Ob ein Notbremsassistent Warnweste, Arbeitsjacke und reflektierende Kinderkleidung im Dunkeln richtig deutet, hat der ADAC jetzt an sechs aktuellen Autos geprüft. Das Ergebnis ist paradox. Den Erwachsenen mit normaler Warnweste erkannten alle Systeme. Ein Schulkind mit Reflektoren und Ranzen übersahen dagegen fast alle. Nur der Mercedes CLA bremste für das Kind, das hinter einem parkenden Auto hervorlief.
Ich habe die ADAC-Studie vom 27.10.2026, die Berichte dazu und eine ähnliche Untersuchung aus den USA durchgearbeitet. Du erfährst, was der ADAC genau geprüft hat, warum die Technik an Reflektoren scheitert und was das Gesetz verlangt. Dazu bekommst du konkrete Tipps für den Schulweg, für die Fahrt im Dunkeln und für alle, die beruflich am Straßenrand stehen.
Warum dieser Test genau jetzt kommt
Seit der Zeitumstellung am Sonntag, 25. Oktober, ist es auf dem Heimweg oft schon dunkel. Für Kinder beginnt damit eine heikle Zeit. Laut Statistischem Bundesamt verunglückten 2025 rund 29.270 Kinder unter 15 Jahren im Straßenverkehr. Das sind 7 Prozent mehr als im Vorjahr. 74 Kinder starben, 2024 waren es noch 53.
Bei den 6 bis 14 Jahre alten Kindern liegt die Spitze werktags zwischen 7 und 8 Uhr, also auf dem Schulweg. Jedes fünfte verunglückte Kind war zu Fuß unterwegs. Im Winter ist es um diese Uhrzeit oft noch dunkel. Genau dann sollen Warnweste und Reflektoren helfen.
Der ADAC betont zudem, dass der Anteil der nachts getöteten Fußgänger besonders hoch ist. Deshalb stellt die neue Studie eine unbequeme Frage. Was passiert, wenn ausgerechnet die Kleidung, die Menschen sichtbar machen soll, die Elektronik im Auto verwirrt?
Ganz neu ist der Verdacht nicht. Schon im Januar 2025 hatte das US-Institut IIHS drei SUVs nachts mit Reflektorkleidung getestet. Honda CR-V und Mazda CX-5 verringerten ihr Tempo bei Reflektorstreifen an Armen und Beinen in keinem Durchgang. Der Subaru Forester vermied dagegen bis auf einen Versuch jede Kollision. Jetzt liegen erstmals Daten zu Autos vor, die du in Deutschland kaufen kannst.
So hat der ADAC den Notbremsassistenten getestet
Der ADAC hat sechs aktuelle Modelle nachts mit Dummys konfrontiert. Die Methode lehnt sich an die Nachtversuche von Euro NCAP an. Zuerst ermittelten die Tester für jedes Auto eine eigene Referenzgeschwindigkeit. Das ist laut t-online das höchste Tempo, bei dem das System einen Dummy ohne Warnkleidung im Dunkeln noch sicher verschont.
Danach folgten die Varianten mit Kleidung. Weil jedes Auto ein anderes Referenztempo hatte, lassen sich die Modelle nicht direkt vergleichen. Eine Rangliste gibt es deshalb ausdrücklich nicht. Die konkreten Geschwindigkeiten hat der ADAC nicht veröffentlicht.
Diese Szenarien standen auf dem Plan:
- Erwachsener Dummy mit handelsüblicher Warnweste
- Erwachsener Dummy in genormter Arbeitskleidung, wie sie Bauarbeiter, Rettungsdienst, Polizei und ADAC Straßenwacht tragen
- Kinderdummy in dunkler Kleidung
- Kinderdummy in reflektierender Kleidung mit Schulranzen
- Kind in reflektierender Kleidung, das hinter einem parkenden Auto auf die Straße läuft
Die sechs Testautos und ihre Sensoren
Die Auswahl ist bewusst gemischt. Es sind Elektroautos und Verbrenner dabei, günstige und teure Modelle, reine Kamerasysteme und Kombinationen aus Kamera und Radar.
| Modell | Sensorik laut Testbericht | Besonderheit laut ADAC |
|---|---|---|
| Mercedes CLA | Radar und Kamera | Euro NCAP Best in Class 2025 |
| Tesla Model Y | nur Kamera | reines Kamerasystem |
| BYD Seal | Kamera und Radar | keine |
| Hyundai Tucson | Radar und Kamera | Auswahl wegen Unterschied Tag/Nacht bei Euro NCAP |
| Dacia Duster | nur Kamera | reines Kamerasystem |
| Opel Astra Sports Tourer | Radar und Kamera | Auswahl wegen Unterschied Tag/Nacht bei Euro NCAP |
Interessant ist die Begründung für Hyundai und Opel. Der ADAC nahm sie wegen einer Diskrepanz zwischen Tag- und Nachtleistung in den Euro-NCAP-Tests dieser Hersteller in die Auswahl. Wer nachts ohnehin schwächer ist, verdient also einen genaueren Blick.
Die Ergebnisse: Wie der Notbremsassistent Warnweste, Arbeitskleidung und Kinder einordnet
| Szenario | Ergebnis laut ADAC |
|---|---|
| Erwachsener mit handelsüblicher Warnweste | Alle sechs Autos erkannten den Dummy und vermieden die Kollision |
| Erwachsener in genormter Arbeitskleidung | Fast alle erkannten ihn gar nicht oder viel zu spät |
| Kind in dunkler Kleidung | Alle sechs erkannten das Kind und leiteten eine Notbremsung ein |
| Kind in reflektierender Kleidung mit Schulranzen | Nahezu jedes System bremste nicht oder zu spät |
| Kind mit Reflektoren läuft hinter parkendem Auto hervor | Nur der Mercedes CLA erkannte das Kind |
Was diese Tabelle so bitter macht: Das Kind in dunkler Kleidung fiel keinem System durch. Erst die reflektierende Kleidung, die das Kind schützen soll, machte es für die Elektronik praktisch unsichtbar. Die Warnweste beim Erwachsenen störte dagegen kein einziges Auto.
Der ADAC wertet das als erhebliche Sicherheitslücke. In der Pressemitteilung heißt es, die Ergebnisse zeigten „überraschende Sicherheitslücken bei den Systemen aller beteiligten Hersteller“. Kein Hersteller kommt also ganz ohne Kratzer davon.
Was über die einzelnen Autos bekannt ist
Einzelergebnisse nennt der ADAC nur für zwei Modelle. Der Mercedes CLA war das einzige Auto, das sich von der reflektierenden Kinderkleidung nicht irritieren ließ. Bei der genormten Arbeitskleidung schwächelte aber auch er. Laut ADAC warnte er zu spät oder konnte die Kollision trotz Teilbremsung nicht ganz verhindern.
Beim BYD Seal zeigt der ADAC ein Testbild mit klarer Unterschrift: Das über die Straße laufende Schulkind hätte der Seal übersehen. Zu Tesla Model Y, Hyundai Tucson, Dacia Duster und Opel Astra gibt es keine veröffentlichten Einzelwerte. Bei ihnen gelten nur die Gesamtaussagen aus der Tabelle oben.
Was die Studie nicht beantwortet
Für Besitzer ist das unbefriedigend. Wer einen Duster oder ein Model Y fährt, kann nicht ablesen, wie sein Auto genau abgeschnitten hat. Auch die Zahl der Durchläufe pro Szenario nennt der ADAC nicht. Zudem bleibt ein Dummy ein Dummy, kein echter Mensch mit echter Jacke. Trotzdem halte ich die Aussage für belastbar, weil das Muster bei allen Herstellern auftrat.
Warum der Notbremsassistent an Reflektoren scheitert
Spannend ist die Ursache. Laut ADAC liegt das Problem weniger an Kamera oder Radar als an der Software. Die Systeme erfassen die Person durchaus. Sie ordnen sie aber nicht als Fußgänger ein. Denn große Reflektorflächen weichen offenbar zu stark von den Mustern ab, mit denen die Software trainiert ist.
Außerdem schreibt der ADAC, dass tief sitzende Reflektoren die Systeme offenbar irritieren. Bei einem Kind sitzen Reflektoren an Ranzen, Jacke und Hose zwangsläufig tief. Das passt zum schlechten Abschneiden im Kinderszenario.
Kamera, Radar und die Frage, ob da ein Mensch steht
Ein Notbremsassistent arbeitet in zwei Schritten. Zuerst erfasst er Objekte vor dem Auto. Dann entscheidet er, was das Objekt ist und ob es in den Fahrweg gerät. Erst wenn beides passt, warnt er und bremst im Notfall selbst.
Die Kamera liefert das Bild, aus dem die Software Form und Bewegung eines Menschen herausliest. Der Radar misst Abstand und Tempo sehr genau. Allerdings verrät er wenig darüber, ob vor ihm ein Mensch oder ein Pfosten steht. Moderne Systeme verknüpfen deshalb beide Signale.
Nachts wird es knifflig. Im Scheinwerferlicht leuchten Reflektorstreifen grell auf, während der Rest der Person fast schwarz bleibt. Für die Kamera entsteht so kein vertrauter Umriss, sondern ein Muster aus hellen Balken. Meine Einschätzung: Ein System, das sich nicht sicher ist, bremst eher nicht, weil Hersteller Fehlbremsungen vermeiden wollen.
Warnweste gut, Arbeitsjacke schlecht: Was dahinter stecken könnte
Warum behandelt der Notbremsassistent Warnweste und Arbeitsjacke so unterschiedlich? Eine einfache Warnweste bedeckt nur den Oberkörper. Arme, Beine und Kopf behalten ihren normalen Umriss. Typische Warnschutzkleidung im Straßendienst trägt dagegen zusätzliche Streifen an Ärmeln und Hosenbeinen. Genau solche Streifen an Gelenken und Gliedmaßen hatte auch das IIHS im Verdacht.
IIHS-Forscher David Kidd vermutet, dass sich bewegende Streifen die Sensoren verwirren. Menschen erkennen dieses Bewegungsmuster dagegen sofort als Person. Das ist eine plausible Erklärung, aber keine bewiesene. Der ADAC selbst nennt nur die Klassifizierung als Ursache und die tief sitzenden Reflektoren als Auffälligkeit.
Warum der Mercedes CLA besser abschneidet
Eine offizielle Erklärung von Mercedes zu diesem Ergebnis habe ich nicht gefunden. Der ADAC verweist auf zwei Punkte. Der CLA kombiniert Radar und Kamera. Zudem kürte Euro NCAP ihn zum besten Auto des Jahrgangs 2025 („Best in Class“). Laut Euro NCAP trugen seine fein abgestimmten Notbremssysteme zur Spitzenwertung beim Schutz ungeschützter Verkehrsteilnehmer bei.
Die Hardware allein erklärt den Vorsprung aber nicht. Auch der BYD Seal nutzt Kamera und Radar und hätte das Schulkind übersehen. Für mich spricht das klar für die These des ADAC: Entscheidend ist, wie gut die Software trainiert ist. Und auch der CLA ist nicht fehlerfrei, wie die Arbeitskleidung zeigt. Mehr zum Auto selbst steht in meiner Kaufberatung zum Mercedes CLA.
Was Gesetz und Euro NCAP verlangen
Der Notbremsassistent ist in der EU Pflicht. Grundlage ist die Allgemeine Sicherheitsverordnung (EU) 2019/2144. Seit Juli 2024 brauchen alle neu zugelassenen Pkw einen Notbremsassistenten, der Fahrzeuge erkennt. Neue Fahrzeugtypen müssen seit Juli 2024 zusätzlich Fußgänger und Radfahrer erkennen. Seit dem 7. Juli 2026 gilt das für jeden neu zugelassenen Pkw und Transporter.
| Stichtag | Was gilt |
|---|---|
| seit 2016 | Euro NCAP testet laut ADAC Fußgängererkennung auch nachts |
| Juli 2024 | Notbremsassistent mit Fahrzeugerkennung Pflicht für alle Neuzulassungen |
| Juli 2024 | Fußgänger- und Radfahrererkennung Pflicht für neue Fahrzeugtypen |
| 7. Juli 2026 | Fußgänger- und Radfahrererkennung Pflicht für alle neuen Pkw und Transporter |
| seit 2026 | Euro NCAP variiert die Testabläufe, aber nicht die Kleidung |
Eine Lücke bleibt trotzdem. Kein Gesetz schreibt vor, dass ein System Menschen in Warnkleidung erkennen muss. Auch in den Prüfprotokollen von Euro NCAP fehlt dieses Szenario. Zwar variiert Euro NCAP laut ADAC seit 2026 die Tests, um die Robustheit der Systeme zu prüfen. Die Kleidung der Dummys gehört aber nicht dazu.
Meine Vermutung: Genau deshalb hatte kaum ein Hersteller das Problem auf dem Schirm. Die Industrie entwickelt oft auf den Test hin. Was niemand prüft, bekommt weniger Aufmerksamkeit. Wie Euro NCAP Sicherheit sonst bewertet, zeigt mein Ranking zum sichersten Elektroauto pro Euro.
Was Eltern jetzt tun sollten: Warnweste bleibt Pflichtprogramm
Die wichtigste Botschaft zuerst: Zieh deinem Kind die Warnweste trotzdem an. Ob der Notbremsassistent Warnweste und Ranzen erkennt, ist dabei zweitrangig. Das sagt auch der ADAC sehr deutlich. Eine Warnweste macht einen Menschen für das menschliche Auge erheblich besser sichtbar. Und noch sitzt hinter jedem Lenkrad ein Mensch, der hinschauen muss.
Der Sicherheitsgewinn ist laut ADAC größer als das Risiko durch einen Assistenten, der zu spät oder gar nicht reagiert. Das sehe ich genauso. Ein dunkel gekleidetes Kind hat zwar im Test jedes Auto erkannt. Für den Fahrer ist es nachts aber oft erst sehr spät zu sehen. Wer jetzt die Reflektoren abnimmt, tauscht ein Technikproblem gegen ein viel größeres Sichtproblem.
Vier Punkte für den Schulweg
- Gute Weste kaufen. Achte auf zertifizierte Ware mit aufgedruckter Prüfnorm. Bei einem ADAC-Test von 25 Warnwesten aus dem Onlinehandel fielen laut t-online 15 durch. Bestanden haben vor allem Westen aus dem Laden und vom Discounter.
- Taschenlampen-Test machen. Halte das Handylicht neben deine Augen und leuchte die Weste aus etwa drei Metern an. Eine gute Weste strahlt hell weiß zurück. Eine schlechte ist kaum heller als Papier.
- Schulweg im Dunkeln ablaufen. Zeig deinem Kind die Stellen, an denen es zwischen parkenden Autos hervortreten muss. Genau dort erkannte im Test nur ein einziges Auto das Kind.
- Blickkontakt üben. Dein Kind sollte erst losgehen, wenn der Fahrer sichtbar reagiert hat. Der Satz „Das Auto bremst schon“ gehört nicht auf den Schulweg.
Was Autofahrer im Dunkeln wissen müssen
Der Notbremsassistent ist eine letzte Rückfallebene, kein Aufpasser. So nannte das ADAC-Testteam ihn schon im April 2026 nach einem Test bei Starkregen und Nebel. Damals versagten fast alle Systeme im dichten Nebel. Der Mercedes CLA reagierte dort überraschend stabil, erkannte aber einen kreuzenden Fußgänger bei leichtem Regen nur unzuverlässig.
Das Tesla Model Y warnte im dichten Nebel nur und bremste nicht. Beim BYD Seal kam bei Starkregen und dichtem Nebel nahezu keine Reaktion. Der ADAC betont deshalb: Du trägst die Verantwortung, nicht die Technik. Blick auf die Straße, und im Zweifel greifst du selbst ein.
Tempo und Anhalteweg im Wohngebiet
Die Faustformel aus der Fahrschule hilft. Der Reaktionsweg ist Tempo durch zehn mal drei. Der normale Bremsweg ist Tempo durch zehn zum Quadrat.
| Tempo | Reaktionsweg | Bremsweg | Anhalteweg |
|---|---|---|---|
| 30 km/h | 9 m | 9 m | 18 m |
| 50 km/h | 15 m | 25 m | 40 m |
| 70 km/h | 21 m | 49 m | 70 m |
Ein Kind, das zwischen parkenden Autos hervortritt, ist oft viel näher als 40 Meter. Bei Tempo 30 hast du dagegen eine echte Chance. Deshalb fahre ich abends in Wohnstraßen langsamer, auch wenn 50 erlaubt ist.
Licht, Scheiben und Aufmerksamkeit
- Fernlicht nutzen, wo es geht. Im IIHS-Test half es spürbar: Der Honda CR-V bremste ohne Straßenlicht für einen schwarz gekleideten Dummy gar nicht ab. Mit Fernlicht senkte er das Tempo immerhin um 40 Prozent.
- Scheiben und Scheinwerfer sauber halten. Schmutz kostet Licht und stört auch die Kamera hinter der Frontscheibe. Im Winter gehört das zur Routine, genau wie die richtigen Winterreifen fürs E-Auto.
- Gelbe Streifen heißen Mensch. Wenn am Straßenrand Warnkleidung aufblitzt, gehst du vom Gas, egal was dein Auto denkt.
Bauarbeiter, Polizei, Pannenhilfe: Warum die Warnweste trotzdem schützt
Am schlechtesten schnitt im Test die genormte Arbeitskleidung ab. Das trifft Menschen, die ohnehin gefährlich nah am Verkehr arbeiten: Straßenbau, Rettungsdienst, Polizei und Pannenhilfe. Für sie ist die Studie besonders unbequem.
Trotzdem wäre es falsch, auf die Kleidung zu verzichten. Auch hier gilt die Logik des ADAC: Der menschliche Fahrer sieht dich mit Reflektoren viel früher. Der Assistent ist nur das Netz unter dem Netz.
Was ich Profis und Privatleuten bei einer Panne rate:
- Warnweste vor dem Aussteigen anziehen. Seit Juli 2014 muss in jedem Pkw in Deutschland eine Warnweste liegen. Am besten griffbereit in der Fahrertür, nicht im Kofferraum.
- Raus aus dem Fahrweg. Auf der Autobahn gehst du hinter die Leitplanke, nicht neben das Auto.
- Nie auf das Bremsen der anderen verlassen. Stell dich so, dass du ausweichen kannst und den Verkehr im Blick hast.
- Absicherung nutzen. Warndreieck, Warnblinker und bei Profis Leitkegel und Warnleuchten machen die Stelle früher sichtbar.
Arbeitgeber im Straßendienst sollten die Studie zudem ihren Teams zeigen. Wer weiß, dass ein Auto ihn womöglich nicht als Mensch erkennt, steht anders am Fahrbahnrand.
Was die Hersteller jetzt liefern müssen
Der ADAC fordert schnelle Nachbesserungen. Damit der Notbremsassistent Warnweste und Arbeitskleidung künftig sicher einordnet, braucht es laut ADAC oft keine neue Hardware. Der Club hält ein Software-Update in vielen Fällen für ausreichend. Das wäre die gute Nachricht dieser Studie: Viele Autos auf der Straße ließen sich nachträglich verbessern. Bei Modellen mit Online-Updates ginge das sogar ohne Werkstattbesuch.
Ob und wann die Hersteller liefern, ist Stand 28.10.2026 noch nicht bekannt. Eine konkrete Ankündigung habe ich bei meiner Recherche nicht gefunden.
Meine Forderungen gehen etwas weiter:
- Euro NCAP sollte Warnkleidung in die Nachtversuche aufnehmen. Erst wenn es Punkte kostet, wird das Thema für jeden Hersteller Pflicht.
- Der ADAC sollte alle Einzelergebnisse veröffentlichen. Besitzer von Duster, Model Y, Tucson oder Astra haben ein Recht zu wissen, wie ihr Auto reagiert.
- Hersteller sollten Updates klar benennen. Ein Satz wie „verbesserte Fußgängererkennung bei Warnkleidung“ in den Release Notes würde reichen.
Mein Fazit: Warnweste an, Notbremsassistent nicht überschätzen
Diese Studie ist unbequem, aber wertvoll. Sie zeigt, dass beim Thema Notbremsassistent Warnweste und Technik noch nicht zusammenpassen. Ausgerechnet die Menschen, die sich am stärksten schützen, fallen durchs Raster. Das ist kein Hardware-Problem, sondern eine Lücke im Training der Software. Und genau deshalb ist sie lösbar.
Mein Rat in drei Sätzen:
- Wenn du Kinder hast, bleibt die Warnweste Pflicht. Kauf eine geprüfte und mach den Taschenlampen-Test.
- Wenn du fährst, behandle den Notbremsassistenten wie einen Airbag. Gut, dass er da ist, aber du planst nicht mit ihm.
- Wenn du ein Auto kaufst, wähle es nicht nach diesem Test aus. Der ADAC hat bewusst keine Rangliste erstellt. Der CLA war im Kinderszenario vorn, scheiterte aber auch an der Arbeitskleidung.
Finger weg von dem Gedanken, die Reflektoren am Ranzen abzuschneiden, weil „die Autos sie nicht sehen“. Die Autos sehen sie schlecht. Menschen sehen sie dafür umso besser. Bis die Hersteller nachgebessert haben, bleibt die Frage, ob dein Notbremsassistent Warnweste und Reflektoren erkennt, eine Wette. Und auf dem Schulweg wettet man nicht.
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Über den Autor: Amit Ahirrao ist professioneller Präzisionsfahrer und Gründer von AutoColumn. Er schreibt über Elektroautos, Fahrzeugsicherheit und das, was Fahrer im Alltag wirklich wissen müssen.
Letzte Aktualisierung: 28.10.2026
Quellen anzeigen (14)
Letzte Aktualisierung: 28.10.2026 · Datenquellen: ADAC Pressemitteilung vom 27.10.2026, ADAC Testbericht Notbremsassistenten bei reflektierender Kleidung, ADAC Test Notbremsassistenten bei Starkregen und Nebel, elektroauto-news, t-online zum ADAC-Test, teltarif, suedwest24, IIHS zu Warnkleidung und Notbremsung, Euro NCAP Best in Class 2025, Destatis Kinderunfälle 2025, The Brake Report zur EU-Pflicht, Auto Bild zu Pflicht-Assistenzsystemen, auto motor und sport zu Pflichtsystemen 2026, t-online zum ADAC-Warnwestentest
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Der ADAC prüfte Mercedes CLA, Tesla Model Y, BYD Seal, Hyundai Tucson, Dacia Duster und Opel Astra. Jedes Auto fuhr mit einer eigenen Referenzgeschwindigkeit, deshalb gibt es keine Rangliste. Nur der Mercedes CLA erkannte das Kind mit Reflektoren, das hinter einem parkenden Auto hervorlief.
Laut ADAC liegt es an der Software, nicht an Kamera oder Radar. Die Systeme erfassen die Person, ordnen sie aber nicht als Fußgänger ein, weil große Reflektorflächen von den trainierten Mustern abweichen. Auch tief sitzende Reflektoren irritieren die Systeme offenbar.
Ja. Der ADAC rät ausdrücklich dazu, weil die Weste für das menschliche Auge die Sichtbarkeit erheblich verbessert. Der Sicherheitsgewinn ist größer als das Risiko durch einen Assistenten, der zu spät reagiert. Achte auf geprüfte Ware und teste die Weste mit einer Taschenlampe aus etwa drei Metern.
Ja. Seit dem 7. Juli 2026 müssen alle neu zugelassenen Pkw und Transporter in der EU Fußgänger und Radfahrer erkennen, neue Fahrzeugtypen schon seit Juli 2024. Menschen in Warnkleidung zu erkennen, schreibt das Gesetz aber nicht vor, und auch Euro NCAP prüft das bisher nicht.
Der ADAC hält das in vielen Fällen für möglich, weil der Fehler in der Einordnung der Verkehrsteilnehmer liegt. Ob und wann die Hersteller Updates liefern, ist Stand 28.10.2026 noch nicht bekannt.







