Freelander 8

Freelander 8: 10.000 Bestellungen in 48 Stunden – und diesmal ist der Deutschland-Plan echt

Der Name Freelander ist zurück, und wie: Binnen 48 Stunden nach dem Vorverkaufsstart am 14. August sammelte der neue Freelander 8 in China mehr als 10.000 Vorbestellungen ein. Hinter dem wiederbelebten Land-Rover-Klassiker steht ein Joint Venture aus Chery und Jaguar Land Rover. Es legt den Namen als eigenständige Marke neu auf. Das erste Modell ist ein 5,12 Meter langes Luxus-SUV mit Range-Extender-Antrieb und 610 kW Systemleistung, also 818 PS. Der China-Vorverkaufspreis beginnt bei 339.900 Yuan, umgerechnet rund 40.800 Euro.

Ich ordne den Hype ein, und diesmal fällt die Deutschland-Prognose anders aus als bei den üblichen China-Rekordmeldungen. Denn während der MG 07 mit seinem 16.000-Euro-Märchen nie offiziell für Europa bestätigt wurde, hat die Freelander-Marke von Anfang an eine eigene Europa-Spezifikation angekündigt und plant einen synchronisierten Weltstart statt des üblichen China-zuerst-Fahrplans. Was der Freelander 8 kann, was er hier kosten dürfte und wo die ehrlichen Fragezeichen bleiben, liest du hier.


Der Rekord und seine Fußnote

Zunächst die übliche, notwendige Einordnung: 10.000 Vorbestellungen in 48 Stunden sind ein starkes Nachfragesignal, aber keine 10.000 verkauften Autos. In China basieren solche Zahlen auf erstattbaren Anzahlungen, und ein Teil davon wird nie zum Kaufvertrag. Die Marke selbst nannte über die reine Zahl hinaus keine Details. Das Muster kennen wir von MG 07 und Ferrari Luce, und es gilt hier genauso.

Auch der Vergleich mit den Rekorden der Saison hilft bei der Maßstabsbildung: Der MG 07 sammelte 21.000 Vorbestellungen in 20 Stunden, allerdings ab umgerechnet 16.000 Euro im Volumensegment; Xiaomi schaffte einst 15.000 SU7-Bestellungen in 34 Minuten. Gemessen daran wirken 10.000 in 48 Stunden fast bescheiden, bis man den Preis danebenlegt. Der Freelander 8 kostet das Zwei- bis Dreifache dieser Rekordhalter. In seiner Preisklasse sind fünfstellige Bestellzahlen binnen zwei Tagen eine echte Seltenheit.

Bemerkenswert bleibt der Wert trotzdem, aus einem eigenen Grund. Der Freelander 8 startet nicht im Budget-Segment, wo Rekorde über den Preis erkauft werden. Er tritt im hart umkämpften chinesischen Markt für Premium-SUVs mit Range Extender an, gegen etablierte und äußerst wehrhafte Größen wie Li Auto und AITO. Dass eine völlig neue Marke dort aus dem Stand fünfstellig vorbestellt wird, spricht für die Zugkraft zweier Zutaten: des Namens mit britischem Stammbaum und eines Datenblatts, das selbst in China auffällt.

Die Marke: Was Chery und JLR hier wirklich bauen

Die Vorgeschichte ist ungewöhnlich genug für einen eigenen Abschnitt. Freelander ist keine Modellbezeichnung mehr. Seit 2024 ist es eine eigenständige Marke, die Jaguar Land Rover an das bestehende Gemeinschaftsunternehmen mit Chery lizenziert hat. Es ist das erste Mal, dass JLR einen seiner historischen Namen auf diese Weise ausgründet. Die Aufgabenteilung ist klar geregelt. Chery liefert Plattform und Entwicklung, JLR steuert das Design bei. Gezeichnet wird unter Verantwortung von Design-Chef Gerry McGovern, dem Mann hinter Defender und Range Rover. Ein Land-Rover-Logo trägt der Freelander 8 trotzdem nicht, die Marke steht bewusst auf eigenen Rädern.

Gebaut wird im Werk Changshu, und auch dieser Ort erzählt die Geschichte des Umbruchs. Im März lief dort der letzte in China gefertigte Range Rover Evoque mit Verbrenner vom Band. Seither wurde das Werk für umgerechnet rund 442 Millionen Euro auf die neue Marke umgerüstet. Der Freelander 8 übernimmt diese Linie als erstes Serienmodell der neuen Ära. Zwei weitere Freelander-Modelle sind für die kommenden Jahre bereits fest angekündigt. Die Pointe für Kenner der Historie: Der ursprüngliche Freelander war ab 1997 der erschwingliche Einsteiger-Land-Rover. Zeitweise war er sogar Europas meistverkauftes 4×4-Fahrzeug. Sein Namenserbe startet nun als Technologie-Flaggschiff deutlich oberhalb dieser Rolle.

Die Daten: 818 PS und ein 800-Volt-Range-Extender

Das Datenblatt erklärt einen Gutteil des Bestellansturms, denn es kombiniert zwei Welten, die bisher selten zusammenkamen. Die Vorverkaufs-Staffelung in China (Stand 19.08.2026):

VarianteSitzePreis Chinaumgerechnet
Freelander 85339.900 Yuanca. 40.800 €
Freelander 8 Pro6349.900 Yuanca. 42.000 €
Freelander 8 Max6379.900 Yuanca. 45.600 €
Freelander 8 Max+6429.900 Yuanca. 51.600 €
First Edition (1.000 Stück)6449.900 Yuanca. 54.000 €

Antrieb und Ladetechnik

Der Antrieb ist ein Range Extender der neuesten Generation. Ein 1,5-Liter-Turbobenziner arbeitet ausschließlich als Generator. Den Vortrieb übernehmen zwei Elektromotoren mit zusammen 610 kW (818 PS) und 813 Newtonmetern; der Standardsprint dauert 4,6 Sekunden. Die 60,3-kWh-Batterie aus CATLs neuer Freevoy-Serie soll nach chinesischer CLTC-Norm 310 Kilometer rein elektrisch schaffen. Realistisch nach WLTP wären das grob 230 bis 250 Kilometer. Das reicht, um den kompletten Alltag ohne einen Tropfen Benzin zu bestreiten.

Die eigentliche Ansage steckt in der Ladetechnik: Der Freelander 8 steht auf einer 800-Volt-Architektur mit 6C-Laderate und soll von 20 auf 80 Prozent in zwölf Minuten laden. Zur Einordnung: Das ist Porsche-Taycan-Niveau, in einem Range-Extender-Fahrzeug, dessen Gattung bisher eher mit gemächlichem Laden lebte. Dazu kommen serienmäßig Huaweis Assistenzsystem Qiankun ADS 5 quer durch alle Varianten und als Weltpremiere Qualcomms neuer Snapdragon-8397-Chip mit 320 TOPS Rechenleistung, eine Kombination, die es in dieser Form bisher in keinem Serienauto gab. Innen setzt sich die Ansage fort. Ein 46,3-Zoll-Display spannt sich über das Armaturenbrett, dazu ein 15,6-Zoll-Zentralbildschirm. In Reihe zwei warten Zero-Gravity-Sitze mit Heizung, Belüftung und Massage, ergänzt um Klapptische, einen Kühlschrank und einen Deckenbildschirm. Das Zielbild ist offensichtlich die Chauffeurs-Klasse des chinesischen Marktes, nicht der klassische Geländewagen britischer Prägung.

Range Extender erklärt: Warum diese Technik gerade zurückkommt

Weil der Begriff hierzulande fast vergessen war, die kurze Einordnung. Ein Range Extender (EREV) ist ein Elektroauto mit Benzin-Generator: Die Räder werden immer elektrisch angetrieben, der Verbrenner lädt bei Bedarf ausschließlich die Batterie nach. Der Fahrer bekommt also durchgehend Elektro-Fahrgefühl mit sofortigem Drehmoment und leisem Lauf, aber ohne hartes Reichweiten-Limit, denn getankt ist im Zweifel immer schneller als geladen. In Deutschland scheiterte das Konzept einst mit dem BMW i3 REx an kleinen Batterien und schwachen Generatoren. In China ist es mit großen Akkus und effizienten Generatoren zur meistgekauften Antriebsform im Premium-SUV-Segment geworden. Marken wie Li Auto haben ihr gesamtes Geschäftsmodell darauf aufgebaut.

Der Freelander 8 zeigt, wie weit die Technik inzwischen ist. 45,8 Prozent thermischer Wirkungsgrad des Generators sind ein Wert, den selbst hocheffiziente Hybrid-Motoren kaum erreichen. Und die 800-Volt-Ladetechnik nimmt dem System die letzte alte Schwäche, das langsame Nachladen. Für europäische Vielfahrer, denen reine Elektroautos auf der Langstrecke zu unflexibel sind, ist genau diese Kombination die interessanteste Brückentechnologie der kommenden Jahre, und die deutschen Hersteller haben ihr derzeit erstaunlich wenig entgegenzusetzen.

Kommt der Freelander 8 nach Deutschland?

Jetzt zur Frage hinter der deutschen Schlagzeile, und hier unterscheidet sich der Fall von fast allen China-Rekordgeschichten dieses Jahres. Die Marke hat von Beginn an globale Ambitionen dokumentiert. Ein synchronisierter Weltstart statt einer China-zuerst-Strategie ist erklärtes Ziel. Linkslenker, Rechtslenker und eine dedizierte Europa-Spezifikation sind seit der Markteinführungsplanung bestätigt. Rund 1.000 Prototypen testen bereits weltweit, aktuell unter anderem in der Hitze der Emirate. Der erste Exportmarkt wird der Nahe Osten mit einer Linkslenker-Version, Australien hat den Marktstart für 2027 über die dortige Chery-Organisation bestätigt, und Prototypen wurden dort bereits auf lokalen Straßen gesichtet.

Für Deutschland gibt es noch keinen offiziellen Termin und keinen Preis, aber eine plausible Infrastruktur. Chery ist mit den Marken Omoda und Jaecoo bereits im deutschen Markt aktiv und baut das zugehörige Händler- und Servicenetz derzeit zügig aus. Ein Vertrieb der Freelander-Marke über diese Strukturen wäre der naheliegende Weg, bestätigt ist er nicht. Mein realistischer Zeithorizont: frühestens Ende 2027, eher 2028, nach Nahost und Australien.

Und der Preis? Die China-Preise sind wie immer nicht übertragbar, aber der Freelander 8 hat einen Zoll-Vorteil, den reine Elektroautos nicht haben: Die EU-Ausgleichszölle zielen auf batterieelektrische Importe, ein Range Extender fällt als Hybrid unter den regulären Zehn-Prozent-Zoll. Rechnet man Transport, Homologation, Steuern und Premium-Positionierung dazu, wäre ein deutscher Einstieg um 55.000 bis 65.000 Euro die plausible Landezone. Das läge deutlich unter einem Land Rover Defender, der hierzulande jenseits der 70.000 Euro beginnt. Das ist eine Einschätzung, keine Ansage; wir aktualisieren, sobald Freelander Europa konkretisiert.

Die Einordnung: Ein neues Segment formiert sich

Der Freelander 8 ist Teil eines Musters, das sich 2026 verdichtet: Luxus-SUVs mit Range Extender drängen aus China Richtung Europa. Der Zeekr 9X spielt mit 897 PS dasselbe Spiel eine Etage höher, und die Logik dahinter ist für den europäischen Markt bestechend, denn der Range Extender umgeht die Reichweitenangst der SUV-Klientel und die BEV-Zölle gleich mit. Für die deutschen Premium-Hersteller ist das die unangenehmste denkbare Angriffslinie: Sie trifft Defender, GLE und X5 in deren Kern-Segment, mit Elektro-Fahrgefühl, Verbrenner-Reisetauglichkeit und Preisen eine Klasse tiefer.

Die offenen Fragen sind dieselben wie bei jedem Newcomer, nur eine Nummer größer: Restwerte einer unbekannten Marke im Luxussegment, Servicequalität jenseits der Metropolen, die Europa-Tauglichkeit von Fahrwerk und Assistenz-Kalibrierung, und ob Huaweis ADS-System in der EU-Regulatorik überhaupt im vollen Umfang ankommt. Ein Datenblatt gewinnt keine Langstrecken-Urlaube und keine Wiederverkaufswerte, und genau dort wird sich ein SUV mit diesem Anspruch über Jahre beweisen müssen, nicht in 48 Stunden.

Der Name als Kapital und als Risiko

Zum Schluss der Faktor, der diese Geschichte in Deutschland besonders macht: der Name selbst. Der Freelander verkaufte sich hierzulande von 1998 bis 2014 in großen Stückzahlen, als robuster und nahbarer Einstieg in die Land-Rover-Welt. Viele seiner damaligen Käufer sind heute exakt die Zielgruppe für ein Premium-SUV. Genau diese Käuferschicht liest jetzt die Rekord-Schlagzeilen und erinnert sich an den eigenen ersten Freelander auf dem Hof. Diese über anderthalb Jahrzehnte gewachsene Vertrautheit ist Marketing-Kapital, das keine neu erfundene China-Marke für Geld kaufen kann; sie erklärt, warum die Schlagzeile vom zurückgekehrten Klassiker hierzulande so zuverlässig zündet.

Sie ist aber auch ein Risiko, denn die Erwartung, die der Name weckt, passt nicht zum Produkt. Wer den Freelander als ehrlichen 30.000-Euro-Allrounder erinnert, findet nun ein 800-Volt-Technologie-Flaggschiff mit 818 PS vor. Es trägt kein Land-Rover-Logo und bietet keine der vertrauten Werkstattbeziehungen von damals. Ob die Nostalgie den Sprung übersteht, wenn aus der Schlagzeile ein Preisschild wird, ist die vielleicht spannendste offene Frage dieses Projekts. Beantworten wird sie sich zuerst in Märkten wie Deutschland, wo der alte Name am stärksten nachhallt.

Mein Fazit: Beobachten, nicht warten

Für deutsche Käufer gilt vorerst die nüchterne Version der Geschichte: Es gibt hierzulande nichts zu bestellen und nichts zu reservieren, und vor Ende 2027 wird sich daran aller Voraussicht nach nichts ändern. Wer jetzt ein elektrifiziertes Luxus-SUV sucht, findet die real existierenden Alternativen in unserem Marktüberblick. Wer das Freelander-Konzept reizvoll findet, sollte zwei Termine beobachten. Erstens die IAA im September, die traditionelle Bühne für Europa-Ankündigungen chinesischer Marken. Zweitens den Nahost-Start, dessen Preisniveau erste Rückschlüsse auf Europa erlaubt.

Die größere Erkenntnis dieser 48 Stunden reicht über das Auto hinaus. Ein britischer Traditionsname, chinesische Plattform, JLR-Design, Huawei-Software und ein Rekordstart im härtesten Automarkt der Welt: Der Freelander 8 ist das bisher konsequenteste Beispiel dafür, wie sich die Gewichte der Autoindustrie verschieben. Nicht durch Verdrängung, sondern durch Verschmelzung. Dass ausgerechnet der einstige Einsteiger-Land-Rover dieses Signal sendet, ist die feine Ironie der Geschichte. Wir bleiben dran und aktualisieren diesen Artikel mit jeder belastbaren Europa-Information.

Freelander 8

Weiterlesen auf AutoColumn


Über den Autor: Amit Ahirrao ist professioneller Präzisionsfahrer und Gründer von AutoColumn. Er bewertet Fahrzeuge anhand realer Daten, gefahrener Strecken und nachvollziehbarer Einordnungen.

Letzte Aktualisierung: 19. August 2026 · Datenquellen: CnEVPost, CarNewsChina, Electrek, Zecar, Chery-JLR. China-Preise umgerechnet, Stand 19.08.2026.

Was kostet der Freelander 8?

In China startet der Freelander 8 im Vorverkauf bei 339.900 Yuan, umgerechnet rund 40.800 Euro, die Topversion Max+ bei etwa 51.600 Euro. Für Deutschland gibt es noch keinen Preis; realistisch wäre bei einem Marktstart ein Einstieg um 55.000 bis 65.000 Euro.

Kommt der Freelander 8 nach Deutschland?

Ein Deutschland-Termin ist offen, aber die Marke hat eine eigene Europa-Spezifikation und einen weltweit synchronisierten Start angekündigt. Zuerst kommen Nahost und Australien 2027. Ein Europa-Start ist frühestens Ende 2027, eher 2028 realistisch.

Welchen Antrieb hat der Freelander 8?

Der Freelander 8 ist ein Range Extender: Zwei Elektromotoren mit zusammen 610 kW (818 PS) treiben an, ein 1,5-Liter-Benziner arbeitet nur als Generator. Die 60,3-kWh-Batterie lädt dank 800-Volt-Technik von 20 auf 80 Prozent in rund zwölf Minuten.

Ist der Freelander 8 ein Land Rover?

Nein. Freelander ist seit 2024 eine eigenständige Marke des Joint Ventures von Chery und Jaguar Land Rover. Das Design stammt vom JLR-Team um Gerry McGovern, ein Land-Rover-Logo trägt das Auto aber nicht. Gebaut wird im Werk Changshu in China.

Wie viele Bestellungen hat der Freelander 8?

Nach Angaben von Chery-JLR gingen binnen 48 Stunden nach dem Vorverkaufsstart am 14. August 2026 über 10.000 Vorbestellungen ein. Solche Zahlen basieren in China auf erstattbaren Anzahlungen und sind kein Maß für endgültige Verkäufe.

Wie viel elektrische Reichweite hat der Freelander 8?

Die Batterie soll nach chinesischer CLTC-Norm 310 Kilometer rein elektrisch schaffen, was realistisch etwa 230 bis 250 WLTP-Kilometern entspricht. Danach übernimmt der Benzin-Generator, wodurch die Gesamtreichweite nicht vom Laden abhängt.

More From Author

Car Charging

E-Auto-Prämie vor der Änderung? Die Fakten, die Fronten und was Käufer jetzt tun sollten