisplay und dem Zugang zum Mercedes-Händlernetz. Auf der Sollseite stehen die etwas geringere Reichweite und Fragezeichen beim Wiederverkaufswert, da sich die Marke am Markt noch schwertut.
Einen klaren Gesamtsieger gibt es nicht. Beide sind technisch eng verwandt und auf hohem Niveau. Die Entscheidung fällt über Prioritäten, nicht über Qualität.
Wertverlust und Gebrauchtmarkt
Ein Punkt, den viele beim Neukauf übersehen, ist der Restwert. Hier hat der Volvo derzeit das stärkere Fundament. Die etablierte Marke und die hohe Nachfrage nach dem EX30 stützen den Wiederverkaufswert.
Der Smart #1 tut sich am Markt schwerer. Die Marke hat ihren Neustart als SUV-Anbieter noch nicht vollständig durchgesetzt, was sich in den Zulassungszahlen zeigt. Das hat zwei Seiten: Einerseits drohen schwächere Restwerte, andererseits gibt es den Smart aktuell mit teils deutlichen Rabatten.
Für Gebrauchtkäufer kann das eine Chance sein, denn junge Smart #1 sind oft günstig zu haben. Wer neu kauft und nach einigen Jahren wieder verkaufen will, sollte den Wertverlust dagegen realistisch einplanen. Über die Haltedauer macht dieser Faktor oft mehr aus als ein kleiner Preisunterschied beim Kauf.

Mein Fazit: Welcher Klein-Stromer für wen
Kauf den Volvo EX30, wenn dir Design, Reichweite und Markenimage am wichtigsten sind. Mit der Extended-Range-Version bekommst du die größte Reichweite der Klasse in einem schicken, sicheren Paket. Für Singles und Paare, die einen stylischen Stadt- und Pendlerwagen suchen und mit dem minimalistischen Bedienkonzept leben können, ist er die richtige Wahl.
Greif zum Smart #1, wenn Platz und Bedienbarkeit zählen. Das Fahrerdisplay, der größere Fond und die verschiebbare Rückbank machen ihn im Alltag praktischer. Wer regelmäßig zu viert fährt oder Wert auf eine klassische Bedienung legt, ist hier besser aufgehoben, zumal die aktuellen Rabatte den Preis attraktiv machen und den höheren Listenpreis gegenüber der Volvo-Basis spürbar relativieren.
Mein konkreter Tipp: Setz dich vor dem Kauf in beide und prüfe, ob du mit dem displaylosen Cockpit des Volvo klarkommst, denn daran scheiden sich die Geister. Rechne außerdem den voraussichtlichen Wertverlust mit ein, hier hat der Volvo derzeit das stärkere Markenfundament. Und greif in beiden Lagern zur großen Batterie, wenn du mehr als nur Kurzstrecke fährst. So sicherst du dir die Reichweite, die im Alltag den Unterschied zwischen entspanntem Fahren und ständigem Laden ausmacht, und ärgerst dich auch nach mehreren Jahren der Nutzung nicht über den zu kleinen Akku.
Weiterlesen auf AutoColumn
- Kia EV3 2026 Kaufberatung: 605 km Reichweite, 7 Jahre Garantie
- Volvo EX60: Was 810 km Reichweite wirklich bedeuten und warum der P6 die klügere Bestellung ist
- Tesla Model Y Juniper 2026 Kaufberatung: Preis, Reichweite, Vergleich
- BYD Sealion 7 vs Xpeng G6 vs Tesla Model Y: Der Vergleich 2026
- Skoda Epiq vs Renault 4 E-Tech: Vergleich 2026
- Kfz-Steuer Elektroauto 2026: Wie lange befreit, wie viel sparst du?
- E-Auto Förderung 2026: Alle Details zur neuen Kaufprämie
- BAFA Antrag E-Auto 2026: Schritt-für-Schritt zur Prämie
- E-Auto Stromkosten Rechner 2026: Was kostet 100 km wirklich?
Letzte Aktualisierung: 1. Juni 2026. Datenquellen: AUTO BILD Volvo EX30, AUTO BILD Smart #1, Carwow Smart #1, ADAC Volvo EX30. Hinweis: Preise und Konditionen können sich kurzfristig ändern. Verbindlich sind die Angaben der Hersteller und Händler.
