Leapmotor B03

Leapmotor B03: Gestern in China gestartet, ab 2027 aus Spanien – und dann wird es für VW ernst

Leapmotor hat gestern in Hangzhou den A05 auf den Markt gebracht, jenes kompakte Elektro-Schrägheck, das als Leapmotor B03 nach Deutschland kommen wird. Die China-Preise reichen von 63.900 bis 90.900 Yuan, umgerechnet grob 7.700 bis 11.000 Euro, für ein 4,20 Meter langes Auto mit bis zu 510 Kilometern Reichweite nach chinesischer Norm und auf Wunsch sogar LiDAR-Sensorik. Der Marktstart war übrigens kurzfristig um einen Tag verschoben worden, weil ausgerechnet Taifun Dolphin über die Provinz Zhejiang zog, eine Randnotiz, die sich kein Drehbuchautor besser hätte ausdenken können.

Ich ordne hier ein, was dieses Auto für Deutschland bedeutet, denn der B03 ist mehr als die nächste Billig-Schlagzeile aus China. Anders als beim MG 07, dessen Traumpreis den Weg nach Europa nie überleben wird, gibt es beim B03 einen konkreten, dreistufigen Fahrplan bis zum deutschen Händler, inklusive einer Produktionszusage aus Spanien, die das Zoll-Problem gleich mit erledigt. Was das Auto kann, was es hier realistisch kosten wird und warum ausgerechnet dieser Newcomer VW wehtun könnte, liest du hier.


Was gestern in China gestartet ist

Der A05, so der Heimatname des B03, ist das zweite Modell auf Leapmotors neuer, von Beginn an global konzipierter A-Plattform und die Schrägheck-Schwester des SUV A10, der bei uns bereits als B03X verkauft wird. Beide teilen sich den Radstand von 2,61 Metern, der B03 ist mit 4,20 Metern Länge aber flacher und gestreckter geschnitten. Positioniert ist er in China als Pendlerauto für junge Erstkäufer, direkt gegen den BYD Seagull, den China-Zwilling unseres Dolphin Surf, und Geelys Bestseller Xingyuan. Bemerkenswert dabei: Mit 63.900 Yuan unterbietet der A05 sogar den Seagull, der bei 69.800 Yuan startet, und greift damit den Platzhirsch des Segments frontal über den Preis an.

Die Eckdaten der fünf Varianten (Stand 12.08.2026, China):

VarianteBatterieReichweite (CLTC)Preis Chinaumgerechnet
A05 Basis39,8 kWh LFP405 km63.900 Yuanca. 7.700 €
A05 405 Premium39,8 kWh LFP405 km67.900 Yuanca. 8.200 €
A05 510 Premium53 kWh LFP510 km75.900 Yuanca. 9.100 €
A05 510 LiDAR53 kWh LFP510 km85.900 Yuanca. 10.300 €
A05 Topversion53 kWh LFP510 km90.900 Yuanca. 11.000 €

Angetrieben wird der Fronttriebler von einem Permanentmagnet-Motor mit 70 oder 90 kW, die Spitze liegt bei 160 km/h, und der Normverbrauch beginnt bei sparsamen 10,6 kWh je 100 Kilometer nach chinesischer Messung. Bemerkenswert ist die Ladeangabe der großen Batterie: von 30 auf 80 Prozent in 16 Minuten. Und der Kofferraum fasst 474 bis 1.308 Liter, ein Wert, für den sich mancher Kompakte eine Klasse höher schämen müsste; zum Vergleich bietet ein VW ID.3 gerade 385 Liter Grundvolumen.

Die Ausstattung beschämt teurere Autos

Was Leapmotor in die Basisversion packt, erklärt den Kampfansage-Charakter des Autos. Serienmäßig arbeiten ein Qualcomm-Snapdragon-8295-Chip, ein 8,88-Zoll-Fahrerdisplay und ein 14,6-Zoll-Zentralbildschirm mit 2,5K-Auflösung, dazu je nach Version zwölf Lautsprecher. Die Sprachsteuerung basiert auf Alibabas Qwen-Sprachmodell und versteht sogar chinesische Dialekte; für Europa dürfte die Software angepasst werden.

Ab der LiDAR-Version für umgerechnet rund 10.300 Euro fährt zusätzlich ein Laser-Sensor samt stärkerem Qualcomm-8650-Chip mit, der 43 Assistenzfunktionen inklusive Tür-zu-Tür-Navigation ermöglicht. Zur Einordnung: LiDAR-Sensorik findet sich in Deutschland fast ausschließlich in Fahrzeugen jenseits der 60.000 Euro. Dass ein Hersteller sie in einem Kleinwagenpreis-Segment anbietet, zeigt, wohin sich die Erwartungen an günstige Elektroautos verschieben werden, auch bei uns.

Auch die Verkaufsargumente drumherum sind auf Volumen gebaut: Zum Start gab es in China Vorteilspakete im Wert von umgerechnet rund 1.300 Euro, zwei Jahre zinsfreie Finanzierung und mehrere lebenslange Garantiebausteine. Solche Pakete zeigen, mit welcher Härte im Heimatmarkt um jeden Kunden gekämpft wird, und ein Teil dieser Kultur kommt erfahrungsgemäß in den Europa-Aktionen an.

Der ehrliche Vorbehalt gehört dazu: China-Ausstattung ist nicht gleich Europa-Ausstattung. Welche dieser Features die deutsche Version des B03 behält, ist offen, und die europäische Homologation kostet erfahrungsgemäß das eine oder andere Gimmick. Die in China beworbene Karaoke-Funktion samt mikrofonfreiem Gesang wird Europa dagegen wohl verschmerzen können.

Der Deutschland-Fahrplan: konkreter als bei jedem anderen China-Start

Jetzt zum Teil, der den B03 von den üblichen China-Preiswundern unterscheidet. Erstens ist die Marke längst hier: Leapmotor verkauft in Deutschland bereits T03, B10, B05 und seit Juli den B03X, vertrieben über das Stellantis-Netz mit rund 130 Servicepartnern von Tag eins. Zweitens gibt es mit dem B03X eine direkte Preisreferenz: Das Schwester-SUV kostet in Deutschland 24.900 Euro mit kleiner und 29.400 Euro mit großer Batterie. Und drittens steht der Produktionsplan: Ab 2027 sollen A05 und A10 im Stellantis-Werk bei Saragossa gebaut werden, womit die EU-Zusatzzölle auf China-Importe für diese Modelle entfallen.

Was heißt das für den deutschen B03-Preis? Die Branchenerwartung liegt knapp unterhalb des B03X, also im Bereich um 23.000 bis 24.500 Euro zum Start, vermutlich mit den stärkeren Europa-Antrieben des B03X (130 beziehungsweise 145 kW) statt der schwachen China-Motoren. Die Reichweiten dürften nach WLTP bei grob 300 bis 400 Kilometern landen, denn die chinesische CLTC-Norm misst deutlich optimistischer. Eine Europa-Premiere wird für Oktober erwartet, offiziell bestätigt ist der Termin noch nicht. Sobald deutsche Daten vorliegen, aktualisieren wir diesen Artikel.

Wer ist Leapmotor, und warum läuft es gerade so gut?

Für alle, die die Marke nur vom Vorbeifahren kennen, der Schnellkurs. Leapmotor ist ein Elektro-Hersteller aus Hangzhou, an dem sich Stellantis mit rund anderthalb Milliarden Euro beteiligt hat, verbunden mit dem exklusiven Recht, die Autos außerhalb Chinas zu vertreiben. Genau diese Konstruktion unterscheidet Leapmotor von praktisch jedem anderen China-Newcomer: Die Autos kommen nicht über einen dünnen Importeur, sondern über die Infrastruktur von Fiat, Peugeot, Citroën und Opel, mit europäischer Garantieabwicklung und Ersatzteillogistik.

Und die Dynamik ist gerade beachtlich. Im Juli lieferte Leapmotor weltweit 101.267 Fahrzeuge aus, erstmals mehr als 100.000 in einem Monat und ein Plus von 102 Prozent zum Vorjahr. Das SUV-Schwestermodell A10 erreichte in China nur 135 Tage nach dem Start die Marke von 100.000 produzierten Einheiten, so schnell wie kein Leapmotor zuvor. Der B03 soll dieses Tempo ins meistverkaufte Segment übertragen; Leapmotor erwartet, dass die neuen A- und B-Modelle rund 60 Prozent des Jahresabsatzes 2026 stellen. Für deutsche Käufer ist diese Skalierung mehr als eine Fußnote, denn Stückzahlen dieser Größenordnung drücken die Kosten, stabilisieren die Ersatzteilversorgung und erhöhen den Druck auf die hiesigen Preise gleich mit.

Die Förder-Pointe: Saragossa könnte zum Trumpf werden

Eine Entwicklung macht den B03 strategisch besonders interessant, und sie hat mit Berlin mehr zu tun als mit Hangzhou. Aktuell wird politisch darüber gestritten, die staatliche E-Auto-Prämie stärker an europäische Wertschöpfung zu koppeln; die CSU fordert genau das, nach französischem Vorbild. Sollte eine solche Regel kommen, stünden reine China-Importe schlechter da, ein ab 2027 in Spanien gebauter B03 dagegen womöglich auf der Gewinnerseite, ähnlich wie es unser Leapmotor B05 mit der Stellantis-Karte schon heute vormacht.

Rechnen wir das Szenario einmal durch: Ein deutscher B03 zu angenommenen 23.500 Euro läge nach voller Prämie von bis zu 6.000 Euro bei effektiv rund 17.500 Euro, mit LFP-Robustheit, europäischem Händlernetz und Kompaktwagen-Kofferraum. Der VW ID. Polo Trend steht effektiv bei 24.995 Euro inklusive Werksprämie. Diese Lücke ist der Grund, warum der B03 für Wolfsburg unangenehmer werden könnte als jedes 16.000-Euro-Märchen aus den Schlagzeilen: Er kommt wirklich, er kommt mit Netz, und er kommt womöglich mit Förderfähigkeit.

Wichtig bleibt die ehrliche Einschränkung: Sowohl der deutsche Preis als auch die künftigen Förderregeln sind heute Annahmen, keine Fakten. Die Richtung stimmt trotzdem.

Leapmotor B03

Wo der B03 im deutschen Markt landen würde

Das Zielrevier ist das am härtesten umkämpfte Segment des Jahres: elektrische Klein- und Kompaktwagen um 25.000 Euro. Dort stehen der VW ID. Polo, der Hyundai Inster, der BYD Dolphin Surf, der Renault Twingo E-Tech und bald der Kia EV2. Gegen dieses Feld bringt der B03 drei Argumente mit: das für die Länge außergewöhnliche Platzangebot, die aggressive Serienausstattung und die Stellantis-Infrastruktur, die dem Newcomer-Risiko den Schrecken nimmt.

Die offenen Fragen sind dieselben wie bei jedem Leapmotor: Die Fahrzeuggarantie der Marke liegt mit vier Jahren und 100.000 Kilometern deutlich hinter Kia oder GWM, die Assistenzsysteme chinesischer Hersteller kalibrieren europäische Tester regelmäßig als übereifrig ein, und der Markenname ist hierzulande weiter erklärungsbedürftig. Der B10 und der B05 haben allerdings gezeigt, dass Leapmotor lernfähig ist; die Marke legte bei den deutschen Zulassungen zuletzt dreistellig zu und lieferte im Juli weltweit erstmals über 100.000 Fahrzeuge in einem Monat aus.

Der ehrliche Realitätscheck: Was zwischen China-Traum und deutschem Alltag steht

Damit die Begeisterung geerdet bleibt, hier die Punkte, die zwischen den gestrigen Schlagzeilen und einem empfehlenswerten deutschen Auto liegen. Die China-Preise sind, wie immer, nicht übertragbar; der B03X kostet in Deutschland mehr als das Doppelte seines China-Zwillings, und beim B03 wird die Relation ähnlich ausfallen. Die CLTC-Reichweiten schrumpfen im WLTP-Verfahren typischerweise um 20 bis 25 Prozent, aus den 510 China-Kilometern werden also realistisch um die 400. Und die schnelle 16-Minuten-Ladeangabe bezieht sich auf das schmale Fenster von 30 auf 80 Prozent; der branchenübliche Hub von 10 auf 80 dauert länger.

Dazu kommt der Punkt, den kein Datenblatt zeigt: Fahrwerksabstimmung, Lenkgefühl und Assistenz-Kalibrierung entscheiden in europäischen Tests regelmäßig über Wohl und Wehe chinesischer Modelle, und genau dort hat auch Leapmotor beim T03 noch Lehrgeld gezahlt. Der B10 zeigte dann, wie schnell die Marke lernt. Ob der B03 auf diesem neueren Stand ankommt, prüfen wir, sobald ein europäisches Exemplar verfügbar ist.

Mein Rat: Was Interessenten jetzt tun sollten

Kaufen kannst du den B03 heute nicht, und genau darin liegt die Gelegenheit. Wer ein günstiges Elektroauto plant und nicht drängt, sollte den Herbst abwarten: Mit der erwarteten Europa-Premiere im Oktober werden Preis, WLTP-Daten und Ausstattung konkret, und dann lässt sich der B03 sauber gegen ID. Polo, Inster und Dolphin Surf rechnen. Wer sofort ein Auto braucht, findet die aktuelle Rangliste in unserem Überblick der günstigsten E-Autos mit Förderung; dort spielt Leapmotor mit dem T03 schon heute vorn mit.

Und wer den B03X interessant findet, das bereits lieferbare SUV-Pendant: Der ist ab 24.900 Euro bestellbar und nach aktuellem Stand voll förderfähig, womit er effektiv unter 19.000 Euro rutschen kann. Manchmal ist das Schwestermodell von heute die bessere Entscheidung als das Versprechen von morgen, zumal niemand garantieren kann, dass die Förderkonditionen im nächsten Frühjahr noch die heutigen sind. Für alle anderen gilt: Der B03 gehört ab sofort ganz oben auf die Beobachtungsliste, und dieser Artikel wird sein Dossier; wir aktualisieren ihn mit jeder belastbaren Europa-Information.

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Über den Autor: Amit Ahirrao ist professioneller Präzisionsfahrer und Gründer von AutoColumn. Er bewertet Fahrzeuge anhand realer Daten, gefahrener Strecken und nachvollziehbarer Einordnungen.

Letzte Aktualisierung: 12. August 2026 · Datenquellen: CnEVPost, Gasgoo, InsideEVs, auto motor und sport, CarNewsChina. China-Preise umgerechnet, Stand 12.08.2026.

Kommt der Leapmotor B03 nach Deutschland?

Ja, der Leapmotor B03 ist als globales Modell bestätigt. Die Europa-Premiere wird für Oktober 2026 erwartet, ab 2027 soll er im Stellantis-Werk bei Saragossa in Spanien gebaut werden. Einen deutschen Marktstart-Termin nennt Leapmotor noch nicht.

Was kostet der Leapmotor B03?

In China kostet der als A05 verkaufte B03 zwischen 63.900 und 90.900 Yuan, umgerechnet rund 7.700 bis 11.000 Euro. In Deutschland wird ein Einstieg um 23.000 bis 24.500 Euro erwartet, knapp unter dem Schwester-SUV B03X, das hier 24.900 Euro kostet.

Welche Reichweite hat der Leapmotor B03?

In China gibt es 39,8- und 53-kWh-LFP-Batterien mit 405 beziehungsweise 510 Kilometern nach der optimistischen CLTC-Norm. Nach WLTP entspricht das realistisch etwa 300 bis 400 Kilometern. Die große Batterie lädt von 30 auf 80 Prozent in 16 Minuten.

Wie groß ist der Leapmotor B03?

Der B03 ist 4,20 Meter lang, 1,80 Meter breit und 1,56 Meter hoch, mit 2,61 Metern Radstand. Er positioniert sich zwischen VW ID. Polo und ID.3. Der Kofferraum fasst beachtliche 474 bis 1.308 Liter.

Was unterscheidet den Leapmotor B03 vom B03X?

Beide nutzen dieselbe Plattform und denselben Radstand. Der B03 ist das flachere Schrägheck, der B03X die sieben Zentimeter längere und höhere SUV-Variante, die in Deutschland bereits ab 24.900 Euro verkauft wird. Die Technik dürfte weitgehend identisch ausfallen.

Ist Leapmotor eine vertrauenswürdige Marke?

Leapmotor gehört zu den etablierteren China-Newcomern: Stellantis ist beteiligt, der Vertrieb läuft über rund 130 deutsche Servicepartner des Konzerns, und im Juli lieferte die Marke weltweit erstmals über 100.000 Autos in einem Monat aus. Die Garantie beträgt allerdings nur vier Jahre.

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